out of the box
Es gibt tausende Tools und Utilities für Linux. "out of the box" pickt sich die Rosinen raus und stellt pro Monat ein Progrämmchen vor, das wir für schlichtweg unentbehrlich oder aber zu Unrecht wenig beachtet halten.
Ob CD-Liste, Vereinsstatistik oder Kochrezept – das Szenario gleicht sich: Da bekommt man, nichts Böses ahnend, Mail von Bekannten, Freunden oder Kollegen mit dem Wortlaut: "Du hast doch sicher Excel, ich hab' Dir das Teil als .xls-Datei geschickt." Wer jetzt als Linux-User tatsächlich kein Excel hat (oder nicht umbooten möchte) und zum Betrachten einer einfachen Liste auch nicht erst ein Monsterprogramm wie StarOffice starten will, hat ein Problem. Ähnlich ärgerliche Situationen ergeben sich, wenn man von Behörden ins Netz gestellte Statistiken ansehen möchte. Auch diese setzen häufig auf den "Standard" aus Redmond.
Ist der Leidensdruck groß genug, macht man sich früher oder später auf die Suche nach einem passenden Tool – zum Beispiel auf Freshmeat, meiner Lieblingsanlaufstelle für Open-Source-Software. Dort findet sich mit dem von Charles Wyble geschriebenen xlhtml ein Tool, das genau nach dem aussieht, was ein Excel-geplagter Linux-User braucht. Das Programm konvertiert Excel-Tabellen nach HTML, so dass sie von beliebigen Web-Browsern dargestellt werden können.
Ein Ausflug nach Chicago
Xlhtml hat seine Homepage unter der Adresse http://chicago.sourceforge.net/xlhtml/. Von dort (oder von der Heft-CD) holen Sie sich das Quellarchiv, das Sie zur Installation der Software brauchen. Weitere Voraussetzungen sind – natürlich – der GNU-C-Compiler und die üblichen Verdächtigen wie make und das Paket glibc-dev.
Die eigentliche Installation bringen Sie in wenigen Schritten über die Bühne:
tar xzf xlhtml-0.5.tgz cd xlhtml-0.5 ./configure make su (root-Passwort eingeben) make install ; exit
Anstelle der letzten Zeile haben Sie auch die Möglichkeit, das in "out of the box" 05/2002 besprochene Werkzeug checkinstall [1] einzusetzen:
checkinstall ; exit
So können Sie das Programm bei Bedarf einfach mit dem Paket-Manager Ihrer Distribution entfernen.
Nach dieser Prozedur befindet sich xlhtml im Verzeichnis /usr/local/bin, das üblicherweise in der PATH-Variable enthalten ist.
Ausprobieren
Um xlhtml zu testen, brauchen Sie nun ein Excel-Dokument. Falls sich ein solches nicht auf Ihrer Festplatte befindet, bedienen Sie sich der Datei Test.xls, die im xlhtml-Archiv enthalten ist. In dieser Tabelle werden alle bisher vom Programm unterstützten Spezialitäten wie Farben, Schriftarten und -attribute verwendet. Den ersten Test starten Sie mit dem Kommando
xlhtml Test.xls > Test.html
und betrachten die entstandene HTML-Datei Test.html mit einem Browser Ihrer Präferenz. Ein zweiter Test mit einer wahllos aus dem Netz gefischten Excel-Tabelle ist in den Abbildungen 1 (Darstellung in Excel unter Windows) und 2 (Darstellung der xlhtml-Ausgabe durch Netscape) zu sehen.
Doch nicht nur grafische Web-Browser eignen sich zum Anzeigen der durch xlhtml erzeugten Tabellen. Auch konsolenbasierte Programme dieser Gattung wie w3m oder links stellen bei solchen Dokumenten ihre Fähigkeiten unter Beweis (Abbildung 3).



