Ximian Evolution 1.0.3

Ausguck für Linux

Warten lohnt sich: Aus Ximians vielbeachtetem Projekt eines E-Mail-Programms à la Outlook ist ein funktionierender Mail User Agent namens Evolution geworden.

Die Frage an Windows-User, welches E-Mail-Programm sie benutzen, erübrigt sich in den meisten Fällen, denn die Antwort lautet ohnehin: "Outlook". Das sei ja so praktisch, damit könne man nicht nur E-Mails verschicken, sondern auch Kontaktdaten verwalten und Kalender pflegen. Stellt man Linux-Usern dieselbe Frage, bekommt man unzählige Antworten von mail, elm, pine, mutt bis hin zu Mozilla, KMail, Sylpheed, XFmail und vielen anderen mehr. Zu diesen Mail-Clients gesellen sich dann noch Kalender- und Kontaktdaten-Tools, je nach verwendetem Desktop und etwaigen Vorlieben. Aber das Pendant zu Outlook fehlte in der Linux-Welt lange Zeit. Allen Hardcore-Linuxern zum Trotz eine Marktlücke, die sich die amerikanische Firma Helixcode vor über einem Jahr mit der Programmierung einer Software namens Evolution [1] zu füllen anschickte. Mittlerweile heißt Helixcode Ximian und bereichert die Welt um die Version 1.03 des Programms.

Systemvoraussetzungen und Installation

Evolution basiert auf dem GUI-Toolkit GTK+ und gehört als Mail-Client zum GNOME-Projekt dazu, kann aber auch unter KDE oder mit einem Standalone-Window-Manager benutzt werden. Das Programm lässt sich bequem mit dem ebenfalls von Ximian entwickelten Paket-Management-Tool Red Carpet oder aber auch direkt per rpm bzw. dpkg installieren.

Bei der aktuellen SuSE 8.0 ist Evolution 1.0.2 bereits dabei. Wer unbedingt möchte, lädt sich alternativ die Sourcen der aktuellen Version 1.0.3 von [2] herunter und kompiliert selbst. Ximian stellt unter [3] Binär-Pakete für folgende Betriebssysteme und Distributionen bereit:

  • Debian GNU/Linux 2.2 (Potato) für Intel-kompatible PCs,
  • Linux Mandrake 8.0 und 8.1,
  • Red Hat Linux 6.2, 7.0, 7.1 und 7.2 für x86,
  • SuSE 7.1, 7.2 und 7.3 (nur x86),
  • Yellow Dog Linux 2.0 und 2.1 (Mac),
  • Solaris 8 für die UltraSPARC-Architektur Damit erübrigt sich das Kompilieren für die gängigsten Distributionen, wobei Ximian versucht, zeitnah nach Erscheinen einer neuen Version die passenden RPMs oder Debian-Pakete zu liefern.

Leider hängt die Software von einer ganzen Menge Paketen ab – ein Resultat der engen Integration mit GNOME. Nicht-GNOME-User haben daher noch eine gewisse Installationsorgie vor sich, in deren Verlauf sie quasi alle GNOME-Basis-Pakete einspielen müssen. Wer über eine – nicht zu lahme – Netzanbindung verfügt, sollte dabei zu Red Carpet greifen, das sich die benötigten Pakete zum Installieren aus dem Netz holt. Modem-User müssen allerdings etwas Zeit und Geduld mitbringen, denn Evolution alleine umfasst schon knapp 20 MB, und die nachzuinstallierenden GNOME-Pakete sind auch nicht alle ganz klein.

Kasten 1: Installation auf dem roten Teppich

Möchten Sie Red Carpet benutzen, gehen Sie folgendermaßen vor:

  • Installieren Sie die aktuelle Red-Carpet-Version von http://www.ximian.com/products/ximian_red_carpet/download.html oder von der Heft-CD mit dem zu Ihrer Distribution passenden Paket-Manager (etwa rpm -ivh red-carpet-1.3-1.ximian.5.i386.rpm). Red Carpet, ein grafisches Frontend zu rpm bzw. dpkg, bietet sogenannte Kanäle an, für die jeweils die aktuellen RPMs bereitgehalten werden. Neben ganzen Distributionen kann man damit auch ausgewählte Produkte installieren bzw. aktuell halten.
  • Starten Sie das Programm mit red-carpet &, und wählen Sie links den Menüpunkt Abbestellte Kanäle aus.
  • Darin suchen Sie den Kanal Ximian GNOME. Die anderen, z. B. Codeweavers oder StarOffice, interessieren an dieser Stelle nicht.
  • Nach dem Lesen der Informationen über Ximian GNOME kann man rechts unten auf abonnieren klicken und hat damit den Kanal ausgewählt.
  • Nun gilt es, rechts oben auf Installieren zu klicken, um eine Übersicht aller zu installierenden Pakete zu bekommen.
  • Wählen Sie dort das Paket Evolution, welches mit einem Klick auf den Button Installieren (rechts unten) zur Installation vorbereitet wird.
  • Auf der Folgeseite informiert Red Carpet über die Abhängigkeiten der einzelnen Pakete, wobei der Installer auch zeigt, welche Pakete automatisch hinzugenommen werden. Mit einem Klick auf Weiter geht es dann wirklich los.
  • Sind alle Pakete heruntergeladen und installiert, meldet sich Red Carpet wieder und erlaubt den Klick auf OK.

Eierlegende Wollmichsau?

Auch wenn die Unix-typische Arbeitsweise, viele dedizierte kleine Programme baukastenartig zu einer maßgeschneiderten Lösung zusammenzusetzen, an vielen Stellen unübertroffen praktisch ist, hat die Integration von E-Mail- und Kalender-Funktionalität, Kontaktdaten sowie Aufgabenlisten für die tägliche Arbeit durchaus Vorteile. Beispielsweise ist es sehr praktisch, wenn E-Mail-Adressen anhand der Einträge im Adressbuch beim Erstellen einer E-Mail automatisch komplettiert werden oder ein per Mail erhaltener Termin mit der Bestätigung zugleich in den Kalender eingetragen wird.

Beim Umschalten zwischen seinen Modulen öffnet Evolution nicht ständig neue Fenster, sondern lässt alles im Hauptfenster ablaufen. Ein netter Nebeneffekt ist die Zusammenfassung, die das Programm beim Start bietet (und mit der man sich auch im Laufe der Arbeit einen Überblick verschaffen kann). Darin bekommt man neben den am jeweiligen Tag anliegenden Terminen und Aufgaben auch einen kurzen Überblick über neue E-Mails in der Inbox oder aber Informationen zu den Temperaturen der Heimatstadt angezeigt.

Mail-seitig spricht Evolution sowohl POP3 als auch IMAP, kann aber auch mit dem mbox-Format, Mail-Spool und dem Maildir-Format umgehen. Evolution unterstützt sowohl das auch aus dem Web bekannte SSL ("Secure Socket Layer") für IMAP/POP zur gesicherten Übertragung der E-Mail, als auch SASL ("Simple Authentication and Security Layer") für eine gesicherte Authentifizierung. Leider ist SSL mit Evolution aus den vorkompilierten Paketen nicht möglich, dies soll aber in späteren Versionen anders werden.

Das Programm bietet vielfältige Möglichkeiten, bestehende Mail-Ordner, Kalender- und Kontaktlisten zu importieren. Es versteht dabei sowohl das Outlook-Format .pst, als auch LDAP-Dateien (.ldif) sowie iCal und vCard.

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