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Minidistributionen

01.08.2002 Nicht immer muss es eine ausgewachsene Linux-Distribution sein: Mini-Distributionen eignen sich dafür, Daten zu retten oder älteren Rechnern ein längeres Leben zu bescheren.

Moderne Distributionen benötigen bei Vollinstallation leicht einmal zwei bis drei GByte Platz auf der Festplatte. Wer einen älteren Rechner oder ein Notebook sein Eigen nennt, bekommt zudem mit deren Hardwareanforderungen leicht Probleme. Abhilfe schaffen hier Mini-Distributionen, die nur sehr wenig Plattenplatz benötigen und auch mit einer kleinen Ausstattung an Arbeitsspeicher auskommen. Ein weiterer Vorteil: Sie lassen sich auf Diskette oder Zip-Disk leicht überall hin mitnehmen. Ein-Disketten-Distributionen sind zudem wertvolle Helfer bei der Datenrettung, falls der Rechner einmal nicht mehr richtig bootet.

Wir haben uns fünf verschiedene Mini-Distributionen für die verschiedensten Einsatzzwecke angesehen: Die Ein-Disketten-Distribution tomsrbt macht es sich komplett im Arbeitsspeicher gemütlich, so dass eine Partitionierung der Festplatte entfällt. 2Disk-XWin enthält neben den wichtigsten Konsolen-Programmen ein vollwertiges X-Window-System. mulinux versteht sich als minimalistische, applikationsorientierte Distribution. Bereits mit einer Diskette zu starten, lässt sie sich um X11, verschiedene Server, Java, Perl, einen C-Compiler und diverse Tcl-basierende Anwendungen zu einer vollwertigen Distribution für schwache Hardware erweitern. Zipslack wiederum ging aus der Slackware-Distribution [1] hervor. Etwa 100 MByte groß, ist sie leicht auf einer Zip-Diskette installiert. Als letzten Kandidaten haben wir uns VectorLinux angesehen. Der etwa 100 MByte große Download wird mit einem vollständigen System mit X11, einer kompletten Entwicklungsumgebung und zahlreichen Anwendungen belohnt.

Die angedeutete Vielfalt zeigt es bereits: Dieser Artikel kann kein Vergleichstest sein, dafür unterscheiden sich die Kandidaten doch zu stark.

Als Testsysteme verwendeten wir einen AMD Duron mit 750 MHz und 128 MByte RAM, ein Pentium-1-Notebook mit 133 MHz und 24 MByte Hauptspeicher, einen Rechner mit einem 150-MHz-Cyrix-Instead-Prozessor und 32 MByte sowie, für mulinux und tomsrbt, zusätzlich einen 486 DX/2-66 mit gigantischen 16 MByte RAM.

Zur Installation ist in den meisten Fällen ein weiterer Rechner mit installiertem Linux erforderlich, auf dem die Boot-Disketten erstellt werden. Zipslack und mulinux lassen sich auch von einer Windows-Installation aus einrichten.

tomsrtbt

"Tom's Root Boot Disk" ist eine klassische Ein-Disketten-Distribution, die den Schwerpunkt auf Programme zur Festplatteneinrichtung und Datensicherung setzt.

Ihre Einrichtung ist einfach: Sie laden von der Homepage [2] oder unserer Heft-CD die Datei tomsrbt-2.0.103.tar.gz herunter und entpacken sie mit dem Befehl tar -xzvf tomsrbt-2.0.103.tar.gz oder einem Programm wie ark oder guitar in ein Verzeichnis Ihrer Wahl. Wechseln Sie in den dabei neu entstandenen Ordner tomsrbt-2.0.103, und geben Sie als root den Befehl ./install ein.

Das Installationsskript fordert Sie dazu auf, eine unformatierte Diskette ins erste Diskettenlaufwerk zu legen. Anschließend drücken Sie [Enter]; die Diskette wird mit einer Kapazität von 1722 kByte formatiert und das tomsrbt-Disketten-Image darauf geschrieben. Dieser Vorgang – die Installation an sich – dauert einige Minuten.

Um das Mini-Linux zu starten, booten Sie den Rechner von dieser Diskette. Der Startvorgang dauert einige Minuten, schließlich muss der Kernel von der Diskette gelesen und entpackt werden. Das System wird vollständig in eine Ramdisk kopiert. Nach einiger Zeit fordert es Sie auf, die Bildschirmschriftart zu wählen. Anschließend müssen Sie sich für ein Tasataturlayout entscheiden: Die deutsche Tastatur ist vertreten, nur werden Umlaute nicht ausgegeben. Für ein Rettungssystem ist das mit Sicherheit zu verschmerzen.

Nun stehen verschiedene Programme, um auf unterschiedliche Dateisysteme zuzugreifen oder die Festplatte neu einzurichten, zur Nutzung bereit: Mit fdisk bearbeiten Sie die Partitionstabelle der Festplatte(n), mit mke2fs und mkdosfs lassen sich Partionen formatieren. Aber auch der Editor vi (in der elvis-Variante) sowie Komprimierungs- und Dekomprimierungsprogramme wie bzip2 und gzip sind vorhanden.

tomsrtbt ist eine feine Sache, wenn Sie ein Linux für die Hemdtasche oder ein Rettungssystem für den Fall brauchen, dass Sie an Ihre Festplattendaten nicht mehr herankommen. Die Distribution enthält alle Werkzeuge, um eine Harddisk einzurichten oder eine beschädigte LILO-Installation zu reparieren. Auf der Homepage [2] finden Sie Informationen, wie Sie tomsrtbt an Ihre Bedürfnisse anpassen oder auf einer CD installieren.

2DiskXWin

2DiskXWin ist in erster Linie ein Raumwunder: Auf zwei Disketten findet ein vollständiges Linux-System samt X Platz.

Die Installation gestaltet sich dank eines mitgelieferten Skripts einfach. Sie laden die Datei 2dskx-1.4rc12.tgz aus dem Netz [3] oder von der Heft-CD und entpacken sie mit dem Befehl tar -xzvf 2dskx-1.4rc12.tgz in ein Verzeichnis Ihrer Wahl. Der dabei neuangelegte Ordner namens dist enthält die Disketten-Images und das Installationsskript. Darin geben Sie als root den Befehl ./writedisk ein. Sie werden aufgefordert, nacheinander zwei Disketten einzulegen, die mit dem System bespielt werden.

Von der ersten der beiden starten Sie den Computer. Bis der Kernel von der Diskette in die Ramdisk geladen ist, dauert es ein paar Minuten. Anschließend kommt die Aufforderung, die zweite Diskette einzulegen. Nach wenigen Augenblicken ist das System gestartet, und Sie melden sich ohne Passwort als root an. Um in den Genuss der grafischen Oberfläche zu kommen, starten Sie das X-Window-System durch Eingabe von xwin. 2DiskXWin fragt Sie nach Ihrer Maus; dann wählen Sie die gewünschte Auflösung aus. Nun startet X, und schon nach kurzer Zeit steht Ihnen ein grafischer Desktop zur Verfügung.

Abbildung 1

Abbildung 1: Die 2DiskXWin-Installation funktioniert trotz aller Fehlermeldungen

Als WWW-Browser ist Chimera mit an Bord. Zum Aufbau einer Netzverbindung verwenden Sie ein Skript, das die Verbindungsdaten aufnimmt und die Verbindung zu Ihrem Provider herstellt. Als Dateimanager gibt es xfm, auch das einfache Malprogramm xpaint ist mit dabei.

Da das Mounten eines MS-DOS-Dateisystems funktioniert, können Sie Reparaturen an einer beschädigten Windows-Installation vornehmen. Leider ist es nicht möglich, mit ext2 und ext3 formatierte Partionen zu mounten, so dass auf ein eventuell installiertes Linux nicht zugegriffen werden kann.

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Infos zur Publikation

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LinuxUser 05/2014

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