Fazit

Im Gegensatz zur Vorversion enttäuscht StarOffice 6. Die Zahl der gestrichenen Funktionen überwiegt die der Neuheiten. Wer bisher mit dem Vorgänger zufrieden war und auf die TrueType-Unterstützung verzichten kann, braucht nicht umzusteigen. Alle anderen sollten StarOffice 6 vor dem Kauf selbst einmal ausprobieren. Eine Testversion finden Sie auf der Heft-CD zu LinuxUser 05/2002 (laufzeitbeschränkt bis 30.06.2002). OpenOffice 1.0

Im Juli 2000 legte Sun den größten Teil des Quellcodes von StarOffice 5.2 unter der LGPL offen. Gleichzeitig gründete die Firma die OpenOffice-Organisation, die zusammen mit der großen Open-Source-Gemeinde das nun freie Office-Paket weiterentwickeln soll. Sun selbst unterstützt dieses Projekt u. a. mit eigenen Entwicklern, die auch weiterhin als Koordinatoren der einzelnen Module agieren. So viel Großzügigkeit geschieht selbstverständlich nicht uneigennützig: So werden alle kommenden, kommerziellen StarOffice Versionen auf diesem Paket basieren.

Nach einer langen Testphase und mehreren Vorversionen wurde am 1. Mai die Version 1.0 von OpenOffice veröffentlicht. Sie entspricht im Wesentlichen StarOffice 6, aus dem die kommerziellen Komponenten entfernt und teilweise durch freie ersetzt wurden.

Abbildung 21: Das Installationsprogramm von OpenOffice deutet schon auf einige fehlende Komponenten hin

So muss der OpenOffice-Benutzer ohne zusätzliche Gallery Themes, Vorlagen, die Adabas-D-Datenbank, Schriften, den Thesaurus und eine Rechtschreibprüfung auskommen. Für letztere wurde mittlerweile ein Ersatz in Form von MySpell gefunden. Das zugehörige deutsche Wörterbuch muss allerdings separat unter lang.openoffice.org herunter geladen werden. Weiterhin wurden die Silbentrennung auf eine Lösung von AltLinux und das Drucksystem auf psprint umgestellt. Bei unseren Tests traten mit diesen Ersatzmodulen keine direkt sichtbaren Qualitätseinbußen auf. Die Silbentrennung arbeitet recht gut, hinterlässt in unserem Zeitungsartikel aber immer noch weiße Stellen.

Abbildung 22: Unsere Zeitung gleicht dem Ergebnis aus StarOffice 6

Als Datenbank greift man entweder auf die eingebaute dBase-Unterstützung zurück oder wählt ein anderes, externes Produkt. TrueType-Schriftarten muss der Benutzer selbst beschaffen und einrichten. Nur eine minimale Grundausstattung in Form von Symbolen ist vorhanden.

Fazit

Wer mit den genannten Einschränkungen sowie ohne gedrucktes Handbuch und Support auskommt, kann auf den Kauf von StarOffice 6 verzichten. Allerdings wird der dann fällige, ca. 70 MB große Download für Modem-Besitzer zu einem nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor. (OpenOffice 1.0 ist auch auf der Heft-CD dieser Ausgabe zu finden - für Anwender, die regelmäßig mit Linux und Windows arbeiten, finden Sie Pakete für beide Plattformen: So ist ein Datenaustausch noch einfacher.) SOT Office 2002

SOT ist der finnische Hersteller einer gleichnamigen Linux-Distribution. Ähnlich wie Hancom bietet SOT seit kurzer Zeit ein eigenes Office-Paket für Linux an. Hierzu nahm der Distributor das freie OpenOffice, ergänzte es um eigene Komponenten und stellte es unter dem neuen Namen SOT Office 2002 auf den eigenen Web-Seiten zum Download bereit. Das englischsprachige Office-Paket kann dort kostenfrei heruntergeladen werden.

SOT Office 2002 gleicht OpenOffice bis aufs Haar, sogar die MySpell-Rechtschreibprüfung blieb unangetastet. Überarbeitet wurde lediglich die Dokumentation, die um ein recht dünnes Handbuch im PDF-Format ergänzt wurde.

Abbildung 23: Bereits beim Installationsprogramm erkennt man, dass die Komponenten von SOT Office 2002 denen von OpenOffice entsprechen, vgl. auch Abbildung 21

Um das Paket zu installieren, muss man zunächst ein RPM-Paket einspielen, das erst die eigentlichen Installationsdateien enthält. Die weitere Setup-Prozedur entspricht der von OpenOffice, respektive StarOffice. Als einzige Ergänzung innerhalb der Anwendungen konnten wir ein paar unfertig wirkende Präsentationsvorlagen ausmachen. Der im Setup-Programm auftauchende Punkt Additional Gallery Themes entpuppte sich als leeres Versprechen - zumal dessen Speicherbedarf dort auch mit 0 KB angegeben wird. Welche Funktionen und Komponenten im Detail ergänzt wurden, wollte uns der finnische Hersteller bis zum Redaktionsschluss leider nicht mitteilen.

Somit ergibt die Installation von SOT Office auf den ersten Blick selbst für Finnen keinen direkten Sinn. Bei einem zweiten Blick auf die Internet-Seite des Herstellers wird jedoch schnell deutlich, dass dieser ein Stück vom Support-Kuchen abhaben möchte: So bietet SOT gegen Bezahlung nicht nur technischen Support, sondern z. B. auch Wartungsverträge, Schulungen oder speziell angefertigte Office-Varianten.

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