Office-Brücke
CrossOver Office
Praxistest
Im selben bin-Verzeichnis finden sich auch Links namens excel, powerpnt, winword, outlook, frontpg, iexplore, notepad oder msaccess (je nach MS-Office-Installation). Sie gilt es (ggf. unter Pfadangabe) aufzurufen, um dann mehr oder weniger enttäuscht festzustellen, dass nur powerpnt, winword, notepad und excel brauchbar ihren Dienst tun. All diese Links weisen auf das Shell-Skript wine im selben Verzeichnis, das mit der entsprechenden Magie dafür sorgt, dass das jeweilige Windows-Binary aus support/dotwine/fakewindows/Programm Files unterhalb des CrossOver-Office-Installationsverzeichnisses mit Wine als Zwischenschicht aufgerufen wird.
Wer die .EXE-Files unter Linux betreiben will, muss in gewisser Weise leidensfähig sein. Nicht nur die teilweise recht unberechenbaren Wartezeiten und Abstürze (manchmal wie von Geisterhand, wenn man die Applikation nur lange genug sich selbst überlässt) stören, auch die Tatsache, dass der Cursor ab und an in recht unerwarteten Formen über den Desktop huscht, sorgt nicht gerade für Bedienkomfort.
Copy&Paste über Anwendungsgrenzen (Abbildung 5) hinweg ist Glückssache – wieviel hier funktioniert, hängt sowohl von der CrossOver-Office-Ausgabe als auch der MS-Office-Version ab. Vorlagen lassen sich teilweise verwenden – dann nämlich, wenn sie keine VB-Skripte enthalten. Grafiken einzubinden funktioniert – doch muss man auf die Microsoftsche Clipart-Galerie verzichten. Der Makro-Rekorder hingegen lässt sich – im Gegensatz zum VB- und Microsoft-Skript-Editor – durchaus nutzen. Auch das Drucken funktionierte im Test reibungslos, wohingegen die Bildschirmdarstellung trotz eingebauter TrueType-Fonts doch eher enttäuscht.
Relativ schnell gewöhnt man sich daran, dass der Datei-Auswahldialog Windows-gemäß von "Laufwerken" spricht (Abbildung 6): So wird aus dem Verzeichnis /tmp das Laufwerk X:, aus dem Wurzel-Verzeichnis Laufwerk Z:; die Diskette wie gewohnt zum Laufwerk A:. Aber Vorsicht: Um darauf schreiben zu können, muss sie gemountet sein, und das wie auch das Unmounten gilt es, händisch (etwa auf der Kommandozeile) zu veranlassen.
Solange es nur darauf ankommt, Urlaubsanträge auszufüllen, ein paar Korrekturen am Manuskript eines Kollegen durchzuführen, eine einfache Präsentation zu erstellen oder die mühsam erstellten Excel-Arbeitsmappen weiterzupflegen, funktioniert der Kompromiss jedoch ganz gut.
Fazit
Dennoch: Sich wegen CrossOver Office ein Microsoft-Office-Paket zuzulegen, lohnt nicht. Doch wer bereits im Besitz eines solchen ist, mag dessen (Weiter-)Nutzung die 69,90 (Download) bzw. 84,90 EUR (CD und Download) wert finden, die CrossOver Office in der Einzellizenz bei [5] kostet (und ihn als Beitrag zum Weitergedeihen des Wine-Projekts sehen).
Dank der derzeit (und hoffentlich auch zukünftig) sehr offenen, selbstkritischen Informationspolitik und Reklamationsbehandlung durch die Codeweavers-Leute ist das mit recht geringem Risiko behaftet, doch sollten potentielle Käufer/innen teils gravierende Einschränkungen in der Benutzbarkeit der Microsoft-Produkte von vornherein einkalkulieren. Verglichen mit einem gescheiterten Winword-Startversuch in der zum Redaktionsschluss von Codeweavers erhältlichen Wine-Version [2] steckt in CrossOver Office noch einiges an zusätzlicher Magie, die in Zukunft auch Wine zugute kommen soll.
Glossar
Wine
Das Wine-Projekt ("Wine is not an Emulator") ist der Versuch, das Windows-API ("Application Programmers' Interface") so nachzubauen, dass Funktionsaufrufe nativer Windows-Applikationen von Wine aufgenommen und so umgesetzt werden, dass Linux und der X-Server für eine entsprechende Aktion (beispielsweise das Zeichnen eines Fensters oder die Reaktion auf einen Mausklick) sorgen.
Debian Testing
Bei Debian-GNU/Linux (http://www.debian.org/) handelt es sich um die verbreitetste nichtkommerzielle Linux-Distribution. Sie liegt immer in drei Ausgaben vor: "stable" (derzeit das schon recht alte Debian 2.2 mit dem Codenamen "Potato"), die ausgetestete und grundsolide Ausgabe, in die nur noch Sicherheitsupdates einfließen, "testing", der Anwärter auf die nächste stabile Version, in die bereits vorgetestete Software in den jeweils neuesten Versionen einfließt (aktueller Codename: "Woody", das künftige Debian 3.0), und "unstable", das Arbeits- und Testpferd der Entwickler, in dem schon mal das eine oder andere nicht funktioniert (derzeit "Sid").
absolutem Pfad
Die Antwort auf die Frage "Über welche Verzeichnisse muss ich, vom Wurzelverzeichnis / angefangen, gehen, um zu einer Datei zu kommen?", wobei die Verzeichnis- und Dateinamen durch / voneinander getrennt werden.
Infos
[1] Wine-Projekt: http://www.winehq.com/
[2] Wine bei Codeweavers: http://wine.codeweavers.com/
[3] CodeWeavers Inc.: http://www.codeweavers.com/
[4] Was geht und was nicht: http://www.codeweavers.com/products/office/the_real_dirt.php
[5] Deutscher Distributor: http://www.linuxland.de/katalog/03_desktopanw/crossover/



