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Kraftvolle Minis

Minidistributionen

mulinux

Im Gegensatz zu anderen Mini-Distributionen versteht sich mulinux [4] nicht nur als Rettungs- und Notfallsystem, sondern als vollständige Distribution, die Programme für die wichtigsten Anwendungen mitbringt. Das Basissystem benötigt nur eine Diskette; es gibt insgesamt zehn Ergänzungen, mit denen Sie ein umfangreiches System zusammenstellen. Seit unserem letzten Artikel [5] (damals war der LinuxUser noch ein Heft im Heft im Linux-Magazin) hat sich viel getan; das System ist stabiler und umfangreicher geworden.

Die erste mulinux-Diskette ist als Ein-Disketten-Linux verwendbar. Ähnlich wie bei tomsrtbt handelt es sich dabei um eine Notfalldiskette, mit deren Hilfe Sie Daten retten und beschädigte Installationen wieder korrigieren. Richtig interessant wird mulinux aber erst durch die Addons, einzelne Disketten, die das System um verschiedene Programme erweitern. Sinnvoll sind in jedem Falle die Addons X11 für das X-Window-System, SRV und WKS, die einige Server enthalten, der Bootmanager LILO, der SVGA-X-Server aus NS1 und Netscape 3 aus NS2. Bei den übrigen Paketen dürfte der Einsatzzweck entscheidend sein.

Die passenden Disketten richten Sie mit Hilfe eines Skripts ein. Zunächst entpacken Sie als root die Datei mulinux-13r2.tgz in einem beliebigen Verzeichnis. Jetzt kopieren Sie alle zu installierenden Addons dort hinein. Anschließend starten Sie das Installationsskript durch Eingabe von ./mu -i in einer Konsole (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das mulinux-Installationsskript

Dieses Skript muss zur Erstellung jeder Diskette erneut aufgerufen werden. Haben Sie alle gewünschten Disketten kopiert, kann die Installation beginnen. Zu diesem Zweck legen Sie die erste Floppy, die Boot-Diskette, ins Diskettenlaufwerk und starten den Rechner.

Nach dem Start präsentiert mulinux ein Frage- und Antwortspiel, ob Sie die Addons konfigurieren möchten. Lesen Sie die Hilfetexte auf dem Bildschirm sorgfältig durch, und beantworten Sie die Fragen genau. Der Inhalt der gewählten Disketten wird in den Arbeitsspeicher des Computers kopiert. Das kann je nach Anzahl der ausgewählten Disketten einige Zeit dauern.

Sind alle Disketten kopiert, erscheint ein menügesteuertes Setup-Programm, mit dessen Hilfe Sie das System anpassen. Wenn Sie Tastatur, Maus, Monitor und Grafikkarte konfiguriert haben, verlassen Sie es, speichern die Konfiguration und gelangen auf die Konsole. Auf die Eingabe von startx hin finden Sie sich auf der grafischen Oberfläche des X-Window-Systems wieder (Abbildung 3).

Abbildung 3: mulinux mit X

Die Eingabe von menu in einer Shell öffnet ein Menü, von dem aus Sie Hilfetexte aufrufen und Programme starten.

Um das System dauerhaft auf der Festplatte zu speichern, geben Sie in einer Konsole clone ein. Das Clone-Programm fragt, wohin Sie mulinux installieren möchten und kopiert das ganze System an den neuen Platz.

Neben Standardprogrammen zur Datenrettung und Festplatteneinrichtung bringt mulinux einen einfachen Web-Server, ein Sendmail-Programm und einen Newsserver mit. Als Browser stehen lynx und, mit Hilfe des besagten Addons, Netscape 3.0 zur Verfügung. Als Mail-Programm findet mutt Verwendung. Im TCL-Addon sind unter anderem ein Editor und ein einfacher HTML-Editor enthalten. Das Java-Addon enthält eine alte Version von Kaffe, mit deren Hilfe Sie einfache Java-Programme übersetzen und ausführen. Ein Schmankerl ist das TeX-Addon. Enthalten ist eine stark abgespeckte Version des Satzsystems TeX sowie eine alte Ausgabe von LyX, das die Erstellung von TeX-Dokumenten ohne die Eingabe der kryptischen TeX-Kommandos möglich macht.

Somit ist mulinux zwar durchaus immer noch klein zu nennen, aber vor allen Dingen recht komplett. Die Installation von Disketten funktioniert reibungslos, ist allerdings sehr mühsam. Dafür können Sie das System aber auch auf Computer aufspielen, die kein CD-Laufwerk haben, zum Beispiel auf ältere Laptops. Zu mulinux gibt es unter [6] eine Einführung, die grundlegende Kenntnisse im Umgang mit Linux vermittelt.

Zipslack

Linux von einer Windows-Partition aus? Mit Zipslack, das Sie u. a. auf der Heft-CD zum LinuxUser 04/2002 finden, kein Problem: Diese Distribution ist extra für die Installation in einem UMSDOS-Dateisystem vorgesehen. Die Heimat des entsprechenden Archivs zipslack.zip ist die Slackware-Homepage [7]. Kopieren Sie es in ein beliebiges Verzeichnis auf Ihrem Windows-System.

Mit Hilfe eines Dekompressionsprogramms wie UltimateZip entpacken Sie zipslack.zip ins Root-Verzeichnis auf einem Laufwerk Ihrer Wahl. Dabei wird ein Verzeichnis Linux erstellt, das die Distribution enthält. Nun müssen Sie noch die Datei linux.bat bearbeiten, die Zipslack mit Hilfe des Programms loadlin booten wird. Öffnen Sie die Datei in einem Texteditor, und geben Sie das Device, also die Festplattenpartition oder das Zip-Laufwerk, an, von dem Zipslack booten soll. Wenn Sie von einem externen Zip-Laufwerk starten, ist /dev/sdc4 die richtige Wahl, bei Verwendung des C:-Laufwerks dürfte meistens /dev/hda1 richtig sein. Die Datei linux.bat ist sehr gut dokumentiert und bietet Hilfe bei Problemen mit dem Systemstart.

Um Linux zu booten, starten Sie den Computer im MS-DOS-Modus und wechseln mit cd linux ins Verzeichnis Linux. Jetzt geben Sie den Befehl Linux.bat ein, und siehe da: Zipslack bootet.

Am Login-Prompt melden Sie sich als root an; das Passwort ist bislang leer. Als Erstes sollten Sie daher mit dem Befehl passwd ein Superuser-Passwort setzen. Mit adduser legen Sie (mindestens) einen neuen, unprivilegierten Benutzer an, unter dessen Kennung Sie arbeiten wollen.

Zipslack lässt sich über ein menügesteuertes Setup-Programm konfigurieren, das root mit dem Befehl setup aufruft. Hier legen Sie das Tastaturlayout sowie den Anschluss für Modem und Netzwerk fest und bestimmen, von wo aus Sie Ergänzungen für Ihr System einspielen. Leider ließ sich auf keinem der Testrechner die deutsche Tastatur einrichten, was beim Arbeiten doch etwas störte. Hilfreich ist es daher zu wissen, dass sich der vorwärtsgerichtete Schrägstrich bei amerikanischer Tastenbelegung hinter der deutschen [-]-Taste, das Minus-Zeichen hinter der [ß]-Taste versteckt; [y] und [z] sind vertauscht.

Zipslack enthält alle wichtigen Konsolenprogramme, die Editoren vi und pico, den Compiler gcc zum Übersetzen von C- und C++-Programmen, den Browser lynx und Perl. Die Konfiguration eines Internet-Zugangs erleichtert ein Skript. Sie müssen nur die Telefonnummer des Providers und eventuell die Adresse des Nameservers eingeben.

Zipslack ist praktisch, wenn Sie Linux ausprobieren möchten, ohne die Festplatte neu zu partionieren. Die Installation in ein Windows-Dateisystem macht das System zwar langsamer, dafür ist es bei Nichtgefallen schnell wieder gelöscht. Zipslack ist mit allen Slackware-Paketen erweiterbar, so können Sie die Distribution noch um weitere Programme, Server oder X ergänzen.

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LinuxUser 07/13

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