Fazit

In unseren Breiten sollte es keinen Grund geben, SOT Office 2002 einzusetzen. In der Regel fährt man mit dem Support von Sun (StarOffice 6) oder der deutschen Variante von OpenOffice besser. Applixware Office 5

Applixware war eines der ersten kommerziellen Office-Pakete für Linux. Nachdem allerdings StarOffice den Markt betreten hatte und dieses Paket zunächst für privaten Gebrauch, später allgemein kostenlos erhältlich war, gingen die Verkaufszahlen von Applixware zurück. Der gleichnamige Hersteller gab den Kampf allerdings noch nicht verloren und gliederte die Office-Suite in die Tochterfirma VistaSource aus. Diese brachte Mitte 2000 eine letzte Überarbeitung mit der Versionsnummer 5 auf den Markt. Heute firmiert Applixware Office unter dem Namen Anyware Office. VistaSource entwickelt dieses Paket nicht mehr weiter, vertreibt es aber noch unter dem neuen Namen auf seinen Web-Seiten. Im deutschen Handel wird nur noch das etwas ältere Applixware 5 angeboten. Aus diesem Grund haben wir das alte Schätzchen noch einmal in diesen Test aufgenommen.

Bereits bei der Installation unter SuSE Linux 7.2 treten die ersten Probleme auf: Nach dem Kopieren von ca. 250 MB Daten für die Vollinstallation empfiehlt uns das Setup-Programm, veraltete Bibliotheken von der CD einzuspielen. Hierauf sollte man keinesfalls eingehen. Nach dem ersten Start erfolgt die nächste Überraschung: Die Menüs sind unvollständig, und einige Beschriftungen fehlen. Diese Probleme liegen möglicherweise daran, dass Applixware ältere Bibliotheken erwartet als auf aktuellen Systemen installiert sind: Das Paket erwartet bei SuSE z. B. eine Version 6.x.

Abbildung 24: Die deutschen Menüs sind unter Applixware Office 5 arg verstümmelt

Wie sich herausstellt, liegt der Fehler in den deutschen Spracheinstellungen. Nach einigen Experimenten bleibt uns nichts anderes übrig, als das gesamte Paket in englischer Sprache neu einzuspielen. Eine Möglichkeit, die Menüsprache nach der Installation zu wechseln, gibt es nicht.

Zentrale Schaltstelle von Applixware Office ist die Iconbar, eine Art Schnellstartleiste, von der aus sich alle weiteren Komponenten des Paketes starten lassen.

Abbildung 25: Die Schnellstartleiste und Applix Words aus Applixware Office 5

Zusätzlich besitzt jede Applikation ein Sternchenmenü, über das alle Funktionen der Iconbar aufgerufen werden können.

Alle Anwendungen gehen erstaunlich flott zu Werke. Ihre Benutzeroberflächen sind einheitlich und gut aufeinander abgestimmt. Beim Speichern lassen sich einer neuen Datei ihre Zugriffsattribute direkt mit auf den Weg geben. Das ist unter dem Mehrbenutzersystem Linux eine nützliche Funktion, die sonst kein Konkurrent bietet. Den Umgang mit TrueType-Schriftarten beherrscht Applixware schon seit zwei Jahren. Das Office-Paket verlässt sich hierbei allerdings vollständig auf das X Window System.

Die Hilfe bietet Standardkost, wobei sich beim Font Installer eine falsche Beschreibung eingeschlichen hat. Vorbildlich sind die im Testfeld einzigartigen Tutorials nebst Willkommensbildschirm.

Abbildung 26: Die Beschreibung des Applix Font Manager entspricht nicht so ganz der Realität (rechts unten)

Einsteiger werden diese Angebote zu schätzen wissen. Leider endet die Einsteigerfreundlichkeit an dieser Stelle abrupt: So sucht man Assistenten, analog zu den AutoPiloten aus StarOffice, vergebens. Das Handbuch hilft beim Kennenlernen der Software durch Beispiele zum Mitmachen. Den daran anschließenden Wissensdurst stillt es jedoch nicht.

Abbildung 27: Applixware Office 5 kann mit einem gut aufgemachten Tutorial aufwarten

Layoutbarrieren

Auch bei den Schreibhilfen kommt Applix Words nicht an StarOffice heran. So müssen Hyperlinks in einem Dialogfenster manuell angelegt werden. Der Thesaurus kann den Plural von "Befehle" nicht auflösen, und die Rechtschreibprüfung erlaubt nur eine Sprache pro Dokument. Letztere gibt sich durch viele unbekannte Wörter, wie z. B. "Zeilennummer" die Blöße. Wer bereits mit StarOffice gearbeitet hat, wird schnell die vielfältigen Formatierungsmöglichkeiten für Zeichen vermissen. Insgesamt betrachtet, stößt man schnell an Applixwares Layoutgrenzen.

Als nachteilig erweist sich Applixwares Vorgehensweise, ein importiertes Dokument stets als Verknüpfung einzufügen. Möchte man das sonst übliche Ergebnis, muss man zunächst Applix Words ein zweites Mal starten, dort die entsprechende Datei öffnen, kopieren und in das Ursprungsdokument einfügen.

Beim Versuch, der ersten Seite unserer Zeitung eine andere Farbe zu verleihen, muss Applixware passen. Um einen ähnlichen Effekt zu erzielen, füllen wir die erste Seite mit grauen Absätzen. Beim Einfügen unseres Logos gehen die Probleme weiter. Entweder wird eine Grafik wie ein eigenes Zeichen behandelt, oder man bettet das Element in einen Rahmen ein, dessen Inhalt sich allerdings nicht dem umgebenden Rahmen anpasst.

Abbildung 28: Beim Einfügen eines Bildes passt Applix Words selbiges nicht an den umgebenden Rahmen an und zerstört gleichzeitig noch das dreispaltige Layout

Möchte man die Bitmap dennoch verkleinern, muss die für Grafiken zuständige Applikation bemüht werden. Dort wird das Bild auf die benötigte Größe zurecht gebogen, in die Zwischenablage kopiert und anschließend in das fertige Dokument eingefügt. Eine exakte Plazierung im Textdokument wird somit zur Sysiphusarbeit. Die von der Komponente für Bildbearbeitung angebotenen Funktionen sind entweder rudimentär oder viel zu umständlich in ihrer Anwendung. Durch diese verkomplizierte Vorgehensweise ist es ebenfalls nicht möglich, "mal eben" ein Rechteck zur Illustration aufzuziehen. Uns verwundert nicht mehr, dass Beschriftungen an Rahmen und Bildern nur mit einigen Tricks zu erreichen sind. Zudem kämpft Applix Words mit Anzeigeproblemen. Ein paar Abstürze und zerwürfelte Seiten später geben wir unser Zeitungsprojekt auf. Wo auch immer Applixwares Qualitäten liegen, im Layoutbereich findet man sie sicherlich nicht.

Abbildung 29: Das ist das beste Ergebnis, das wir Applix Words für unsere Zeitung entlocken können

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