Friedliche Koexistenz

Leider taugt dieses Konzept maximal für eine Handvoll End-User-Anwendungen, nicht aber für eine ganze Linux-Distribution. Die bei Unix-Systemen übliche Aufteilung (ein Verzeichnis für Programmdateien, eines für Hilfedateien, eines für Bibliotheken usw.) sorgt beispielsweise dafür, den Suchpfad für auf der Kommandozeile mit ihrem Namen aufzurufende Programme übersichtlich zu halten oder erlaubt es Applikationen, Bibliotheken (Shared Libraries) zu finden und gemeinsam zu nutzen.

Application Directories ergänzen den gängigen Verzeichnisbaum somit lediglich (wie es auch das /opt-Verzeichnis tut). Dort abgelegte Anwendungen sind nicht ohne Weiteres über eine Eingabeaufforderung ausführbar: Sie benötigen die komplette Pfadangabe, mittels der Sie den Wrapper AppRun aufrufen. Dieser startet die Anwendung aus dem jeweiligen Verzeichnis.

Um z. B. System [3] (ein Tool, das Sie über Plattenplatz und Speicherverbrauch informiert) zu starten, lautet der passende Befehl außerhalb des ROX-Desktops /usr/local/apps/System/AppRun. ROX-Filer reagiert entsprechend auf den Kommandozeilenbefehl /usr/local/apps/ROX-Filer/AppRun, was auch ein Blick in jene ausführbare Datei, die auf den Namen rox hört, verdeutlicht:

jo@planet ~> which rox
/usr/local/bin/rox
jo@planet ~> cat /usr/local/bin/rox
#!/bin/sh
exec /usr/local/apps/ROX-Filer/AppRun "$@"

Der scheinbar gewöhnliche Aufruf von rox muss sich also mit einem Trick behelfen, um innerhalb der "fremden" Welt seiner eigenen treu zu bleiben … Aus einer zu Application Directories kompatiblen Umgebung wie ROX heraus reicht hingegen ein Mausklick auf ein Verzeichnis des Application Directories, um die darin befindliche Anwendung zu starten.

Abbildung 1: Informationen mit System

Bedingungen

Möchten Sie Ihren ROX-Desktop um einige ROX-Applikationen bereichern, sollte Ihr System einige Voraussetzungen erfüllen: Die Skriptsprache Python samt dem separat erhältlichen GTK-Modul [4] python-gtk o. ä. muss installiert sein.

Ferner sollten Sie die Bibliothek ROX-Lib [5] einspielen: Müssen Sie hierfür (statt auf Ihre Distributions-CD) auf das der Heft-CD beiliegende Archiv zurückgreifen, so geht das ebenfalls erfreulich einfach: Das Archiv enthält lediglich ein Verzeichnis namens ROX-Lib, das Sie nach /usr/local/lib kopieren.

Manche Anwendungen verlangen statt nach der ROX-Lib nach ROX-CLib [6]. Um diese installieren zu können, benötigen Sie zusätzlich das Entwicklerpaket zu libxml2 (ebenso wie GTK zu GNOME gehörend). Anschließend kopieren Sie den Inhalt des ROX-CLib-Archivs nach /usr/local/lib. Allerdings muss diese Bibliothek erst aus dem Programmcode übersetzt werden:

tar -xvzf ROX-CLib-0.2.2.tgz
su -
cp -r /pfad/zu/ROX-CLib /usr/local/lib/
cd /usr/local/lib
ROX-CLib/AppRun --compile

Anschließend geben Sie dem System die Existenz der ROX-CLib bekannt: Tragen Sie den Fundort der neu verfügbaren Bibliothek (/usr/local/lib/ROX-CLib/Linux-ix86/lib) in die Datei /etc/ld.so.conf ein, und rufen Sie anschließend ldconfig als User root auf.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Rox-Filer 2.9
    Der schlanke Dateimanager Rox-Filer bringt in der neuen Version Inotify-Support mit und lässt Backslashes beim Umbenennen von vielen Dateien zu.
  • Jo´s alternativer Desktop: ROX
    Ein Window Manager ist Ihnen zu wenig und KDE oder GNOME zu viel? Machen Sie aus Ihrem Fenster-Verwalter einfach ein Environment!
  • deskTOPia: Panelizer
    Einfache Window-Manager haben gegenüber einer Desktop-Umgebung viele Vorteile: Sie sind klein, schnell und hochgradig konfigurierbar. Meistens fehlt jedoch ein Panel, das der Arbeitsumgebung zusätzliche Funktionen beschert.
  • deskTOPia: wmdrawer
    Programmstarter gibt es wie Sand am Meer. Um nicht nur einer von vielen zu sein, muss eine solche Anwendung schon besondere Features bieten: so wie wmdrawer.
  • deskTOPia: xap
    Zum Programmstart muss es nicht immer ein Menü oder Desktop-Icon sein. Xap nähert sich der Aufgabe auf unkonventionelle Weise und entzieht sich so jedem Schubladendenken.
Kommentare

Infos zur Publikation

title_2016_06

Digitale Ausgabe: Preis € 5,99
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Aktuelle Fragen

Welche Drucker sind Linux-mint kompatibel?
Johannes Nacke, 20.05.2016 07:32, 4 Antworten
Hallo Ihr Lieben, ich bitte um mitteilung welche Drucker Kompatibel sind mit Linux-Mint. LG Joh...
MS LifeCam HD-5000 an Debian
Kay Michael, 13.04.2016 22:55, 0 Antworten
Hallo, ich versuche die oben erwähnte Cam an einem Thin Client mit Debian zu betreiben. Linux...
Import von Evolution nach KMail erzeugt nur leere Ordner
Klaus-Christian Falkner, 06.04.2016 12:57, 3 Antworten
Hallo, da ich vor einiger Zeit von Ubuntu auf Kubuntu umgestiegen bin, würde ich gerne meine E...
Sophos lässt sich nicht unter Lubuntu installieren
Chrstina Turm, 30.03.2016 20:56, 3 Antworten
Hi Leute, habe mir vor paar Tagen auf ein Notebook, das ohne Linux ausgedient hätte, Linux dr...
Novell Client auf Raspbian
Chris Baum, 16.03.2016 15:13, 3 Antworten
Hallo Community, ich hätte eine Frage, und zwar geht es um folgendes: Ich möchte eine Datei...