deskTOPia

Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor.

Wer seinen Desktop mit dem in deskTOPia 07/2002 vorgestellten Dateimanager ROX-Filer [1] aufstockte, rätselte sicher über das auf einem ROX-Panel oder Pinboard sichtbare Apps-Icon. Dahinter verbirgt sich bislang einzig jener Dateimanager, der eben dieses Icon anzeigt.

Erweiterungskit

Des Rätsels Lösung: ROX will einen kompletten Desktop bieten, und ein einsamer ROX-Filer ist lediglich dessen Herzstück. Ebenso wie es zur KDE-Basisinstallation weitere Pakete (wie kdegames, kdemultimedia oder kdeutils) gibt, kennt auch ROX-Filer Erweiterungen, die die Arbeit bequemer, die Bedienung einheitlicher und den Funktionsumfang größer machen. Eben diese Anwendungen finden hinter dem Apps-Icon ihren Platz, genaugenommen in einem sogenannten Application Directory [2].

Jede Anwendung belegt darin ein ganzes Verzeichnis, das absolut alles beinhaltet, was zu ihr gehört; sei es nun die ausführbare Programmdatei, ein anzuzeigendes Icon oder aber die Hilfedateien. Wird dieser Ordner gelöscht, ist auch die Anwendung sauber und restlos deinstalliert.

Klick & Run

Klicken Sie auf das zu diesem Application Directory gehörende Ordner-Icon, so startet die darin befindliche Anwendung. Mit einem rechten Mausklick erreichen Sie alle übrigen Funktionen, so z. B. auch die Dokumentation des Programmierers. Sollten Sie eine Anwendung lediglich im Sourcecode (und nicht als ausführbares Programm) ablegen, wird dieser einfach vor dem Ausführen vollständig übersetzt, ohne dass Sie zuvor README-Dateien lesen oder Befehle in einem Terminal eingeben brauchen.

Voraussetzung für eine solch simple Installation und Handhabung weiterer Anwendungen ist allerdings, dass die Anwendung speziell für den Einsatz in solchen Application Directories entwickelt wurde. Das sind im Linux-Land noch nicht allzu viele, genaugenommen nur jene, die rund um den ROX-Desktop erschaffen wurden.

Friedliche Koexistenz

Leider taugt dieses Konzept maximal für eine Handvoll End-User-Anwendungen, nicht aber für eine ganze Linux-Distribution. Die bei Unix-Systemen übliche Aufteilung (ein Verzeichnis für Programmdateien, eines für Hilfedateien, eines für Bibliotheken usw.) sorgt beispielsweise dafür, den Suchpfad für auf der Kommandozeile mit ihrem Namen aufzurufende Programme übersichtlich zu halten oder erlaubt es Applikationen, Bibliotheken (Shared Libraries) zu finden und gemeinsam zu nutzen.

Application Directories ergänzen den gängigen Verzeichnisbaum somit lediglich (wie es auch das /opt-Verzeichnis tut). Dort abgelegte Anwendungen sind nicht ohne Weiteres über eine Eingabeaufforderung ausführbar: Sie benötigen die komplette Pfadangabe, mittels der Sie den Wrapper AppRun aufrufen. Dieser startet die Anwendung aus dem jeweiligen Verzeichnis.

Um z. B. System [3] (ein Tool, das Sie über Plattenplatz und Speicherverbrauch informiert) zu starten, lautet der passende Befehl außerhalb des ROX-Desktops /usr/local/apps/System/AppRun. ROX-Filer reagiert entsprechend auf den Kommandozeilenbefehl /usr/local/apps/ROX-Filer/AppRun, was auch ein Blick in jene ausführbare Datei, die auf den Namen rox hört, verdeutlicht:

jo@planet ~> which rox
/usr/local/bin/rox
jo@planet ~> cat /usr/local/bin/rox
#!/bin/sh
exec /usr/local/apps/ROX-Filer/AppRun "$@"

Der scheinbar gewöhnliche Aufruf von rox muss sich also mit einem Trick behelfen, um innerhalb der "fremden" Welt seiner eigenen treu zu bleiben … Aus einer zu Application Directories kompatiblen Umgebung wie ROX heraus reicht hingegen ein Mausklick auf ein Verzeichnis des Application Directories, um die darin befindliche Anwendung zu starten.

Abbildung 1: Informationen mit System

Bedingungen

Möchten Sie Ihren ROX-Desktop um einige ROX-Applikationen bereichern, sollte Ihr System einige Voraussetzungen erfüllen: Die Skriptsprache Python samt dem separat erhältlichen GTK-Modul [4] python-gtk o. ä. muss installiert sein.

Ferner sollten Sie die Bibliothek ROX-Lib [5] einspielen: Müssen Sie hierfür (statt auf Ihre Distributions-CD) auf das der Heft-CD beiliegende Archiv zurückgreifen, so geht das ebenfalls erfreulich einfach: Das Archiv enthält lediglich ein Verzeichnis namens ROX-Lib, das Sie nach /usr/local/lib kopieren.

Manche Anwendungen verlangen statt nach der ROX-Lib nach ROX-CLib [6]. Um diese installieren zu können, benötigen Sie zusätzlich das Entwicklerpaket zu libxml2 (ebenso wie GTK zu GNOME gehörend). Anschließend kopieren Sie den Inhalt des ROX-CLib-Archivs nach /usr/local/lib. Allerdings muss diese Bibliothek erst aus dem Programmcode übersetzt werden:

tar -xvzf ROX-CLib-0.2.2.tgz
su -
cp -r /pfad/zu/ROX-CLib /usr/local/lib/
cd /usr/local/lib
ROX-CLib/AppRun --compile

Anschließend geben Sie dem System die Existenz der ROX-CLib bekannt: Tragen Sie den Fundort der neu verfügbaren Bibliothek (/usr/local/lib/ROX-CLib/Linux-ix86/lib) in die Datei /etc/ld.so.conf ein, und rufen Sie anschließend ldconfig als User root auf.

Unspektakulär

So gerüstet ist die Installation künftiger Application-Directory-Anwendungen fast schon ein wenig ermüdend: Kopieren oder verschieben Sie den Inhalt eines Archivs ins apps-Verzeichnis (auf der Festplatte unter /usr/(local/)apps/ zu finden, im ROX-Panel am schnellsten über das Apps-Icon zu erreichen). Fertig. Um den Rest kümmert sich ROX.

Klicken Sie nun auf ein Application Directory, so startet das darin befindliche Programm. Handelt es sich hierbei um Sourcecode, wird dieser einfach während des ersten Starts kompiliert. Bei der hier vorgestellten systemweiten Installation sind hierzu einmalig root-Rechte erforderlich! Wollen Sie die Anwendung deinstallieren, löschen Sie einfach das jeweilige Verzeichnis.

Für alle Fälle

Für Ihren ROX-Desktop gibt es nicht nur gewöhnliche Anwendungen, wie z. B. ein Tool namens Archive [7], um per Drag&Drop Archive zu packen bzw. entpacken, oder einen Terminkalender namens Memo [8], der Sie nichts mehr vergessen lässt, sofern Sie seinen Programmstart nicht vergessen. Es gibt auch sogenannte Applets; kleine Programme, die Sie an ein ROX-Panel anheften können. Sei es nun eine Task-Liste oder die Startbox RunIt [9], eine Uhr, ein Mailbox-Checker [10], oder, oder, oder – die ROX-Software-Seiten im WWW [11] halten ebenso wie die Heft-CD einiges bereit.

Abbildung 2: Das Vergessen ist gegessen – Memo

Um ein Applet aufzurufen, öffnen Sie im ROX-Filer das Application Directory und ziehen die gewünschte Anwendung an den rechten Fleck des Panels. Ein dort hingezogenes Applet erkennt ROX automatisch und fügt das Tool gestartet ins Panel ein. Sie können ein Applet jedoch auch wie eine normale Anwendung aufrufen. Dazu dürfen Sie sie nicht aufs Panel ziehen, sondern nur anklicken.

Abbildung 3: ROX-Panel mit Applets

Möchten Sie z. B. RunIt nicht als Applet, sondern als gewöhnliches Icon auf Ihrem Panel ablegen, so funktioniert dies nicht ohne Weiteres. Denn sobald Sie das passende Application Directory aufs Panel ziehen, wird dieses sogleich als Applet hinzugefügt und gestartet. Abhilfe schafft ein rechter Mausklick auf das jeweilige Applikationsverzeichnis, aus dessen aufklappendem Kontextmenü Sie Look Inside auswählen. Nun zeigt ROX-Filer Ihnen (den ansonsten verborgenen) Inhalt des Verzeichnisses an, aus dem Sie die Datei AppRun gefahrlos auf Ihr Panel ziehen können.

Glossar

Wrapper

Ein Skript oder auch ein kompiliertes Programm, das nichts weiter tut, als ein anderes Binary aufzurufen. Meistens setzt ein Wrapper ("Hülle", "Umschlag") zuvor Optionen o. ä., die jenes Programm benötigt.

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