Xfce, die schlanke Alternative

Gnome und KDE sind als Arbeitsoberflächen nahezu jedem Linux-Anwender ein Begriff und waren immer wieder Anlass zu heftigen Diskussionen, welche von beiden die bessere Arbeitsumgebung ist. Beiden ist jedoch gemein, dass sie leider einen kräftigen Resourcen-Bedarf an den Tag legen.

Wer einen betagteren Rechner sein Eigen nennt, braucht keineswegs auf eine vernünftige Arbeitsoberfläche zu verzichten: Mit Xfce existiert eine schlanke Alternative. Im Vergleich mit den Großen begnügt sich Xfce bereits mit zirka 8 MB Arbeitsspeicher inklusive Window Manager. KDE und Gnome bedienen sich mit mehr als 16 MB wesentlich großzügiger. Allerdings ist der Funktionsumfang von beiden größer.

Xfce braucht sich jedoch nicht zu verstecken. Neben einem Panel, das sehr an die CDE-Oberfläche von Solaris erinnert, überzeugt es durch intuitive Konfigurationsmenüs für alle Oberflächenfunktionen. Ein Pager, ein Dateimanager, ein Browser für SMB-Shares sowie ein halbes Dutzend weitere grafische Tools runden das Paket ab.

Dabei ist es selbstverständlich, dass der integrierte Window Manager die Xinerama-Funktion unterstützt und alle Menüpunkte in deutscher Sprache sind. Eine deutsche Hilfe existiert hingegen noch nicht. In Anbetracht der übersichtlichen Menüs ist dies jedoch zu verschmerzen.

Lediglich bei tiefer gehenden Änderungen der Xfce-Konfiguration, wie beispielsweise dem Anpassen von Tastaturkürzeln oder der Belegung der Maustasten, muss der Anwender wohl oder übel zur englischen Hilfe greifen. Diese ist erfreulicherweise gut verständlich und mit Beispielen versehen. Kurzum, Xfce stellt eine echte Alternative zu den gängigen Arbeitsoberflächen dar, die auch auf einem Pentium der ersten Generation zügiges und komfortables Arbeiten ermöglicht. http://www.xfce.org

Abbildung 1: Xfce - eine schlanke Alternative zu KDE und Gnome

Web Browser, kurz notiert

Nachdem im Mai eine gravierende Sicherheitslücke im Netscape 6.x von der Firma GreyMagic entdeckt wurde, reagiert Netscape jetzt endlich mit einer neuen Version. Das besagte Sicherheitsloch ist in Netscape 6.2.3 geschlossen, und stabiler soll die Software ebenfalls sein. Das Adressbuch wurde verbessert, wenngleich nur marginal. Außerdem gibt es erste Testversionen des kommenden Netscape 7 - auch auf unserer CD. http://www.netscape.com

Schneller als Netscape korrigierten die Entwickler des Mozilla-Projekts den von GreyMagic gefundenen Fehler. Bereits wenige Stunden nach Bekanntwerden war eine korrigierte CVS-Version erhältlich.

Der jetzt erschienene Release Candidate 2 der Version 1.0 ist folglich ebenfalls nicht mehr gefährdet. Außerdem konnten in einem Schwung mehrere der häufigsten Abstürze und Systemhänger behoben werden. Somit rückt die Final Release der Version 1.0 in greifbare Nähe. http://www.mozilla.org

Wie gewöhnlich ist bei einer neuen Mozilla-Version die nächste Galeon-Release nicht weit. Allerdings bringt Galeon 1.2.1 außer der Anpassung an Mozilla 1.0rc2 sowie einigen Fehlerkorrekturen keinerlei neue Funktionalität. http://galeon.sourceforge.net/

Anders sieht es bei der neuen Opera-Version aus: Hier hat sich im Vergleich zum Vorgänger einiges geändert. Neben der Verbesserung der Import- und Export-Filter für Bookmarks bietet Opera 6 eine vereinfachte Handhabung. Dabei erlauben vor allem neue Tastaturkürzel eine deutlich schnellere Bedienung.

Besonders nützlich ist der Shortcut [F12], der ein Ändern der wichtigsten Konfigurationseinstellungen im laufenden Betrieb erlaubt, ohne sich vorher durch etliche Menüpunkte kämpfen zu müssen. Mit einem Knopfdruck lassen sich so JavaScript, Cookies oder Plug-Ins deaktivieren. Apropos Plug-Ins, hier erfuhr Opera eine deutliche Erweiterung: Die meisten Netscape-Plug-Ins erkennt er automatisch und bindet sie während der Installation ein.

Last but not least erfreut Opera 6 mit einem neuen Outfit. Die lästige Werbefläche in der rechten oberen Ecke bleibt aber in der neuen Shareware-Version erhalten. Wer seine Icon-Leiste komplett nutzen möchte, erhält für umgerechnet 43 Euro die Vollversion. Ein Update ist schon für rund 17 Euro zu haben. http://www.opera.com

Günstig einsteigen: Win4Lin 4.0

Jetzt gibt es den Windows-Emulator Win4Lin von http://Netraverse besonders günstig. In der Sonderaktion des deutschen Distributors ixsoft (http://www.ixsoft.de) kann man bis zum 30.06.2002 das Update auf Version 4.0 für knapp 60 Euro kaufen.

Für das Einspielen des Updates ist es erforderlich, die Vorgänger-Version 3.0 auf dem Rechner zu haben - wobei das nicht die kostenpflichtige Vollversion sein muss, sondern die kostenlose Download-Version mit 14-Tage-Demo-Schlüssel bereits ausreicht. Die Download-Version von Win4Lin 3.0 bekommen Sie bei http://ixsoft, alternativ können Sie für 5 Euro eine entsprechende CD bestellen. Für den Demo-Schlüssel wenden Sie sich per Mail an mailto:win4lin@ixsoft.de

Damit bietet sich eine günstige Gelegenheit für Neukunden - die normale Download-Lizenz kostet mit knapp 120 Euro doppelt so viel wie das Update.

Wine, ein neuer Jahrgang

Ein Kernproblem beim Umstieg auf Linux ist die Frage: Was tun mit den alten DOS- oder Windows-Programmen? Unternehmen bezeichnen dies auch gerne mit dem Schlagwort Investitionsschutz. Erfreulicherweise lassen sich die meisten Daten mit vertretbarem Aufwand in native Linux-Anwendungen übernehmen. Wo dies nicht möglich ist, kommt das Wine-Projekt zum Einsatz.

Im Gegensatz zu Lösungen wie DOSEmu oder VMware ist Wine kein Emulator. Es funktioniert eher wie eine Übersetzungsschicht, die alle Betriebssystemroutinen, die ein Windows-Programm aufruft, in die jeweiligen Linux-Routinen umleitet. Das ist vergleichbar mit dem Windows Compatibility Modus von Windows 2000 und dabei genauso leistungsfähig.

Zum Beispiel bietet die Firma Codeweaver eine auf Wine basierende Lösung zum Einsatz von Microsoft Office unter Linux an (siehe dazu Seite 44). Netzwerkanwendungen sind für Wine ebenfalls kein Problem. In der aktuellen Version wurden maßgeblich die Aufteilung der DLL-Dateien und die Ein- und Ausgabe-Routinen verbessert. Natürlich korrigierte das Team bei dieser Gelegenheit gleichzeitig eine ganze Reihe von Fehlern.

Auf Grund der stetigen, intensiven Entwicklung an Wine sind von den aktuellen Versionen oft nur die Quellarchive verfügbar. Dies ist aber kein Problem, da das Kompilieren in der Regel reibungslos verläuft. Wer hingegen keinen Wert auf die aktuellste Version legt, findet bei der Firma Codeweaver vorkompilierte Pakete, die außerdem über ein komfortables Konfigurations-Frontend verfügen. http://www.winehq.org/

Ein anderer Ableger des Wine-Projektes ist WineX. Von Transgaming entwickelt, ist WineX für den Einsatz mit Windows-Spielen und DirectX optimiert. Dabei wurden in der neuen Version 2.0 die Sound-Unterstützung und das Tastatur-Handling nochmals verbessert. Außerdem kommen Besitzer einer Grafikkarte von Nvidia, die aktuellsten Treiber vorausgesetzt, in den Genuss, die rund 80 zur Zeit unterstützten Spiele im Full-Screen-Modus zu spielen. Unter diesen Titeln finden sich Spiele wie Diablo 2, The Sims, Star Craft oder Jedi Knight, um nur einige zu nennen. Allerdings ist WineX im Gegensatz zu Wine nicht ganz kostenlos: Für 5 US-Dollar pro Monat erhalten registrierte Benutzer den Zugriff auf vorkompilierte Pakete für alle gängigen Distributionen und können abstimmen, welche neuen Spiele die kommende WineX-Version unterstützen soll.

Um das Angebot attraktiver zu machen, gewährt Transgaming all jenen, die sich bis zum 15. Juni für ein Jahr anmelden, einen Preisnachlass von 10 US-Dollar. Wer das nicht zahlen möchte, kann immer noch den Quellcode aus dem CVS-Verzeichnis herunterladen und versuchen, WineX selber zu kompilieren. Dies ist aber leider nicht immer einfach und von Erfolg gekrönt. http://www.transgaming.com/

Abbildung 3: Windows-Emulation: Hier läuft Mirc, ein Windows-IRC-Client

Office Lösungen kurz notiert

Diese Ausgabe steht ganz im Zeichen der Office-Anwendungen. Ein kurzer Blick auf die aktuellen StarOffice-Derivate soll Sie auf den Themenschwerpunkt einstimmen: Nach fast 18 Monaten hat Sun es endlich geschafft, StarOffice 6.0 auf den Markt zu bringen. Wie berichtet, ist die neue Version nicht länger kostenlos. Für 90 Euro erhält der Kunde im Handel eine Box mit CD und Anleitung. Das Paket enthält neben Datenträger und Handbuch einen Gutschein für einen Support-Anruf bei Sun.

Firmenkunden bietet Sun auf Anfrage gesonderte Konditionen. Bildungseinrichtungen erhalten StarOffice weiterhin fast kostenlos. Sie zahlen lediglich die Materialkosten für die Datenträger. http://www.sun.de/Homepage/aktuell/2002/StarOffice6/

Kurz vor Erscheinen von StarOffice hat OpenOffice den Sprung auf die magische Versionsnummer 1.0 und damit zur Serienreife geschafft. Wichtigste Neuerungen in dieser Version sind die funktionierende deutsche Silbentrennung, die auf TeX-Bibliotheken basiert, sowie eine Verbesserung der Sicherheitseinstellungen.

Alle weiteren Änderungen fallen in den Bereich der Fehlerkorrektur und kleinerer Optimierungen, wie zum Beispiel die Möglichkeit, OLE-Objekten in der Tabellenkalkulation einen Namen zuzuweisen. Damit setzt OpenOffice 1.0 den Maßstab für Office-Anwendungen unter Linux. http://www.openoffice.org/

Basierend auf einer älteren OpenOffice-Version hat die finnische Firma SOT ein eigenes Office-Paket geschnürt. Dabei handelt es sich um ein fehlerbereinigtes und erweitertes Open Office. Worin die Erweiterungen von SOT Office im Einzelnen bestehen, gab SOT noch nicht bekannt.

Laut SOT enthält das Paket lediglich die Komponenten Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Zeichnung und Präsentation. Eine Datenbank wie bei StarOffice befindet sich nicht im Lieferumfang. Interessierten steht auf der SOT-Web-Seite im Augenblick eine englischsprachige Version für Linux und Windows zum freien Download zur Verfügung.

Nicht frei hingegen ist der Service von SOT: Dem zahlungskräftigen Geschäftskunden bietet SOT Installations-Support und Troubleshooting sowie umfangreiche Mitarbeiterschulungen auf dem neuen Office-Paket. Bei Bedarf liefert SOT sogar eine maßgeschneiderte Version seines Office-Paketes und steht dem Kunden bei der Konvertierung von Makros und Vorlagen hilfreich zur Seite.

Im Gegensatz zu Sun finanziert SOT damit sein Produkt komplett über den Service. Eine abgepackte Version ist nicht geplant: Die Verbreitung erfolgt ausschließlich via Internet. Eilige können jetzt SOT Office direkt herunterladen oder sich vorher im Artikel "Office-Test" ab Seite 22 eingehender informieren. http://www.sot.com/en/linux/soto/

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