Hancom Office

Aus LinuxUser 08/2002

Hancom Office

Bürohelfer auf Koreanisch

Als Alternative zu den etablierten Office-Suites OpenOffice/StarOffice und KOffice möchte die koreanische Firma Hancom jetzt auch europäische User überzeugen. Mit der Evaluationsversion auf der Heft-CD haben Sie die Möglichkeit zum Test.

Die Nachricht machte im Januar Schlagzeilen: Südkoreas Regierung migriert peu à peu auf Linux und ordert zu diesem Zweck 120000 Linux-Distributionen samt Office-Paket der einheimischen Firma Hancom Linux [1]. Inzwischen setzt Hancom Office, das aus der Textverarbeitung HancomWord, der Tabellenkalkulation HancomSheet, dem Präsentationsprogramm HancomPresenter und dem Malprogramm HancomPainter besteht, zum Sprung nach Europa an. Bislang ist die Software zwar nur auf Englisch erhältlich, doch bis zum Herbst soll sie in weitere westliche Sprachen, darunter Deutsch, lokalisiert werden. Grund genug, sich die neue Version 2.0.2 genauer anzuschauen.

Dieser Artikel stellt Ihnen die einzelnen Hancom-Office-Komponenten vor und zeigt, wie Sie damit alltägliche Aufgaben lösen. Im Mittelpunkt steht dabei HancomWord, da die Textverarbeitung die am meisten benutzte Anwendung einer Office-Suite ist.

Hancom Office ist über die Hancom-Web-Seite oder den deutschen Distributor http://Linuxland zu beziehen. Bei letzterem kostet es auf CD mit Handbuch 76,90 Euro, ohne Handbuch und als Download-Version 65,90 Euro. Auf der Heft-CD finden Sie eine auf 30 Tage Laufzeit beschränkte Programmversion, mit der Sie alle hier vorgestellten Beispiele nachvollziehen können.

Noch im Frühjahr gab es Pläne, in Zusammenarbeit mit der Firma TheKompany [2] eine Professional- Version des Office-Pakets herauszubringen, die zusätzlich eine Datenbankanwendung und einen HTML-Editor enthalten sollte. Aufgrund von Schwierigkeiten bei der Zusammenführung des Codes der beiden Firmen wird es diese jedoch vorerst nicht geben [3].

Installation

Um das grafische Installationsprogramm, das die Programme auf die Festplatte kopiert und Einträge im KDE-Startmenü vornimmt, zu starten, mounten Sie die Installations-CD und führen als root das Installationsskript install aus. Wird die CD auf /mnt/cdrom gemountet, lautet der Befehl zur Installation /mnt/cdrom/install.

Der Installer begrüßt Sie mit einem Dialog, in dem Sie Ihren Namen und bei Verwendung der Vollversion die Seriennummer des Programms eingeben. Ein Klick auf Next > bringt Sie in der Evaluationsversion zur Lizenzvereinbarung; der nächste Dialog erlaubt die Auswahl der zu installierenden Komponenten (Abbildung 1). Da das gesamte Paket nur etwa 400 MByte belegt, können Sie getrost zur Option Full Installation greifen. Im Feld Location for Installation geben Sie ein passendes Installationsverzeichnis ein.

Abbildung 1: Das Installationsprogramm

Abbildung 1: Das Installationsprogramm

Ein Klick auf Next > plus (falls der Plattenplatz reicht) ein weiterer auf Install genügt, und nach wenigen Minuten ist die Installation beendet. Bei der Vollversion haben Sie jetzt noch die Möglichkeit, sich zum Zwecke der Online-Registrierung mit dem Hancom-Server zu verbinden; das ist aber nicht zwingend notwendig.

Anschließend finden Sie im KDE-Menü einen Ordner Hancom Office 2, in dem Einträge zum Starten der einzelnen Anwendungen Word, Sheet, Presenter und Painter abgelegt sind. Ein Klick auf HancomShell befördert ein kleines Fenster auf dem Bildschirm, das Buttons zum Starten der Anwendungen enthält (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Hancom-Shell

Abbildung 2: Die Hancom-Shell

Wort für Wort

Mit der Textverarbeitung HancomWord erstellen Sie Texte vom einfachen Brief bis hin zu aufwändig formatierten Hausarbeiten. Dabei stehen selbstverständlich verschiedene Zeichen- und Absatzformate, beliebige Papiergrößen und Formatvorlagen für Seiten und Absätze zur Verfügung.

Das erste, was nach ihrem Start auffällt, ist die Vielzahl an Funktionen, die sich über das Menü und die zahlreichen Werkzeugleisten verteilen (Abbildung 3). Auch wenn die Angabe der mit [Alt] zu kombinierenden Hotkeys in Klammern nach dem Menüeintrag für europäische Augen exotisch erscheint, sind die Menüs wie gewohnt strukturiert: Wer schon einmal mit einer Textverarbeitung gearbeitet hat, findet sich zurecht. Allerdings wirken manche Dialoge ein wenig überladen, und Beschriftungen sind zuweilen nicht eindeutig.

Abbildung 3: HancomWord

Abbildung 3: HancomWord

Die wichtigsten Befehle erreichen Sie auch über Tastenkürzel. Dabei fällt auf, dass manche ähnlich wie beim Editor emacs zweistufig sind. Um zum Beispiel die Eigenschaften des aktuellen Dokuments einzustellen, benutzen Sie die Tastenkombination [Strg-Q-I], wobei Sie die [Strg]-Taste die ganze Zeit gedrückt halten. Eine Liste der Tastatur-Shortcuts finden Sie in der (nicht in der Evaluationsversion enthaltenen) Online-Hilfe unter dem Punkt Shortcut Keys.

Vorlagen

Wer Texte einheitlich gestalten will, nutzt Vorlagen. HancomWord stellt Seitenvorlagen, so genannte Master-Seiten, und Absatzformate zur Verfügung. Eine Master-Seite enthält wiederkehrende Elemente wie Wasserzeichen oder Kopf- und Fußzeilen. Um sie zu definieren, wählen Sie Format / MasterPage aus dem Menü. Es erscheint ein Dialog, in dem Sie angeben, ob die Master-Seite für beide Seiten (Both) oder nur für gerade (Even) oder ungerade (Odd) Seiten gelten soll. Haben Sie sich entschieden, sehen Sie wieder das Word-Programmfenster; über dem oberen Seitenrand steht ein Hinweis, dass Sie zur Zeit eine Master-Seite bearbeiten (Abbildung 4).

Abbildung 4: Master-Seiten bearbeiten

Abbildung 4: Master-Seiten bearbeiten

Dazu platzieren Sie alle Elemente wie auf einer gewöhnlichen Seite. Anschließend wählen Sie Close aus dem Kontextmenü oder drücken die Tastenkombination [Umschalt-Esc]. Die auf der Master-Seite angeordneten Elemente sind dann schreibgeschützt.

HancomWord liefert eine ganze Reihe Dokumentvorlagen mit, die sich für eigene Texte verwenden und abändern lassen, darunter für Kalender, Briefe, Postkarten, Präsentationen und wissenschaftliche Arbeiten. Deren Gestaltung dürfte allerdings eher die amerikanische Benutzergemeinde ansprechen.

Um eine Vorlage auszusuchen, wählen Sie File / Document Template aus dem Menü. Es erscheint ein zweiseitiger Dialog: Recently Used Template enthält eine Liste der in letzter Zeit benutzten Vorlagen, Template Package beinhaltet Dokumentvorlagen (Abbildung 5).

Abbildung 5: Dokumentvorlagen

Abbildung 5: Dokumentvorlagen

Um diese Kollektion um eigene Vorlagen zu erweitern, klicken Sie im Template-Dialog auf das Symbol mit dem grünen Plus-Zeichen und geben der neuen Gallery, einer Sammlung von Vorlagen, einen Namen. Wenn Sie nicht als root arbeiten, müssen Sie die Option Register as Template Gallery wählen und ins Textfeld Path ein Speicher-Verzeichnis eingeben, für das Sie Schreibrechte besitzen. Jetzt kopieren Sie alle Vorlagen, die in dieser Gallery auftauchen sollen, in dieses neuangelegte Verzeichnis. Dokumente, die als Vorlagen dienen sollen, brauchen Sie darin lediglich mit der Endung .hwt speichern, dann tauchen sie beim Öffnen des Vorlagen-Dialogs in der Liste auf.

Als weitere Vorlagenkategorie kennt HancomWord Absatzvorlagen. Darin werden Ränder, Schriftart und -größe, Tabulatoren und Zeilenabstand gespeichert. Einmal festgelegt, kann eine solche Vorlage immer wieder verwendet werden und sorgt so für einheitlich aussehenden Text. Sie definieren eine Absatzvorlage über den Menüpunkt Format / Style.

Abbildung 6: Absatzvorlagen …

Abbildung 6: Absatzvorlagen …

Zunächst finden Sie die vom Programm vordefinierten Vorlagen vor (Abbildung 6). Zum Anlegen einer neuen Absatzvorlage klicken Sie auf die Schaltfläche mit dem grünen Pluszeichen. Daraufhin erfragt ein Dialog einen Namen dafür. Ein Klick auf OK genügt, um die neue Vorlage in der Liste zu sehen.

Um deren Formatierung festzulegen, markieren Sie sie in der Liste, klicken auf die Schaltfläche mit dem Bleistift oder drücken die Tastenkombination [Alt-E]. Daraufhin erscheint ein Dialog (Abbildung 7), in dem Sie die Folgevorlage festlegen und über Schaltflächen den Schrift- bzw. Absatzformatdialog aufrufen.

Abbildung 7: … und wo man sie bearbeitet

Abbildung 7: … und wo man sie bearbeitet

Größere Vorhaben

Verfasser wissenschaftlicher Texte kommen ohne Fuß- und Endnoten kaum aus. Erstere fügen Sie über Insert / Annotations / Footnote ein oder drücken die Tastenkombination [Strg-N-N]. Ein Fußnotenzeichen erscheint im Fließtext, und der Cursor springt ans Seitenende, wo Sie die passende Anmerkung eingeben. Form und Nummerierung der Fußnoten lassen sich über Insert / Annotations / Footnote/Endnote Option individuell anpassen (Abbildung 8).

Abbildung 8: Optionen für Fußnoten

Abbildung 8: Optionen für Fußnoten

Unter Number legen Sie die Art der Fußnotennummern fest, Section line bestimmt Form und Länge der Trennlinie, und unter Margin setzen Sie den Abstand der Fußnoten zum Seitenrand, zur Trennlinie und untereinander. Im Abschnitt Numbering schließlich entscheiden Sie, ob die Fußnoten für das ganze Dokument (Conjunction to previous section), für jede Seite einzeln (Start with new page) oder mit dem aktuellen Abschnitt beginnend (Start from current section) durchnummeriert werden.

Ein Index erleichtert das Auffinden von Informationen im Text. Um ein Wort darin aufzunehmen, muss es als Indexeintrag formatiert werden. Das geschieht, indem Sie Tools / Contents/Index / Mark Index wählen oder die Tastenkombination [Strg-K-I] drücken. HancomWord übernimmt das vor dem Cursor stehende Wort sofort ins Feld First Word des passenden Dialogs. Bei 2nd Word tragen Sie einen Unterbegriff zum ersten Wort ein. In den Index übernehmen Sie den Dialoginhalt per Klick auf OK.

Sobald Sie alle Indexbegriffe im Text markiert haben, wählen Sie Tools / Contents/Index / Create Contents – obwohl Sie Create Index meinen. Bei der Übersetzung des Menüs aus dem Koreanischen wurden diese beiden Beschriftungen offensichtlich vertauscht. HancomWord öffnet jetzt einen neuen Text, der den Index zum aktuellen Dokument enthält.

Ähnlich verfahren Sie beim Anlegen eines Inhaltsverzeichnisses: Alle Überschriften, die darin auftauchen sollen, formatieren Sie mit den Absatzvorlagen Outline 1 bis Outline 7. Der Menüpunkt Tools / Contents/Index / Create Index ruft nun einen Dialog auf, in dem Sie unter Outline Level festlegen, welche Überschriften aufgenommen werden (Abbildung 9).

Abbildung 9: Verzeichnisse

Abbildung 9: Verzeichnisse

Die Checkboxen Table, Picture und Equation legen Verzeichnisse für Tabellen, Bilder und Formeln an. Die Verzeichnisse werden wie der Index in eine eigene Datei kopiert und müssen von Ihnen ins Hauptdokument eingefügt werden.

Tabellarisch

Wer Tabellen einfügen will, kann dies auf zwei Arten tun. Zum Einen gibt es unter Table / Insert Table oder dem Tabellensymbol in der Werkzeugleiste einen Dialog, in dem Sie die Zahl der Zeilen (Rows) und Spalten (Columns) sowie die Tabellengröße (Table Size) festlegen (Abbildung 10).

Abbildung 10: Dialog zum Einfügen einer Tabelle

Abbildung 10: Dialog zum Einfügen einer Tabelle

Sofern Create by drag im Abschnitt Etc ausgeschaltet ist, legen Sie unter Width die Tabellenbreite fest; sie kann so breit wie die Spalte (Fit to Column), wie der Absatz (Fit to Paragraph) oder bei der Weitenangabe Temporary so breit wie im Feld Value angegeben werden. Unter Height, Höhe, haben Sie die Auswahl zwischen Auto (die Tabellenzellen werden in der Höhe der verwendeten Schriftart angepasst) und Temporary. Hier geben Sie im Feld Value einen Wert für die Gesamthöhe der Tabelle ein. Die Etc-Option Treat as character fügt das Gerüst mitten in den Fließtext ein. Wenn Sie davor Text eingeben, wird es mit jedem Buchstaben verschoben. Create by drag schließlich lässt Sie die Tabelle mit der Maus aufziehen, Spalten- und Zeilengrößen werden automatisch angepasst.

Abbildung 11: Eine Tabelle in der Textverarbeitung zeichnen

Abbildung 11: Eine Tabelle in der Textverarbeitung zeichnen

Zum Anderen hält HancomWord für komplizierte Tabellenlayouts eine besondere Funktion bereit: Sie zeichnen die Tabelle auf dem Bildschirm mit Hilfe der Maus etwa so, wie sie aussehen soll, und legen die genauen Maße anschließend mit Hilfe des Lineals oder des Kontextmenüs fest.

Wählen Sie zu diesem Zweck Table / Draw Table aus dem Menü. Der Mauszeiger nimmt jetzt die Form eines Stifts mit einem Strich unten links an. Als Erstes ziehen Sie den äußeren Rahmen der Tabelle auf, indem Sie in die eine Ecke der Tabelle klicken, die Maustaste gedrückt halten und so lange ziehen, bis die Tabelle die gewünschte Größe hat. Zeilen- und Spaltentrenner fügen Sie mit der Maus an der gewünschten Stelle ein. Die Feineinstellung der Zellen nehmen Sie über das Lineal vor (Abbildung 11).

Frischzellenkur

An der Tabellenkalkulation HancomSheet fällt auf, dass es bei Hancom verschiedene Programmierer-Teams gibt: Die Sheet-Dialoge unterscheiden sich in ihrer Gestaltung von denen in Word. Die Programmoberfläche erinnert stark an MS Excel, so dass sich Umsteigerinnen schnell zurecht finden (Abbildung 12). Alle Daten werden in einem Book organisiert, das verschiedene Seiten, Sheets, enthält.

Abbildung 12: HancomSheet

Abbildung 12: HancomSheet

Wie von anderen Tabellenkalkulationen gewohnt, erfolgt die Dateneingabe direkt in den Zellen des Arbeitsblattes. Dabei erscheint der Inhalt der aktuell gewählten Zelle in einem Textfeld unterhalb der Werkzeugleisten und kann auch dort bearbeitet werden. Text wird einfach in die Zelle eingegeben, Formeln oder Funktionen beginnen stets mit einem Gleichheitszeichen, auf das die Formel oder Funktion folgt.

Zellen können auf unterschiedliche Art und Weise formatiert werden: Schriftart und -größe, Rahmen und Hintergrundfarbe lassen sich einstellen. Sie haben die Möglichkeit, die Darstellung des Feldinhalts auf vielfältige Art zu beeinflussen. Zahlenformate stehen unter anderem für Datum und Uhrzeit, Prozentwerte, Währungen und Bruchzahlen zur Verfügung (Abbildung 13). Das Euro-Zeichen unterstützt HancomSheet allerdings nicht.

Abbildung 13: Zahlenformate

Abbildung 13: Zahlenformate

Diagramme

Zur Datenvisualisierung verfügt das Programm über eine große Zahl Diagrammtypen. Wählen Sie mit der Maus den Teil des Arbeitsblattes aus, dessen Daten Sie grafisch darstellen wollen, und suchen Sie Insert / Chart… im Menü aus. Bestätigen Sie im sich öffnenden Benutzerdialog den Zellbereich Chart Range. Ein Klick auf OK bringt Sie zum Dialog Chart Information (Abbildung 14), in dem Sie den gewünschten Diagrammtyp festlegen. Ein Klick auf Next bringt Sie zum nächsten Dialog, in dem Sie bestimmen, welche Daten auf der X- und welche auf der Y-Achse darzustellen sind (Abbildung 15).

Abbildung 14: Diagrammtyp wählen

Abbildung 14: Diagrammtyp wählen

Abbildung 15: Festlegen der X- und Y-Achse

Abbildung 15: Festlegen der X- und Y-Achse

Weiter geht es mit Klick auf Next >; jetzt fehlt nur noch ein Diagramm-Titel und die Beschriftung der X- und Y-Achsen, dann stellt ein Klick auf Finish das Diagramm im Arbeitsblatt dar (Abbildung 16).

Sie verändern die Größe der Darstellung, indem Sie mit der linken Maustaste einmal auf das Diagramm klicken, einen der kleinen Anfasser in dessen Ecken mit der Maus greifen und das Ganze auf die neue Größe aufziehen. Jedes Element kann mit Hilfe eines Kontextmenüs verändert werden. Wollen Sie beispielsweise die Schriftart oder -größe einer Beschriftung ändern, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf dieselbe und wählen die gewünschte Option aus dem Kontextmenü.

Abbildung 16: Das fertige Diagramm

Abbildung 16: Das fertige Diagramm

Datenverwaltung

HancomSheet eignet sich sehr gut dafür, im csv-Format vorliegende Daten darzustellen und zu bearbeiten. Um eine solche Datei zu öffnen, wählen Sie File / Open aus dem Menü und als File Type den Punkt TEXT File (@L: *.txt) an. Bitte beachten Sie, dass die Dateiendung zwingend .txt lauten muss, andernfalls erkennt das Programm die Datei nicht. In einem Dialog (Abbildung 17) fragt die Tabellenkalkulation nach dem Zeichen, das die einzelnen Datenfelder voneinander trennt. Je nach Größe der Datei dauert es jetzt einige Momente, dann werden die Daten im Arbeitsblatt dargestellt (Abbildung 18).

Abbildung 17: Eine csv-Datei importieren

Abbildung 17: Eine csv-Datei importieren

Abbildung 18: Sheet als Datenbank

Abbildung 18: Sheet als Datenbank

Um die Daten zu sortieren, markieren Sie die entsprechende(n) Spalte(n) und wählen Data / Sort aus dem Menü. Im jetzt erscheinenden Dialog legen Sie bis zu drei als Sortierschlüssel zu benutzende Spalten fest. ascending bedeutet, dass die Datensätze von A bis Z, descending, dass sie umgekehrt sortiert werden. Wählen Sie die Option Use first row or column as Name Tag aus, wird die erste Zeile nicht in die Sortierung einbezogen, sondern bleibt als Feldname erhalten.

Gut präsentiert

Präsentationen bestehen auch bei HancomPresenter aus einer Reihe von Folien, die Sie wie in einem Grafikprogramm erstellen und dann in beliebiger Reihenfolge zeigen. Das Programm kann die Präsentation auch zeitgesteuert ohne Eingriff der Benutzerin ablaufen lassen. Es bringt eine Vielzahl von Vorlagen mit, die Sie nach dem Programmstart auswählen (Abbildung 20).

Abbildung 19: HancomPresenter

Abbildung 19: HancomPresenter

Abbildung 20: Eine neue Präsentation erstellen

Abbildung 20: Eine neue Präsentation erstellen

Sie lassen sich nach Ihren eigenen Vorstellungen bearbeiten, indem Sie neue Elemente hinzufügen, Text einsetzen oder Grafiken einbinden. Presenter stellt eine Reihe von Grafikelementen, Linien, Rechtecke, Ellipsen und Pfeile zur Verfügung, mit denen Sie die Dias gestalten. Um ein Element einzufügen, wählen Sie das entsprechende Element aus der Werkzeugleiste und ziehen es mit der Maus zur gewünschten Größe auf. Ausrichtung, Größe und Farbe einmal eingefügter Elemente ändern Sie mit Hilfe des Kontextmenüs.

Um die Diashow zu starten, drücken Sie [F5] oder wählen Slide / Slide Show aus dem Menü. Die Dias werden in der Reihenfolge angezeigt, in der Sie sie angelegt haben.

Malen nach Zahlen

Mit dem Malprogramm Painter (Abbildung 21) bearbeiten Sie Screenshots, Fotos und andere Grafiken. Sein Funktionsumfang lässt sich allerdings nicht an dem von Gimp messen.

Abbildung 21: HancomPainter

Abbildung 21: HancomPainter

Anders als darin gibt es ein Hauptfenster mit Menüzeile und Werkzeugleiste; die Toolbox und Eigenschaftsfenster sind hingegen wie bei Gimp in eigenen kleinen Fenstern untergebracht. Die wichtigsten Grafikformate (jpg, png und gif) unterstützt das Programm zwar, doch schon bei tiff muss es passen.

Painter kann mit den Farbmodellen RGB, CMYK und HSV umgehen. Leider merkt sich das Programm beim Beenden nicht, welche Fenster geöffnet waren, sondern ordnet immer alle Eigenschaftsfenster, die Palette und die Toolbox auf dem Bildschirm an, was sehr unübersichtlich ist.

Die Mal- und Auswahlwerkzeuge versammeln sich in der Toolbox (Abbildung 21 rechts). In deren oberem Teil finden Sie die Werkzeuge, in der Mitte die zugehörigen Optionen, darunter die Pinselformen und ganz unten schließlich Schieberegler zum Einstellen von Größe, Versatz, Deckung und Toleranz. Der untere Teil der Toolbox ändert sich mit jedem Werkzeug.

Zur Bearbeitung von Fotos finden Sie im Menü image Tools zum Verändern von Kontrast und Helligkeit vor; verschiedene Filter stehen bereit, um das Bild zu verändern und zu verfremden. Bei der Verteilung der Werkzeuge auf Toolbox und Menüs ist leider nicht immer klar, warum das eine Werkzeug hier und nicht dort zu finden ist.

Painter erstellt bei Bedarf auch Bildschirmfotos, wobei Sie bestimmen, ob Sie den ganzen Bildschirm, das aktive Fenster oder einen zu bestimmenden Bereich aufnehmen möchten.

Teamwork?

Im Gegensatz zu Open- und KOffice ist Hancom Office kein Paket aus einem Guss. Die einzelnen Anwendungen stehen nebeneinander; es ist unmöglich, Dateien ineinander einzubetten, wie es die Konkurrenz vormacht. Dass der Aufbau der Menüs und Symbolleisten bei den verschiedenen Programmen voneinander abweicht, erschwert intuitives Arbeiten. So gibt es für die gleichen Aktionen, z. B. das Öffnen einer Datei, ärgerlicherweise unterschiedliche Tastenkürzel: in HancomWord [Alt-O], in Sheet, Presenter und Painter [Strg-O]. So wird es schwierig, alle Programme mit der Tastatur zu bedienen; ständig bleibt der Griff zur Maus oder der Blick ins Handbuch notwendig.

Jede der Hancom-Office-Anwendungen liest und schreibt neben dem eigenen Dateiformat auch Fremdformate. Tabelle 1 gibt einen Überblick.

Tabelle 1: Von Hancom Office unterstützte Dateiformate

  Word Sheet Presenter Paint
Import HancomWord 5.x, Textdateien, Unicode-Textdateien, RTF, MS-Word, HTML¹ MS Excel, Textdateien Powerpoint jpg, bmp, png, gif
Export HancomWord 5.x, Textdateien, Unicode-Textdateien, RTF, MS-Word, HTML MS Excel, Textdateien Powerpoint jpg, bmp, png, gif
¹ Erst in der Evaluationsversion

Die Filter haben sehr unterschiedliche Qualität. Während bei Painter keine Verluste an Schärfe oder Farben zu bemerken waren, stürzte HancomWord beim Import von RTF- oder MS-Word-Texten häufiger ab. Dabei handelte es sich bei den Testdateien nicht um komplizierte Texte mit zahlreichen eingebetteten Objekten oder ungewöhnlichen Formaten, sondern um recht einfach formatierte mit Tabellen und Kopf- und Fußzeilen. Auch beim Versuch, eine RTF-Datei mit integrierten Grafiken zu importieren, gab Word den Geist auf. Veränderungen in Schriftart und -größe kamen ebenfalls häufiger vor. Wenn Sie öfters mit MS Word erstellte Texte unter Linux zu bearbeiten haben, stellen Sie sich besser auf einige Nacharbeit ein. Der Excel-Import von Sheet funktioniert gut, VisualBasic-Makros gehen allerdings verloren.

Von HancomWord exportierte RTF-Dokumente konnten Abiword, OpenOffice und MSWord lesen, Ted [4] verweigerte die Mitarbeit mit der Fehlermeldung, die entsprechende Datei sei kein RTF-Text. Dokumente im MS-Word-Format waren von MS Word, OpenOffice und Abiword lesbar. Die von HancomWord erzeugten HTML-Dateien sind mit Formatierungsfunktionen aufgebläht, der Text wird aber vollständig exportiert. Textauszeichnungen wie fett und kursiv gehen verloren, Grafiken werden unter einem neuen Namen im gleichen Verzeichnis wie die HTML-Datei gespeichert und korrekt eingebunden. Der Excel-Exportfilter von Sheet funktioniert sehr gut, ebenso die Filter von Presenter.

Zu Hilfe!

Falls es einmal klemmt, steht Käuferinnen des Pakets die englischsprachige Online-Hilfe, die sie aus jeder Anwendung heraus durch Drücken von [F1] oder Auswahl von Help / Contents aus dem Menü aufrufen, mit Rat und Tat zur Seite (Abbildung 22).

Abbildung 22: Die Online-Hilfe ist nicht Bestandteil der Evaluationsversion

Abbildung 22: Die Online-Hilfe ist nicht Bestandteil der Evaluationsversion

Im oberen Teil des Fensters befinden sich Menüleiste und Buttonleiste, darunter sind links auf Karteireitern vier Listen angeordnet. Unter Content sehen Sie das Inhaltsverzeichnis der Hilfe in Baumform. Es ist nach Menüeinträgen sortiert. Der Karteireiter Index enthält einen Index aller Hilfethemen. Klicken auf ein Wort im Index lässt den Hilfeartikel im Textfeld rechts unten erscheinen. Unter Search finden Sie ein Texteingabefeld, das einen Suchbegriff aufnimmt; [Return] startet die Suche. Eine Liste unterhalb des Texteingabefeldes stellt das Ergebnis dar. Im Tab Bookmarks setzen Sie Lesezeichen auf besonders wichtige oder häufig benötigte Hilfeseiten. Dazu klicken Sie für den gerade ausgewählten Artikel auf Add; mit Delete löschen Sie das aktuelle Lesezeichen.

Die Hilfetexte sind eher kurz gehalten; eine ausführliche Beschreibung verschiedener Funktionen fehlt, so dass auch Besitzerinnen der Vollversion häufig herumprobieren müssen.

Die Vollversion von Hancom Office enthält zudem ein gedrucktes englischsprachiges Handbuch. Leider gibt es lediglich die Texte der Online-Hilfe in Papierform wieder, hilft also bei Problemen auch nicht weiter als jene. Das Handbuch verfügt nicht über einen Index, man bleibt beim Suchen nach Informationen auf das Inhaltsverzeichnis angewiesen.

Damit hinterlässt Hancom Office einen zwiespältigen Eindruck. Sheet, Presenter und Paint wirken sehr aufgeräumt und bieten die für die tägliche Arbeit notwendige Funktionalität. Word ist mit zahlreichen nützlichen Funktionen ausgestattet, die aber teilweise sehr gut versteckt sind.

Die Stabilität der einzelnen Programme ließ im Test sehr zu wünschen übrig. Word stürzte häufig beim Importieren von RTF- oder MSWord-Texten ab, Presenter beendete die Arbeit bei der Auswahl von Grafiken, die in die Präsentation eingefügt werden sollten, oder beim Erstellen einfacher Textrahmen. Als einziges Programm überstand Painter die Arbeit an diesem Artikel ohne Absturz.

Allerdings stößt diese Kritik nicht auf taube Ohren: Die Programmierer von Hancom arbeiten fieberhaft daran, die im Test erwähnten Fehler zu bereinigen und eine stabilere Version des Office-Paketes bereit zu stellen. Im Vergleich mit der in Heft 07 getesteten Ausgabe 2.0.1 hat Hancom Office bereits sehr gewonnen.

Da die Evaluationsversion erst zu Redaktionsschluss fertiggestellt wurde, konnten wir sie nicht mehr so tiefgehend testen wie die Vorversionen, weshalb bereits hier Verbesserungen möglich sind. Mit Blick auf das Lokalisierungsvorhaben für den deutschen Markt lohnt es sich vermutlich, vor der Kaufentscheidung noch ein klein wenig zu testen.

Glossar

csv

“Character oder Comma Separated Values”, ein Datenformat, in dem die einzelnen Felder einer Datenbank durch ein Zeichen, meistens ein Komma oder einen Tabulator, getrennt sind.

Farbmodell

Die Art und Weise, wie Farben auf dem Bildschirm und dem Ausdruck zusammengestellt werden.

RGB

Das RGB-Farbmodell entspricht dem vom Monitor verwendeten System, alle Farben aus den Grundfarben Rot, Grün und Blau zusammenzusetzen. Jede der drei kann einen Wert zwischen 0 und 255 annehmen, so dass 256³ oder 16,7 Millionen Farben zur Verfügung stehen.

CMYK

Das CMYK-Modell setzt die Farben aus den im Druckbereich verwendeten Farben Cyan, Magenta und Yellow zusammen, die um Schwarz ergänzt werden.

HSV

Dieses Farbmodell beschreibt Farben durch einen Farbton (“Hue”), die Sättigung (“Saturation”) und die Helligkeit (“Value”).

Infos

[1] http://www.hancom.com/

[2] http://www.thekompany.com/

[3] http://en.hancom.com/aboutus/professional_announcement.html

[4] Frank Wieduwilt: “Kleine Texter”, LinuxUser 07/2002, S. 47 ff.

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