Eine der besonderen Stärken von Red Hat war schon immer die automatische Hardware-Erkennung: Während man die korrekte Einrichtung von Grafikkarte und Monitor ohnehin erwartet (diese funktioniert gut und kennt sogar das ältere Monitormodell), ist es nicht selbstverständlich, dass nach Rekonfiguration des Rechners die Änderungen verkraftet werden.
Red Hat meistert das sehr gut: Nach der Installation wurden die Netzwerkkarte gegen ein anderes Modell ausgetauscht und ein zusätzlicher SCSI-Adapter eingebaut - 100% Treffer: Beim nächsten Systemstart entfernt der Hardware-Assistent die alte Netzwerkkarte und richtet die neuen Geräte ein. Die schon vorhandene Netzwerkkonfiguration wurde dabei auf die neue Karte übertragen, im Ergebnis war der Rechner sofort wieder im Netz erreichbar. Eigenartig ist nur: Der SCSI-Controller wurde zwar erkannt und das korrekte Modul in die Datei /etc/modules.conf eingetragen, aktiviert wurde der Treiber aber nicht - dafür ist ein
modprobe scsi_hostadapter
nötig. Doch beginnen wir beim Anfang, der Installation. Red Hat leistet sich den Luxus, bei der Partitionierung auf ein Tool zu verzichten, das Windows-FAT-Partitionen verkleinern kann. Dieses (bei SuSE und Mandrake vorhandene) Feature verliert allerdings mehr und mehr an Bedeutung, seit sich Windows XP als vorinstalliertes System durchsetzt: Die NTFS-Partitionen von XP kann keine der Linux-Distributionen im Test bearbeiten - es gibt schlicht noch kein freies Tool, das dies leistet. Jedoch zwingt Red Hat mit dieser Entscheidung auch Anwender älterer Windows-Versionen (95, 98, Me), zur Verkleinerung der Windows-Partition auf ein kommerzielles Tool wie Partition Magic auszuweichen oder mit dem unkomfortablen Kommandozeilen-Tool FIPS im DOS-Prompt von Windows zu arbeiten.
Ansonsten ist die Partitionierungsroutine flexibel: Red Hat kann einen Vorschlag für die Umgestaltung der Platte machen, den Anwender dies im Disk Druid oder (wichtig für Profis) auch mit fdisk erledigen lassen. Die automatisch vorgeschlagene Aufteilung ist für den Durchschnittsanwender vernünftig (kleine /boot-Partition, 1 GB Swap, Rest für die Root-Partition), die Partitionen werden mit dem Journaling-Dateisystem ext3, dem Nachfolger des alten Standards ext2 formatiert. Für und gegen ext3 und seine einzige echte Alternative ReiserFS gibt es unterschiedliche Argumente, die Entscheidung für ext3 ist nicht zu beanstanden.
An Installationsvarianten kennt Red Hat vordefinierte Paketauswahlen für den Einsatz als Workstation, Server oder Laptop und erlaubt auch, eine eigene Wahl zu treffen, als Boot-Manager stehen Lilo und Grub zur Wahl - im Master Boot Record der Platte oder im Boot-Sektor der Linux-Partition.
Schnell vernetzt
Netzwerk und Firewall werden schon bei der Installation konfiguriert: Für die Einrichtung der Netzwerkkarte kann DHCP verwendet werden, alternativ lassen sich die Daten (IP-Adresse, Netzmaske etc.) per Hand eingeben. Der Schutz durch die Firewall lässt sich in drei Stufen regeln; zusätzlich können verschiedene Servcices (DHCP, SSH, Telnet, WWW, SMTP und FTP) ein- oder ausgeschaltet werden.
Paketwahl
Den Installationsumfang bestimmen Sie zeitsparend durch eine Auswahl von vier Paketgruppen (GNOME, KDE, Software-Entwicklung, Spiele/Unterhaltung), können aber auch einzelne Pakete an- oder abwählen, falls Sie sich die Zeit nehmen wollen.
Sind alle Einstellungen getätigt, geht es nach Bestätigung der Vorgaben los - bis zu diesem Zeitpunkt wurde noch nichts am System verändert, was einen spät entschiedenen Ausstieg aus der Installation erlaubt.
Bei der Paketübertragung amüsiert Red Hat mit einigen Anekdoten über die Firma, etwa: "Aus Student trug Marc Ewing auf dem Campus immer eine rote Baseballmütze. Da er fast alle Computer-Probleme lösen konnte, begannen die Leute, den Typ mit dem roten Hut um Hilfe zu fragen - das blieb hängen."



