Kraftvolle Minis

Minidistributionen

01.08.2002
Nicht immer muss es eine ausgewachsene Linux-Distribution sein: Mini-Distributionen eignen sich dafür, Daten zu retten oder älteren Rechnern ein längeres Leben zu bescheren.

Moderne Distributionen benötigen bei Vollinstallation leicht einmal zwei bis drei GByte Platz auf der Festplatte. Wer einen älteren Rechner oder ein Notebook sein Eigen nennt, bekommt zudem mit deren Hardwareanforderungen leicht Probleme. Abhilfe schaffen hier Mini-Distributionen, die nur sehr wenig Plattenplatz benötigen und auch mit einer kleinen Ausstattung an Arbeitsspeicher auskommen. Ein weiterer Vorteil: Sie lassen sich auf Diskette oder Zip-Disk leicht überall hin mitnehmen. Ein-Disketten-Distributionen sind zudem wertvolle Helfer bei der Datenrettung, falls der Rechner einmal nicht mehr richtig bootet.

Wir haben uns fünf verschiedene Mini-Distributionen für die verschiedensten Einsatzzwecke angesehen: Die Ein-Disketten-Distribution tomsrbt macht es sich komplett im Arbeitsspeicher gemütlich, so dass eine Partitionierung der Festplatte entfällt. 2Disk-XWin enthält neben den wichtigsten Konsolen-Programmen ein vollwertiges X-Window-System. mulinux versteht sich als minimalistische, applikationsorientierte Distribution. Bereits mit einer Diskette zu starten, lässt sie sich um X11, verschiedene Server, Java, Perl, einen C-Compiler und diverse Tcl-basierende Anwendungen zu einer vollwertigen Distribution für schwache Hardware erweitern. Zipslack wiederum ging aus der Slackware-Distribution [1] hervor. Etwa 100 MByte groß, ist sie leicht auf einer Zip-Diskette installiert. Als letzten Kandidaten haben wir uns VectorLinux angesehen. Der etwa 100 MByte große Download wird mit einem vollständigen System mit X11, einer kompletten Entwicklungsumgebung und zahlreichen Anwendungen belohnt.

Die angedeutete Vielfalt zeigt es bereits: Dieser Artikel kann kein Vergleichstest sein, dafür unterscheiden sich die Kandidaten doch zu stark.

Als Testsysteme verwendeten wir einen AMD Duron mit 750 MHz und 128 MByte RAM, ein Pentium-1-Notebook mit 133 MHz und 24 MByte Hauptspeicher, einen Rechner mit einem 150-MHz-Cyrix-Instead-Prozessor und 32 MByte sowie, für mulinux und tomsrbt, zusätzlich einen 486 DX/2-66 mit gigantischen 16 MByte RAM.

Zur Installation ist in den meisten Fällen ein weiterer Rechner mit installiertem Linux erforderlich, auf dem die Boot-Disketten erstellt werden. Zipslack und mulinux lassen sich auch von einer Windows-Installation aus einrichten.

tomsrtbt

"Tom's Root Boot Disk" ist eine klassische Ein-Disketten-Distribution, die den Schwerpunkt auf Programme zur Festplatteneinrichtung und Datensicherung setzt.

Ihre Einrichtung ist einfach: Sie laden von der Homepage [2] oder unserer Heft-CD die Datei tomsrbt-2.0.103.tar.gz herunter und entpacken sie mit dem Befehl tar -xzvf tomsrbt-2.0.103.tar.gz oder einem Programm wie ark oder guitar in ein Verzeichnis Ihrer Wahl. Wechseln Sie in den dabei neu entstandenen Ordner tomsrbt-2.0.103, und geben Sie als root den Befehl ./install ein.

Das Installationsskript fordert Sie dazu auf, eine unformatierte Diskette ins erste Diskettenlaufwerk zu legen. Anschließend drücken Sie [Enter]; die Diskette wird mit einer Kapazität von 1722 kByte formatiert und das tomsrbt-Disketten-Image darauf geschrieben. Dieser Vorgang – die Installation an sich – dauert einige Minuten.

Um das Mini-Linux zu starten, booten Sie den Rechner von dieser Diskette. Der Startvorgang dauert einige Minuten, schließlich muss der Kernel von der Diskette gelesen und entpackt werden. Das System wird vollständig in eine Ramdisk kopiert. Nach einiger Zeit fordert es Sie auf, die Bildschirmschriftart zu wählen. Anschließend müssen Sie sich für ein Tasataturlayout entscheiden: Die deutsche Tastatur ist vertreten, nur werden Umlaute nicht ausgegeben. Für ein Rettungssystem ist das mit Sicherheit zu verschmerzen.

Nun stehen verschiedene Programme, um auf unterschiedliche Dateisysteme zuzugreifen oder die Festplatte neu einzurichten, zur Nutzung bereit: Mit fdisk bearbeiten Sie die Partitionstabelle der Festplatte(n), mit mke2fs und mkdosfs lassen sich Partionen formatieren. Aber auch der Editor vi (in der elvis-Variante) sowie Komprimierungs- und Dekomprimierungsprogramme wie bzip2 und gzip sind vorhanden.

tomsrtbt ist eine feine Sache, wenn Sie ein Linux für die Hemdtasche oder ein Rettungssystem für den Fall brauchen, dass Sie an Ihre Festplattendaten nicht mehr herankommen. Die Distribution enthält alle Werkzeuge, um eine Harddisk einzurichten oder eine beschädigte LILO-Installation zu reparieren. Auf der Homepage [2] finden Sie Informationen, wie Sie tomsrtbt an Ihre Bedürfnisse anpassen oder auf einer CD installieren.

2DiskXWin

2DiskXWin ist in erster Linie ein Raumwunder: Auf zwei Disketten findet ein vollständiges Linux-System samt X Platz.

Die Installation gestaltet sich dank eines mitgelieferten Skripts einfach. Sie laden die Datei 2dskx-1.4rc12.tgz aus dem Netz [3] oder von der Heft-CD und entpacken sie mit dem Befehl tar -xzvf 2dskx-1.4rc12.tgz in ein Verzeichnis Ihrer Wahl. Der dabei neuangelegte Ordner namens dist enthält die Disketten-Images und das Installationsskript. Darin geben Sie als root den Befehl ./writedisk ein. Sie werden aufgefordert, nacheinander zwei Disketten einzulegen, die mit dem System bespielt werden.

Von der ersten der beiden starten Sie den Computer. Bis der Kernel von der Diskette in die Ramdisk geladen ist, dauert es ein paar Minuten. Anschließend kommt die Aufforderung, die zweite Diskette einzulegen. Nach wenigen Augenblicken ist das System gestartet, und Sie melden sich ohne Passwort als root an. Um in den Genuss der grafischen Oberfläche zu kommen, starten Sie das X-Window-System durch Eingabe von xwin. 2DiskXWin fragt Sie nach Ihrer Maus; dann wählen Sie die gewünschte Auflösung aus. Nun startet X, und schon nach kurzer Zeit steht Ihnen ein grafischer Desktop zur Verfügung.

Abbildung 1: Die 2DiskXWin-Installation funktioniert trotz aller Fehlermeldungen

Als WWW-Browser ist Chimera mit an Bord. Zum Aufbau einer Netzverbindung verwenden Sie ein Skript, das die Verbindungsdaten aufnimmt und die Verbindung zu Ihrem Provider herstellt. Als Dateimanager gibt es xfm, auch das einfache Malprogramm xpaint ist mit dabei.

Da das Mounten eines MS-DOS-Dateisystems funktioniert, können Sie Reparaturen an einer beschädigten Windows-Installation vornehmen. Leider ist es nicht möglich, mit ext2 und ext3 formatierte Partionen zu mounten, so dass auf ein eventuell installiertes Linux nicht zugegriffen werden kann.

mulinux

Im Gegensatz zu anderen Mini-Distributionen versteht sich mulinux [4] nicht nur als Rettungs- und Notfallsystem, sondern als vollständige Distribution, die Programme für die wichtigsten Anwendungen mitbringt. Das Basissystem benötigt nur eine Diskette; es gibt insgesamt zehn Ergänzungen, mit denen Sie ein umfangreiches System zusammenstellen. Seit unserem letzten Artikel [5] (damals war der LinuxUser noch ein Heft im Heft im Linux-Magazin) hat sich viel getan; das System ist stabiler und umfangreicher geworden.

Die erste mulinux-Diskette ist als Ein-Disketten-Linux verwendbar. Ähnlich wie bei tomsrtbt handelt es sich dabei um eine Notfalldiskette, mit deren Hilfe Sie Daten retten und beschädigte Installationen wieder korrigieren. Richtig interessant wird mulinux aber erst durch die Addons, einzelne Disketten, die das System um verschiedene Programme erweitern. Sinnvoll sind in jedem Falle die Addons X11 für das X-Window-System, SRV und WKS, die einige Server enthalten, der Bootmanager LILO, der SVGA-X-Server aus NS1 und Netscape 3 aus NS2. Bei den übrigen Paketen dürfte der Einsatzzweck entscheidend sein.

Die passenden Disketten richten Sie mit Hilfe eines Skripts ein. Zunächst entpacken Sie als root die Datei mulinux-13r2.tgz in einem beliebigen Verzeichnis. Jetzt kopieren Sie alle zu installierenden Addons dort hinein. Anschließend starten Sie das Installationsskript durch Eingabe von ./mu -i in einer Konsole (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das mulinux-Installationsskript

Dieses Skript muss zur Erstellung jeder Diskette erneut aufgerufen werden. Haben Sie alle gewünschten Disketten kopiert, kann die Installation beginnen. Zu diesem Zweck legen Sie die erste Floppy, die Boot-Diskette, ins Diskettenlaufwerk und starten den Rechner.

Nach dem Start präsentiert mulinux ein Frage- und Antwortspiel, ob Sie die Addons konfigurieren möchten. Lesen Sie die Hilfetexte auf dem Bildschirm sorgfältig durch, und beantworten Sie die Fragen genau. Der Inhalt der gewählten Disketten wird in den Arbeitsspeicher des Computers kopiert. Das kann je nach Anzahl der ausgewählten Disketten einige Zeit dauern.

Sind alle Disketten kopiert, erscheint ein menügesteuertes Setup-Programm, mit dessen Hilfe Sie das System anpassen. Wenn Sie Tastatur, Maus, Monitor und Grafikkarte konfiguriert haben, verlassen Sie es, speichern die Konfiguration und gelangen auf die Konsole. Auf die Eingabe von startx hin finden Sie sich auf der grafischen Oberfläche des X-Window-Systems wieder (Abbildung 3).

Abbildung 3: mulinux mit X

Die Eingabe von menu in einer Shell öffnet ein Menü, von dem aus Sie Hilfetexte aufrufen und Programme starten.

Um das System dauerhaft auf der Festplatte zu speichern, geben Sie in einer Konsole clone ein. Das Clone-Programm fragt, wohin Sie mulinux installieren möchten und kopiert das ganze System an den neuen Platz.

Neben Standardprogrammen zur Datenrettung und Festplatteneinrichtung bringt mulinux einen einfachen Web-Server, ein Sendmail-Programm und einen Newsserver mit. Als Browser stehen lynx und, mit Hilfe des besagten Addons, Netscape 3.0 zur Verfügung. Als Mail-Programm findet mutt Verwendung. Im TCL-Addon sind unter anderem ein Editor und ein einfacher HTML-Editor enthalten. Das Java-Addon enthält eine alte Version von Kaffe, mit deren Hilfe Sie einfache Java-Programme übersetzen und ausführen. Ein Schmankerl ist das TeX-Addon. Enthalten ist eine stark abgespeckte Version des Satzsystems TeX sowie eine alte Ausgabe von LyX, das die Erstellung von TeX-Dokumenten ohne die Eingabe der kryptischen TeX-Kommandos möglich macht.

Somit ist mulinux zwar durchaus immer noch klein zu nennen, aber vor allen Dingen recht komplett. Die Installation von Disketten funktioniert reibungslos, ist allerdings sehr mühsam. Dafür können Sie das System aber auch auf Computer aufspielen, die kein CD-Laufwerk haben, zum Beispiel auf ältere Laptops. Zu mulinux gibt es unter [6] eine Einführung, die grundlegende Kenntnisse im Umgang mit Linux vermittelt.

Zipslack

Linux von einer Windows-Partition aus? Mit Zipslack, das Sie u. a. auf der Heft-CD zum LinuxUser 04/2002 finden, kein Problem: Diese Distribution ist extra für die Installation in einem UMSDOS-Dateisystem vorgesehen. Die Heimat des entsprechenden Archivs zipslack.zip ist die Slackware-Homepage [7]. Kopieren Sie es in ein beliebiges Verzeichnis auf Ihrem Windows-System.

Mit Hilfe eines Dekompressionsprogramms wie UltimateZip entpacken Sie zipslack.zip ins Root-Verzeichnis auf einem Laufwerk Ihrer Wahl. Dabei wird ein Verzeichnis Linux erstellt, das die Distribution enthält. Nun müssen Sie noch die Datei linux.bat bearbeiten, die Zipslack mit Hilfe des Programms loadlin booten wird. Öffnen Sie die Datei in einem Texteditor, und geben Sie das Device, also die Festplattenpartition oder das Zip-Laufwerk, an, von dem Zipslack booten soll. Wenn Sie von einem externen Zip-Laufwerk starten, ist /dev/sdc4 die richtige Wahl, bei Verwendung des C:-Laufwerks dürfte meistens /dev/hda1 richtig sein. Die Datei linux.bat ist sehr gut dokumentiert und bietet Hilfe bei Problemen mit dem Systemstart.

Um Linux zu booten, starten Sie den Computer im MS-DOS-Modus und wechseln mit cd linux ins Verzeichnis Linux. Jetzt geben Sie den Befehl Linux.bat ein, und siehe da: Zipslack bootet.

Am Login-Prompt melden Sie sich als root an; das Passwort ist bislang leer. Als Erstes sollten Sie daher mit dem Befehl passwd ein Superuser-Passwort setzen. Mit adduser legen Sie (mindestens) einen neuen, unprivilegierten Benutzer an, unter dessen Kennung Sie arbeiten wollen.

Zipslack lässt sich über ein menügesteuertes Setup-Programm konfigurieren, das root mit dem Befehl setup aufruft. Hier legen Sie das Tastaturlayout sowie den Anschluss für Modem und Netzwerk fest und bestimmen, von wo aus Sie Ergänzungen für Ihr System einspielen. Leider ließ sich auf keinem der Testrechner die deutsche Tastatur einrichten, was beim Arbeiten doch etwas störte. Hilfreich ist es daher zu wissen, dass sich der vorwärtsgerichtete Schrägstrich bei amerikanischer Tastenbelegung hinter der deutschen [-]-Taste, das Minus-Zeichen hinter der [ß]-Taste versteckt; [y] und [z] sind vertauscht.

Zipslack enthält alle wichtigen Konsolenprogramme, die Editoren vi und pico, den Compiler gcc zum Übersetzen von C- und C++-Programmen, den Browser lynx und Perl. Die Konfiguration eines Internet-Zugangs erleichtert ein Skript. Sie müssen nur die Telefonnummer des Providers und eventuell die Adresse des Nameservers eingeben.

Zipslack ist praktisch, wenn Sie Linux ausprobieren möchten, ohne die Festplatte neu zu partionieren. Die Installation in ein Windows-Dateisystem macht das System zwar langsamer, dafür ist es bei Nichtgefallen schnell wieder gelöscht. Zipslack ist mit allen Slackware-Paketen erweiterbar, so können Sie die Distribution noch um weitere Programme, Server oder X ergänzen.

VectorLinux

VectorLinux fällt ein wenig aus dem Rahmen der hier vorgestellten Distributionen: Es hat den Anspruch, eine vollständige Distribution für die tägliche Arbeit zu sein.

Zur Installation müssen Sie sich mindestens vier Dateien von der Programm-Homepage [8] herunter laden: Ein Disketten-Image zum Booten des Rechners, ein Root-Image (beides im Paket disks.tar.gz auf der Heft-CD enthalten), einen Kernel (aus kernels.tar.gz) und das Basissystem veclinux.bz2 (aus dem Heft-CD-Paket vl-base.tar.gz). Falls Sie X verwenden möchten, benötigen Sie entweder die Datei XF-3.3.6.bz2 für XFree86 3.3.6 oder XF-4.2.bz2 für die Version 4.2.0. Auf den Testrechnern entschieden wir uns für Version 3.3.6, da die Hardwareanforderungen der aktuelleren Ausgabe für betagtere Rechner zu hoch sind. Der komplette Download umfasst insgesamt etwa 94 MByte.

Kopieren Sie die Dateien veclinux.bz2, XF-3.3.6.bz2 und den von Ihnen gewählten Kernel in ein Verzeichnis veclinux auf einem beliebigen Datenträger. Das kann ein CD-Rohling sein, aber auch eine Festplatte. Von Zip-Diskette ließ sich VectorLinux leider nicht installieren.

Jetzt müssen Sie aus den Disketten-Images zwei Disketten machen: Eine Boot-Diskette zum Starten und eine Root-Diskette, die das Basissystem enthält. Sie wechseln dazu in das Verzeichnis, das die Dateien root.img und das von Ihnen gewählte Startdisketten-Image enthält. Entscheiden Sie sich für boot586i.img, geben Sie als root den Befehl

dd if=boot586i.img of=/dev/fd0 bs=512

für die erste Floppy sowie nach dem Diskettenwechsel

dd if=root.img of=/dev/fd0 bs=512

ein. dd schreibt die Daten sektorenweise auf die Datenträger, im zweiten Fall Installationsprogramm und -system auf die Root-Diskette.

Von der Boot-Diskette starten Sie den Rechner, auf dem VectorLinux installiert werden soll. Nach wenigen Sekunden erscheint ein Eingangsbildschirm: Drücken Sie [Enter], macht sich das Installationssystem bereit. Nach einigen Sekunden werden Sie aufgefordert, die Root-Diskette einzulegen.

Im sehr guten Installer stehen zu jedem Schritt englische Hilfetexte zur Verfügung, die genau erklären, was als Nächstes zu tun ist, und stets die sicherste Variante als Standard anbieten. Zunächst werden Sie aufgefordert, eine Tastatur auszuwählen. Für eine deutsche Tastatur ist de-latin1-nodeadkeys.map German die richtige Wahl. Auch hier gibt es leider Probleme mit der Tastatur. Selbst wenn die deutsche Tastenbelegung ausgewählt wird, bleibt stets die amerikanische aktiviert.

Anschließend geht es ans Einrichten der Daten-Partitionen und des Swap-Bereichs. Sie benötigen eine Linux-Partition mit mindestens 250 MByte Platz für das System und eine Swap-Partition, die etwa die doppelte Größe des installierten Arbeitsspeichers aufweisen sollte. Sind diese Hürden genommen, sucht das Installationsprogramm die Datei veclinux.bz2 auf Festplatte oder eventuell eingelegter CD und beginnt nach Auswahl der Zielpartition und Überprüfen des Archivs mit der Installation der Pakete. Als Dateisysteme stehen ext2 und ext3 zur Verfügung. Die Installation des Basis-Systems ohne X dauert je nach Geschwindigkeit der Festplatte und des Prozessors einige Minuten bis zu einer Viertelstunde. Es gibt keine Möglichkeit zur Paketauswahl, stets wird das gesamte System kopiert.

Ist das Basissystem installiert, wird der Kernel eingerichtet, danach folgt XFree. Zu dessen Konfiguration (Maus, Tastatur, Grafikkarte und Monitor) kommt das Programm sax zum Einsatz. Nach Abschluss der Installation gelangen Sie ins VectorLinux-Setup-Programm, mit dessen Hilfe Sie die Maus für die Benutzung auf der Konsole, das Modem, die Verbindung zu Ihrem Internet-Provider, Lilo, die Soundkarte, PCMCIA und die Netzwerkkarte konfigurieren. Sie erreichen das Setup-Programm jederzeit, indem Sie als root in einer Konsole den Befehl vasm eingeben (Abbildung 4).

Abbildung 4: Das Setup-Programm von VectorLinux

Nach abgeschlossener Installation sollte sich root mit dem Befehl passwd ein Passwort geben und mit adduser einen neuen unprivilegierten Benutzer anlegen, unter dessen Kennung Sie arbeiten.

X startet wie gewohnt auf den Befehl startx hin. Es erscheint ein Menü, in dem Sie den Window-Manager wählen: ICEwm (Abbildung 5) und XFCE stehen zur Wahl.

Abbildung 5: X mit ICEwm

Über Mangel an Programmen können sich VectorLinux-User nicht beklagen: die Textverarbeitung Abiword, der Editor Nedit, das Mail-Programm Sylpheed, Opera und XMMS bilden den Grundstock. Guitar zum Bearbeiten von tar-Archiven, emelfm als Dateimanager und gftp runden das Softwareangebot ab. Mit an Bord ist der Compiler gcc, zusammen mit allen Header-Dateien zum Kompilieren von Konsolen- und GTK-basierten Programmen. Die Probe aufs Exempel, Übersetzung und Installation von gimp, funktionierte einwandfrei. Auch der HTML-Editor bluefish ließ sich anstandslos kompilieren.

VectorLinux ist eine relativ kompakte Distribution, die alles mitbringt, was die Benutzerin zur täglichen Arbeit benötigt. Das System lässt sich mit Slackware-Paketen erweitern, so steht ein großes Angebot fertig übersetzter Programme zur Verfügung.

Fazit

Jede der hier vorgestellten Mini-Distributionen hat ihren Einsatzzweck: tomsrtbt ist ein kleines Linux für die Hemdtasche, das Sie immer mit sich herumtragen können und das die wichtigsten Werkzeuge zur Fehlerbehebung dabei hat. 2DiskXWin beweist, dass ein vollständiges Linux mit grafischer Oberfläche auf zwei Disketten Platz finden kann. Ohne Erweiterungen ist sinnvolles Arbeiten allerdings nicht möglich. mulinux zeigt, dass eine ausgewachsene Distribution mit allen für die tägliche Arbeit notwendigen Programmen nicht zwei GByte Festplattenplatz verschlingen muss und zum Funktionieren einen Zwei-GHz-Prozessor braucht. Die Installation ist ein wenig umständlich, schließlich müssen elf Disketten aus dem Netz geladen, kopiert und installiert werden. Dafür lief das System auch auf dem 486er Testsystem noch flüssig und war mit einem Festplattenkonsum von 50 MByte sehr sparsam. Zipslack lässt sich gut und gern als großer Bruder von tomsrtbt bezeichnen. Es passt auf eine der weit verbreiteten Zip-Disketten und enthält alles Notwendige zum Arbeiten auf der Konsole, einschließlich des gcc. Der Download der etwa 100 MByte VectorLinux stellt in Zeiten von DSL und Flatrates keine große Hürde mehr dar, wenn eine sorgfältig zusammengestellte, für die tägliche Arbeit vollständige Distribution der Lohn ist. Alle hier vorgestellten Projekte werden intensiv weiter entwickelt, so dass sich ein Blick auf die jeweiligen Homepages lohnt.

Glossar

Disketten-Image

Eine Datei, die den Inhalt einer kompletten Diskette enthält. Disketten-Images schreibt man unter Linux mit dem Befehl dd auf eine Diskette.

Ramdisk

Ein Teil des Arbeitsspeichers, der wie ein Datenträger formatiert und angesprochen wird. Der Vorteil einer Ramdisk ist die kurze Zugriffszeit auf die Daten, der Nachteil, dass ihr Inhalt beim Ausschalten des Computers unwiderruflich verloren ist.

Partitionstabelle

Der Bereich einer Festplatte, in dem die Daten über die Aufteilung der Festplatte gespeichert werden.

ext2

Das "Extended Secondary Filesystem" war bislang das Standard-Dateisystem von Linux.

ext3

Der abwärtskompatible Nachfolger von ext2 verbessert durch Journaling (Buchführen der Schreibzugriffe) die Datenintegrität nach unkontrolliertem Abschalten des Rechners. Dadurch entfallen die langwierigen Filesystem-Reparaturen.

UMSDOS

Ein Linux-Dateisystem auf einem FAT-formatierten (Windows-)Datenträger.

Device

Da unter Unix und Linux eigentlich alles eine Datei ist, finden Sie für alle Geräte von Maus bis Festplatte einen Eintrag im Verzeichnis /dev.

Swap

Der Teil der Festplatte, auf den das Betriebssystem Teile des Arbeitsspeichers auslagert, wenn es im physischen Arbeitsspeicher zu eng wird, wird als Swap-Bereich bezeichnet.

Infos

[1] Patricia Jung, Hans-Georg Eßer: "Handgemacht", LinuxUser 01/2002, S. 34 f.

[2] http://www.toms.net/rb/

[3] http://www.mungkie.btinternet.co.uk/projects/2diskXwin.htm

[4] http://sunsite.dk/mulinux/

[5] Karl-Heinz Zimmer: "Zweiter Frühling", Linux-Magazin 05/99, S. 66 ff., http://www.linux-magazin.de/ausgabe/1999/05/muLinux/mulinux2.html

[6] http://rowa.giso.de/german/

[7] http://www.slackware.com/zipslack/

[8] http://www.ibiblio.org/vectorlinux/

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