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Kraftvolle Minis

Minidistributionen

VectorLinux

VectorLinux fällt ein wenig aus dem Rahmen der hier vorgestellten Distributionen: Es hat den Anspruch, eine vollständige Distribution für die tägliche Arbeit zu sein.

Zur Installation müssen Sie sich mindestens vier Dateien von der Programm-Homepage [8] herunter laden: Ein Disketten-Image zum Booten des Rechners, ein Root-Image (beides im Paket disks.tar.gz auf der Heft-CD enthalten), einen Kernel (aus kernels.tar.gz) und das Basissystem veclinux.bz2 (aus dem Heft-CD-Paket vl-base.tar.gz). Falls Sie X verwenden möchten, benötigen Sie entweder die Datei XF-3.3.6.bz2 für XFree86 3.3.6 oder XF-4.2.bz2 für die Version 4.2.0. Auf den Testrechnern entschieden wir uns für Version 3.3.6, da die Hardwareanforderungen der aktuelleren Ausgabe für betagtere Rechner zu hoch sind. Der komplette Download umfasst insgesamt etwa 94 MByte.

Kopieren Sie die Dateien veclinux.bz2, XF-3.3.6.bz2 und den von Ihnen gewählten Kernel in ein Verzeichnis veclinux auf einem beliebigen Datenträger. Das kann ein CD-Rohling sein, aber auch eine Festplatte. Von Zip-Diskette ließ sich VectorLinux leider nicht installieren.

Jetzt müssen Sie aus den Disketten-Images zwei Disketten machen: Eine Boot-Diskette zum Starten und eine Root-Diskette, die das Basissystem enthält. Sie wechseln dazu in das Verzeichnis, das die Dateien root.img und das von Ihnen gewählte Startdisketten-Image enthält. Entscheiden Sie sich für boot586i.img, geben Sie als root den Befehl

dd if=boot586i.img of=/dev/fd0 bs=512

für die erste Floppy sowie nach dem Diskettenwechsel

dd if=root.img of=/dev/fd0 bs=512

ein. dd schreibt die Daten sektorenweise auf die Datenträger, im zweiten Fall Installationsprogramm und -system auf die Root-Diskette.

Von der Boot-Diskette starten Sie den Rechner, auf dem VectorLinux installiert werden soll. Nach wenigen Sekunden erscheint ein Eingangsbildschirm: Drücken Sie [Enter], macht sich das Installationssystem bereit. Nach einigen Sekunden werden Sie aufgefordert, die Root-Diskette einzulegen.

Im sehr guten Installer stehen zu jedem Schritt englische Hilfetexte zur Verfügung, die genau erklären, was als Nächstes zu tun ist, und stets die sicherste Variante als Standard anbieten. Zunächst werden Sie aufgefordert, eine Tastatur auszuwählen. Für eine deutsche Tastatur ist de-latin1-nodeadkeys.map German die richtige Wahl. Auch hier gibt es leider Probleme mit der Tastatur. Selbst wenn die deutsche Tastenbelegung ausgewählt wird, bleibt stets die amerikanische aktiviert.

Anschließend geht es ans Einrichten der Daten-Partitionen und des Swap-Bereichs. Sie benötigen eine Linux-Partition mit mindestens 250 MByte Platz für das System und eine Swap-Partition, die etwa die doppelte Größe des installierten Arbeitsspeichers aufweisen sollte. Sind diese Hürden genommen, sucht das Installationsprogramm die Datei veclinux.bz2 auf Festplatte oder eventuell eingelegter CD und beginnt nach Auswahl der Zielpartition und Überprüfen des Archivs mit der Installation der Pakete. Als Dateisysteme stehen ext2 und ext3 zur Verfügung. Die Installation des Basis-Systems ohne X dauert je nach Geschwindigkeit der Festplatte und des Prozessors einige Minuten bis zu einer Viertelstunde. Es gibt keine Möglichkeit zur Paketauswahl, stets wird das gesamte System kopiert.

Ist das Basissystem installiert, wird der Kernel eingerichtet, danach folgt XFree. Zu dessen Konfiguration (Maus, Tastatur, Grafikkarte und Monitor) kommt das Programm sax zum Einsatz. Nach Abschluss der Installation gelangen Sie ins VectorLinux-Setup-Programm, mit dessen Hilfe Sie die Maus für die Benutzung auf der Konsole, das Modem, die Verbindung zu Ihrem Internet-Provider, Lilo, die Soundkarte, PCMCIA und die Netzwerkkarte konfigurieren. Sie erreichen das Setup-Programm jederzeit, indem Sie als root in einer Konsole den Befehl vasm eingeben (Abbildung 4).

Abbildung 4

Abbildung 4: Das Setup-Programm von VectorLinux

Nach abgeschlossener Installation sollte sich root mit dem Befehl passwd ein Passwort geben und mit adduser einen neuen unprivilegierten Benutzer anlegen, unter dessen Kennung Sie arbeiten.

X startet wie gewohnt auf den Befehl startx hin. Es erscheint ein Menü, in dem Sie den Window-Manager wählen: ICEwm (Abbildung 5) und XFCE stehen zur Wahl.

Abbildung 5

Abbildung 5: X mit ICEwm

Über Mangel an Programmen können sich VectorLinux-User nicht beklagen: die Textverarbeitung Abiword, der Editor Nedit, das Mail-Programm Sylpheed, Opera und XMMS bilden den Grundstock. Guitar zum Bearbeiten von tar-Archiven, emelfm als Dateimanager und gftp runden das Softwareangebot ab. Mit an Bord ist der Compiler gcc, zusammen mit allen Header-Dateien zum Kompilieren von Konsolen- und GTK-basierten Programmen. Die Probe aufs Exempel, Übersetzung und Installation von gimp, funktionierte einwandfrei. Auch der HTML-Editor bluefish ließ sich anstandslos kompilieren.

VectorLinux ist eine relativ kompakte Distribution, die alles mitbringt, was die Benutzerin zur täglichen Arbeit benötigt. Das System lässt sich mit Slackware-Paketen erweitern, so steht ein großes Angebot fertig übersetzter Programme zur Verfügung.

Fazit

Jede der hier vorgestellten Mini-Distributionen hat ihren Einsatzzweck: tomsrtbt ist ein kleines Linux für die Hemdtasche, das Sie immer mit sich herumtragen können und das die wichtigsten Werkzeuge zur Fehlerbehebung dabei hat. 2DiskXWin beweist, dass ein vollständiges Linux mit grafischer Oberfläche auf zwei Disketten Platz finden kann. Ohne Erweiterungen ist sinnvolles Arbeiten allerdings nicht möglich. mulinux zeigt, dass eine ausgewachsene Distribution mit allen für die tägliche Arbeit notwendigen Programmen nicht zwei GByte Festplattenplatz verschlingen muss und zum Funktionieren einen Zwei-GHz-Prozessor braucht. Die Installation ist ein wenig umständlich, schließlich müssen elf Disketten aus dem Netz geladen, kopiert und installiert werden. Dafür lief das System auch auf dem 486er Testsystem noch flüssig und war mit einem Festplattenkonsum von 50 MByte sehr sparsam. Zipslack lässt sich gut und gern als großer Bruder von tomsrtbt bezeichnen. Es passt auf eine der weit verbreiteten Zip-Disketten und enthält alles Notwendige zum Arbeiten auf der Konsole, einschließlich des gcc. Der Download der etwa 100 MByte VectorLinux stellt in Zeiten von DSL und Flatrates keine große Hürde mehr dar, wenn eine sorgfältig zusammengestellte, für die tägliche Arbeit vollständige Distribution der Lohn ist. Alle hier vorgestellten Projekte werden intensiv weiter entwickelt, so dass sich ein Blick auf die jeweiligen Homepages lohnt.

Glossar

Disketten-Image

Eine Datei, die den Inhalt einer kompletten Diskette enthält. Disketten-Images schreibt man unter Linux mit dem Befehl dd auf eine Diskette.

Ramdisk

Ein Teil des Arbeitsspeichers, der wie ein Datenträger formatiert und angesprochen wird. Der Vorteil einer Ramdisk ist die kurze Zugriffszeit auf die Daten, der Nachteil, dass ihr Inhalt beim Ausschalten des Computers unwiderruflich verloren ist.

Partitionstabelle

Der Bereich einer Festplatte, in dem die Daten über die Aufteilung der Festplatte gespeichert werden.

ext2

Das "Extended Secondary Filesystem" war bislang das Standard-Dateisystem von Linux.

ext3

Der abwärtskompatible Nachfolger von ext2 verbessert durch Journaling (Buchführen der Schreibzugriffe) die Datenintegrität nach unkontrolliertem Abschalten des Rechners. Dadurch entfallen die langwierigen Filesystem-Reparaturen.

UMSDOS

Ein Linux-Dateisystem auf einem FAT-formatierten (Windows-)Datenträger.

Device

Da unter Unix und Linux eigentlich alles eine Datei ist, finden Sie für alle Geräte von Maus bis Festplatte einen Eintrag im Verzeichnis /dev.

Swap

Der Teil der Festplatte, auf den das Betriebssystem Teile des Arbeitsspeichers auslagert, wenn es im physischen Arbeitsspeicher zu eng wird, wird als Swap-Bereich bezeichnet.

Infos

[1] Patricia Jung, Hans-Georg Eßer: "Handgemacht", LinuxUser 01/2002, S. 34 f.

[2] http://www.toms.net/rb/

[3] http://www.mungkie.btinternet.co.uk/projects/2diskXwin.htm

[4] http://sunsite.dk/mulinux/

[5] Karl-Heinz Zimmer: "Zweiter Frühling", Linux-Magazin 05/99, S. 66 ff., http://www.linux-magazin.de/ausgabe/1999/05/muLinux/mulinux2.html

[6] http://rowa.giso.de/german/

[7] http://www.slackware.com/zipslack/

[8] http://www.ibiblio.org/vectorlinux/

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LinuxUser 05/2014

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