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Bärenstark

FTP-Client KBear

01.07.2002 Wenn's um den Download von Software per FTP geht, bietet ein spezialisiertes Client-Programm viele Vorteile gegenüber dem Zugriff per Web-Browser. KBear kann beispielsweise mehrere Server zeitgleich besuchen.

Korner

In dieser Rubrik stellen wir Monat für Monat Tools vor, die sich bei der Arbeit unter KDE als besonders nützlich erweisen, eine Aufgabe erfüllen, die sonst geflissentlich unbeachtet bleibt, oder einfach nur zu den netten Dingen im Leben gehören, die man – einmal entdeckt – nicht mehr missen möchte.

Seit wir das grafische FTP-Programm KBear vor über anderthalb Jahren an dieser Stelle erstmalig vorstellten [1], sah es lange Zeit so aus, als ob seine Entwicklung endgültig ins Stocken geraten wäre. Die letzte Version 1.2.1 stammte aus dem April letzten Jahres – seitdem herrschte Ruhe an der Bärenfront.

Gottlob scheint sich das jetzt zu ändern: Mit dem ersten Pre-Release der Version 2.0 hat das Programm sogar den Sprung auf KDE 3.0 vollzogen. Wer die aktuelle, über die K-Bären-Homepage http://kbear.sourceforge.net/ erhältliche Version ausprobieren möchte, sollte also über KDE 3.0 und Qt 3.0.x verfügen.

Mandrake-User haben es besonders bequem, denn für sie steht unter http://prdownloads.sourceforge.net/kbear/kbear-2.0alpha1-1mdk.i586.rpm ein schon fertig gepacktes Päckchen zum Download bereit. Alle anderen müssen nach dem Auspacken des Quelltextarchivs mit

tar -xIvf kbear-2.0alpha1.tar.bz2

selber Hand beziehungsweise Compiler anlegen (Kasten 1).

Kasten 1: Kompilieren mit Fallstricken

Bei Alpha-Versionen ist immer mit ein paar Ecken und Kanten zu rechnen, erst recht bei der Installation. So heißt es auch beim Selbstkompilieren von KBear: Vorsicht und eine gewisse Renitenz im Umgang mit Rückschlägen sind geboten.

So installiert sich KBear in der Voreinstellung in die Verzeichnisse /usr/local/kde/bin, /usr/local/kde/lib et cetera. Auf einer Red Hat 7.3 hatte das zur Folge, dass das Programm bereits beim Starten abstürzte. Abhilfe schaffte die Installation ins von Red Hat vorgesehene KDE-Verzeichnis unter /usr, was sich sehr leicht erreichen lässt, wenn man den ./configure-Aufruf im Quellverzeichnis kbear-2.0alpha1 um ein --prefix=/usr ergänzt.

Hat man mehrere KDE- und Qt-Versionen (samt deren Header-Dateien) installiert, gilt es, die Variablen KDEDIR und QTDIR vor dem configure-Aufruf im KBear-Quellenverzeichnis auf die richtige Version setzen, etwa:

export QTDIR=/usr/lib/qt3
export KDEDIR=/opt/kde3

Das passende Verzeichnis variiert dabei von System zu System. Doch selbst, wenn configure durchläuft, heißt das noch nicht, dass auch das Kompilieren klappt. So verweigerte der Compiler auf einer SuSE 7.2 und Qt 3.0.3 die Mitarbeit mit der Fehlermeldung

kbeardeletejob.cpp: In method `void KBearDeleteJob::slotEntries(KIO::Job *, const KIO::UDSEntryList &)':
kbeardeletejob.cpp:121: implicit declaration of function `int assert(…)'
make[3]:  * [kbeardeletejob.lo] Error 1

Der Vorwurf impliziter Deklaration einer Funktion bedeutet meist, dass der Programmierer ein Header-File vergessen hat einzubinden. Trägt man am Anfang der Dateien kbearlistjob.cpp, kbearcopyjob.cpp und kbearfilecopyjob.cpp im Verzeichnis kbear-2.0alpha1/kbear/base die Zeile

#include <assert.h>

nach, lassen sich die KBear-Quellen anstandslos übersetzen. (Patricia Jung/Stefanie Teufel)

Der erste Auftritt

Schon der erste Start mit einem kbear & in einer Terminalemulation Ihrer Wahl oder über den K-Menü-Eintrag Internet / KBear zeigt, dass KBear doch ein klein wenig anders tickt als andere FTP-Client-Programme. Denn bevor Sie richtig loslegen können, schaltet sich auch bei der zweiten Generation erst einmal ein so genannter Konfigurationswizard dazwischen, der Ihnen bei der Einrichtung des Programms tüchtig unter die Arme greift (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Konfigurationswizard hilft beim Einrichten des neuen Spielzeugs

Lassen Sie in den ersten beiden Fenstern View Settings und Window Settings zunächst alles so, wie es ist, und klicken Sie jeweils auf den Button Next>, um voranzukommen. Alle Punkte, durch die Sie der Wizard führt, sogar den Wizard selbst, können Sie später jederzeit über den Menüpunkt Settings / Run Wizard... oder Settings / Configure KBear aufrufen.

Wen kluge Hinweise beim Start eines Programms nerven, sollte bei den Mixed Settings unbedingt den Punkt Run "Tip of today" at startup. deaktiveren. Sollten Sie vergessen haben, im KDE-Kontrollzentrum unter Netzwerk / E-Mail Ihre E-Mail-Settings einzutragen, können Sie KBear im selben Fenster außerdem Ihre korrekte E-Mail-Adresse mitteilen.

Das letzte Wizard-Fenster gehört den Settings zur Firewall (Abbildung 2). Voreingestellt ist hier Do not use a firewall (most users will use this), ein Eintrag, den Sie tunlichst so belassen sollten, da sich die Brandmauern-Konfiguration noch im Versuchsstadium befindet. Klicken Sie danach auf den Button Finish, und Ihr FTP-Client startet.

Abbildung 2: Im Alpha-Stadium lieber noch ohne Brandmauer

Völlig neue Ansichten

Der erste Blick auf KBear (Abbildung 3) zeigt nicht das von anderen Clients gewohnte, zweigeteilte Fenster mit dem Home-Verzeichnis auf der einen und dem Fenster für den FTP-Server auf der anderen Seite: KBear geht in diesem Punkt andere Wege. Zwar finden Sie Ihr Home-Directory durchaus wieder, aber den Rest des Platzes reserviert das Programm für die diversen FTP-Server, die Sie künftig ansteuern wollen.

Abbildung 3: Das Einstiegsfenster scheint auf den ersten Blick ein wenig ungewohnt

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