8-Bit-Zeitreise
Emulatoren unter Linux - Teil 2
Tux und der Apfel
Im Internet sind zwei Apple-IIgs-Emulatoren für Linux erhältlich. XGS wird vom Autor z. Zt. nicht weiter entwickelt und steht daher (noch) nicht zum Download bereit [1]. Der zweite hört auf den Namen KEGS [2]. Nachdem letzterer übersetzt wurde (vgl. Kasten "Kompilieren"), benötigt man für seinen Betrieb noch eine Kopie des ROM-Bausteins. Wie eingangs erwähnt, lässt es sich auf einem richtigen Apple IIgs auslesen oder aus dem Internet herunterladen (vgl. Kasten "Rechtliches"). Weitere Informationen zum ersten Verfahren erhalten Sie ebenfalls im Internet (vgl. Kasten "Infos"). In jedem Fall sollten Sie nun eine Datei vorliegen haben, die das ROM enthält. Geben Sie dieser Datei den Namen ROM (Großschreibung beachten) und kopieren Sie sie in das KEGS-Verzeichnis. Um die Emulation zu starten, öffnen Sie ein Terminal-Fenster und tippen den Befehl cd <Verzeichnis>, gefolgt von kegs ein. <Verzeichnis> ersetzen Sie hierbei durch den Namen des Verzeichnis, in dem sich KEGS befindet.
Sie sollten nun automatisch im BASIC-Editor landen, erkennbar an der rechteckigen Klammer vor der Eingabezeile. Programme für den Apple II wurden vorwiegend auf Disketten ausgeliefert. Typische Image-Formate, die die meisten Apple-II-Emulatoren verstehen, sind .dsk und .nib. Programme zum Erstellen von Disketten-Images sind z. B. DSK2FILE oder ShrinkIt [11]. Hat man ein Disketten-Image vorliegen, muss man KEGS nur noch mitteilen, in welches (virtuelle) Laufwerk diese Diskette eingelegt werden soll. Hierzu öffnen Sie mit einem Texteditor die Datei kegs_conf. Dort steht in jeder Zeile ein Laufwerk, gefolgt von der jeweils eingelegten Diskette. s6d1 = disk.dsk bedeutet z. B., dass der Inhalt des Diskettenabbildes mit dem Dateinamen disk.dsk nach dem Start im ersten Diskettenlaufwerk an der Schnittstellenkarte in Slot 6 eingelegt ist. Alle Zeilen, die mit der Raute # beginnen, werden von KEGS ignoriert. Passen Sie die Konfigurationsdatei Ihren eigenen Wünschen an und speichern Sie sie ab. Nach einem Neustart verhält sich KEGS so, als sei ein reales Laufwerk an den emulierten Apple II angeschlossen.
Wer nicht über einen Apple IIgs verfügt, sollte sich den Apple II+ Emulator (für Apple II+ und IIe; auch als apple2emu bezeichnet) etwas näher ansehen [3]. Allerdings ist dieser Emulator schwieriger in Gang zu bringen. Neben dem ROM-Abbild eines der beiden genannten Modelle benötigt der Apple II+ Emulator eine Kopie des ROMs aus der Schnittstellenkarte für das Diskettenlaufwerk. Geben Sie diesem den Namen slot6.rom und dem ROM aus dem Computer den Namen apple_II.rom bzw. apple_IIe.rom (Groß- und Kleinschreibung beachten). Stellen Sie weiterhin sicher, dass Ihre Anzeige mit 256 Farben arbeitet. Unter SuSE Linux können Sie dies z. B. mit SaX 2 einstellen. Kopieren Sie nun die Datei .apple2 in Ihr Heimatverzeichnis und öffnen Sie sie anschließend mit einem Texteditor. Hinter dem Gleichheitszeichen des Eintrags system path geben Sie nun den Pfad ein, in dem sich die ROM-Dateien befinden. Nach dem Speichern öffnen Sie ein Terminalfenster und wechseln per cd <Verzeichnis> in das Verzeichnis, in dem sich der Emulator befindet. Rufen Sie ihn dort per xapple2 auf. Erscheint eine Fehlermeldung, die auf eine fehlende ROM-Datei hinweist, duplizieren Sie einfach die vorhandene und geben ihr den vom Apple II+ Emulator geforderten Namen. Nach dem Start können Sie über die Taste [F10] ein Konfigurationsmenü aufrufen.
Der Apple II+ Emulator ist übrigens sehr wählerisch, was die verwendeten ROMs anbelangt. Diese müssen exakt die in der README-Datei genannten Bedingungen erfüllen.
Weitere Apple-II-Emulatoren sind darcnes [4] und yae [5]. Erster benötigt das System-ROM in mehreren Einzeldateien (vgl. die beiliegende Datei readme). Um den zweiten übersetzen zu können, sind z. Zt. noch tiefergehende Kenntnisse des Linux-Systems notwendig. Etwas aus dem Rahmen fällt der ProDOS-Emulator [6]. Mit ihm lassen sich ProDOS-Programme unter Linux ausführen. Allerdings ist für seine Bedienung weiteres Apple-II-Wissen erforderlich.
Atari
Nachdem die Firma Atari durch ihre Spielautomaten und die Videospielkonsole Atari VCS (später Atari 2600) bekannt wurde, brachte sie 1978 erstmals zwei Heimcomputer auf den Markt. Die Rechner hörten auf die Namen Atari 400 und 800. Als Hauptprozessor kam der bereits bei der Konkurrenz Apple verwendete 6502 zum Einsatz. Im Gegensatz zum Apple II besaßen alle Atari-8-Bit-Computer keine Steckplätze, dafür aber einen eingebauten Modulschacht. 1983 erschienen mit den Modellen 1200XL, 600XL und 800XL Weiterentwicklungen der beiden Rechner.
Die Modelle 600XL und 800XL zählten zu den beliebtesten der Atari-8-Bit-Reihe - nicht zuletzt auch, weil sie zu ihren Vorgängern 400 und 800 vollständig kompatibel waren. Die Hauptunterschiede lagen in mehr Speicher und einem verbesserten Betriebssystem: Im Gegensatz zum 400 und 800 war bei den XL-Modellen das BASIC direkt eingebaut. Die beiden Vorgänger konnten hier nur mit einer Art Texteditor aufwarten. Wer in BASIC programmieren wollte, musste dies über ein Einsteckmodul nachladen. Weiterhin erhielten die Nachfolger ein Selbsttestprogramm, das sich direkt nach dem Einschalten präsentierte (vgl. Abbildung 7).
Leider konnten Ataris Heimcomputer der Konkurrenz aus den Häusern Commodore und Apple nicht standhalten. 1985 erschienen noch einmal Verbesserungen in Form des 65XE (später 800XE) und des 130XE. Der Support für die 8-Bit-Linie wurde Ende 1991 eingestellt.
Wie schon der Apple II wurden auch die Atari-8-Bit-Computer ohne Speicherlaufwerk ausgeliefert. Dieses musste in Form eines Kassetten- oder Diskettenlaufwerks (letzteres für 5,25"-Medien) extra erworben werden. Im Gegensatz zum Apple lassen sich standardkonforme Atari-Disketten direkt am PC auslesen. Hierzu benötigt man auf der PC-Seite ein 5,25"-Laufwerk und ein entsprechendes DOS-Programm. Zu letzteren zählen z. B. die A-Tools, ataridsk, oder MyUTIL [16]. Eine Übertragung der Daten per Kabel von einem echten Atari-Computer ist selbstverständlich auch möglich. Ein bekanntes System hierfür ist SIO2PC [15].



