Fazit

StarOffice 5.2 bildet ein Rundum-sorglos-Paket. Insbesondere das Preis-/Leistungsverhältnis ist unschlagbar. An das Integrationsprinzip gewöhnt man sich erstaunlich schnell. Einzig über den Desktop werden einige Anwender stolpern. Die größten Nachteile liegen in der nicht vorhandenen TrueType-Unterstützung und den etwas chaotischen Dialogboxen. Zudem sollte man als StarOffice-Benutzer fit im Umgang mit den Stilvorlagen sein. StarOffice 6

Die Geschichte von StarOffice verlief ziemlich ereignisreich: Nachdem der ursprüngliche Hersteller StarDivision von Sun übernommen wurde, stellte der neue Eigentümer die damals aktuelle Version 5.2 für jedermann kostenlos ins Internet. Kurze Zeit später legte Sun sogar den Quellcode offen. Heraus gekommen ist das freie OpenOffice, welches wir ebenfalls in diesem Test behandeln. Sun ergänzt dieses Paket in bestimmten Abständen um kommerzielle Komponenten und verkauft das Ergebnis unter der Marke StarOffice. Offiziell begründet Sun diesen Schritt mit den für Firmen angeblich so wichtigen, aber kostenträchtigen Supportleistungen. Auch Privatkunden müssen ab sofort in die Tasche greifen und das Paket käuflich erwerben.

Beim Öffnen der Schachtel fallen uns die CD und zwei gedruckte Handbücher entgegen. Das erste beschreibt sehr detailliert die Installation und geht dabei auch auf die Besonderheiten der einzelnen Betriebssysteme ein. Das eigentliche Benutzerhandbuch ist vorbildlich gestaltet. Anfängern hilft es beim Einstieg, wohingegen es Profis als Referenz dient. Leider lässt der Detailgrad an vielen Stellen stark nach.

Kahlschlag

Die Installation von StarOffice 6 gleicht der seines Vorgängers. Nur wer im Setup-Programm die benutzerdefinierte Installation wählt, stolpert über die ersten Änderungen.

Abbildung 15: Die Komponenten von StarOffice 5.2…
Abbildung 16: …und die von StarOffice 6

Dort stehen nun wesentlich weniger Komponenten zur Auswahl. Einige von ihnen fielen dem Rotstift zum Opfer, andere wurden in die verbliebenen Anwendungen integriert. Wo die Liste im Installationsprogramm etwas mager daher kommt, hat das Startmenü an Fülle zugenommen: Jede einzelne Komponente hat nun ihren eigenen Eintrag.

Abbildung 17: Anstelle des Desktops wird jede Anwendung von StarOffice 6 über das Startmenü des jeweiligen Desktops aufgerufen

Erfahrene StarOffice-Anwender werden an dieser Stelle den Desktop vermissen. Er wurde in der aktuellen Version komplett über Bord geworfen, da mit ihm laut Sun die meisten Anwender unzufrieden waren. An seine Stelle tritt nun der jeweilige Desktop des Betriebssystems. Außer den erwähnten Einträgen existieren keine weiteren Bequemlichkeiten wie etwa eine Schnellstartleiste. Wie in anderen Office-Paketen üblich, gibt es wieder für jede Aufgabe eine separate Applikationen. Dies ist jedoch reine Augenwischerei: Zwar wird jedes Dokument in einem eigenen Fenster dargestellt, im Hintergrund werkelt aber immer noch ein großer, monolithischer Block. Dies hat unweigerlich zur Folge, dass beim Absturz einer Komponente auch gleich alle anderen StarOffice-Fenster mit in die Tiefe gerissen werden. Darüber hinaus scheinen die Ladezeiten gegenüber dem Vorgänger noch großzügiger ausgefallen zu sein. Dies betrifft insbesondere den Start der ersten Anwendung, da diese zunächst den Hauptblock im Hintergrund hochfahren muss. Alle Office-Komponenten reagierten auf unserem Testsystem äußerst zähflüssig, wodurch der Arbeitsfluss immer wieder ins Stocken gerät. Den Geschwindigkeitsvorteil von einzelnen, kleineren Applikationen hat man somit verspielt. Nervend kommt hinzu, dass man einige StarOffice-Fenster wie z. B. den Stylisten immer noch nicht aus dem jeweiligen Anwendungsfenster hinausbewegen kann.

Abbildung 18: Stylist und Navigator lassen sich auch unter StarOffice 6 nicht aus den jeweiligen Anwendungsfenstern hinausbewegen

Neben dem Desktop mussten auch Explorer und Beamer in ihrer bisherigen Form gehen. Apropros streichen: Komplett und ohne Umweg entfernt wurden auch der Terminkalender nebst Adressbuch und E-Mail-Client. Um den Verlust des letzteren auszugleichen, kann ein externes E-Mail-Programm wie Netscape oder Mozilla Mail eingebunden werden.

Etwas besser erging es den Komponenten Chart (Diagramme), Image (Bildbearbeitung) und Base (Datenbank). Sie tauchen zwar nicht mehr als eigenständige Applikationen auf, wurden aber teilweise funktionsbeschnitten in die restlichen Programme integriert. So übernimmt nach Willen von Sun ab jetzt das Modul StarOffice Draw die Bearbeitung von Bitmap-Bildern. Aufgrund ihres Vektoransatzes ist diese hiermit jedoch vollkommen überfordert. In anderen Dokumenten können lediglich allgemeinere Filter wie Helligkeit oder künstlerische Effekte angewendet werden. Warum sich Bitmap-Bilder ab sofort nicht mehr erstellen und nur noch über StarOffice Draw drehen lassen sollen, bleibt für uns nicht nachvollziehbar.

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