Editier mal wieder

KDE-Standard-Editor Kate

01.06.2002
,
Mit KDEs Allzweckwaffe Kate macht das Editieren dank Syntax-Highlighting und ähnlichem Schnickschnack richtig Laune. Selbst bei einfachen Progammieraufgaben erweist sich der Editor als nützlich.

Korner

In dieser Rubrik stellen wir Monat für Monat Tools vor, die sich bei der Arbeit unter KDE als besonders nützlich erweisen, eine Aufgabe erfüllen, die sonst geflissentlich unbeachtet bleibt, oder einfach nur zu den netten Dingen im Leben gehören, die man – einmal entdeckt – nicht mehr missen möchte.

Editoren gibt es unter Linux wie Sand am Meer. Ob kommandozeilenorientiert oder grafisch – im überaus breiten Angebot dürfte für jeden Geschmack etwas dabei sein. Aber selbst, wenn Sie Ihren Lieblingseditor bereits gefunden haben, lohnt es sich, Kate ("KDE's Advanced Text Editor") einen zweiten Blick zu gönnen. Sein hervorstechendes Merkmal (wie eigentlich das jeder KDE-Kern-Applikation): das perfekte Zusammenspiel mit dem restlichen Desktop.

Sie können sich so auf die tatsächlichen Aufgaben eines Editors konzentrieren und Trivialitäten wie das Öffnen einer Datei getrost vernachlässigen. Ziehen Sie diese einfach per Drag&Drop von der Arbeitsfläche, aus einer im Konqueror geöffneten FTP-Site oder einem darin aufgelisteten lokalen Verzeichnis ins geöffnete Kate-Fenster – das war's. Die Datei liegt offen vor Ihnen, und Sie dürfen loslegen mit Ihrem Vorhaben.

Auch um die Installation des Textwerkzeugs brauchen Sie sich nicht zu kümmern, da Kate Bestandteil des KDE-Basis-Pakets kdebase ist. Wer auch von den zahlreichen Erweiterungen (Plugins) Gebrauch machen will, sollte zusätzlich noch das Paket kdeaddons installieren.

Doch ehe eine Datei geladen werden kann, muss das Programm erst einmal laufen: Öffnen Sie Kate entweder über das Startmenü (Editoren / Kate) oder über die Kommandozeile. Letzteres ist besonders dann nützlich, wenn Sie zum Beispiel eine Datei direkt aus dem Internet öffnen wollen. In diesem Fall geben Sie in einer Terminal-Emulation Ihrer Wahl (Wie wäre es mit Konsole?) bei bestehender Internet-Verbindung eine Zeile wie folgende ein:

kate http://linux01.gwdg.de/~steufel/index.html &

Schon können Sie sich über die Index-Datei von Stefanie Teufels Homepage hermachen, wie Abbildung 1 beweist. Natürlich arbeiten Sie dabei mit einer lokalen Kopie des HTML-Codes.

Abbildung 1: Eben noch im Internet, jetzt schon im Editor

Wer noch mehr über die Kommandozeilen-Power von Kate erfahren will, darf seine Neugier jederzeit durch die Eingabe eines kate --help stillen. Nett ist auch der Kommandozeilen-Befehl kate --help-kde, mit dem Sie etwa erfahren, wie Sie den Inhalt der Titelzeile (--caption) beim Aufruf festsetzen oder das Programm-Icon individualisieren.

Reine Einstellungssache

Ihre persönlichen Präferenzen hinsichtlich der Farbdarstellung der zu bearbeitenden Dateien, dem Einrücken und ähnlichem teilen Sie Kate über den Menüpunkt Einstellungen / Kate einrichten mit. Die Abbildungen 2a und b zeigen den jeweiligen Dialog für KDE 2 und 3.

Abbildung 2a: Ordnung muss sein: Das Konfigurationsmenü ist sowohl bei KDE 2 …
Abbildung 2b: … als auch in KDE 3 übersichtlich unterteilt

Der Punkt Allgemeine Einstellungen enthält genau das, was sein Titel verspricht: Ob Sie alle Rahmen und Ansichten wieder so herstellen wollen, wie Sie sie bei der letzten Editier-Session verlassen haben (Ansichtseinstellungen wiederherstellen) und ob sich die zuletzt geladenen Daten beim erneuten Start von Kate automatisch öffnen sollen – hier stellen Sie es ein.

In KDE 3 können Sie zusätzlich bestimmen, ob Sie alle geöffneten Dateien in einem (MDI-Modus) oder separaten (SDI-Modus) Fenstern bearbeiten wollen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, was all die Optionen bedeuten, reicht in dieser Version ein rechter Mausklick auf den fraglichen Text. Das erscheinende Kontext-Menü besteht aus einem einzigen Eintrag für die "Was ist das?"-Hilfe, wie sie Abbildung 2b zeigt.

Auswirkungen auf die Inhaltsdarstellung der Kate-Fenster hat der nächste große Unterpunkt Editor. Hier stellen Sie zum einen Farben und Schriften ein, haben aber zum zweiten auch die Möglichkeit, nähere Angaben zu einem der "Highlights" von Kate zu treffen, der farbigen Darstellung von Quelltext, angepasst an viele verschiedene Programmiersprachen wie C/C++, Java, Python, Perl oder HTML. Es ist diese Eigenschaft des Syntax-Highlighting, die Kate zu einem gar nicht so üblen Programmierwerkzeug macht.

Ein Highlight kommt selten allein

Wie was markiert wird, legen Sie über den Punkt Hervorhebungen fest. Das entsprechende Dialog-Fenster besteht aus zwei Reitern: Standards (bei KDE 3 Standardstile) und Hervorhebungsmodi. Ersterer bietet Ihnen die Möglichkeit, das Aussehen oft verwendeter, genereller Elemente festzulegen. In welcher Farbe und mit welchem Schriftschnitt (fett, kursiv) sollen künftig Kommentare, Zeichenketten, Datentyp-Angaben in Programmen etc. dargestellt werden? Nehmen Sie sich an dieser Stelle ein wenig Zeit, denn eine durchdachte Ausgestaltung erleichtert beim Programmieren wie beim Erstellen von Web-Seiten die Übersicht über den Quelltext deutlich.

Der Tab Hervorhebungsmodi (Abbildungen 3a und b) ermöglicht individuelle Einstellungen abhängig von der ausgewählten Programmier- oder Auszeichnungssprache. Keine Bange, Sie müssen nicht alle vorhandenen Optionen individualisieren. Elemente, für die es keine eigene Konfiguration gibt, stellt Kate entsprechend der Standardeinstellung dar.

Zunächst gilt es, die Programmier- oder Auszeichnungssprache aus dem Pulldown-Menü Hervorhebung im oberen Dialogteil auszusuchen, deren Elemente man anders darstellen will. Dabei zeigt Kate sofort an, für Dateien welcher Endungen und welchen MIME-Typs es annimmt, dass sie in dieser Sprache geschrieben sind. Im Bereich Element-Stil (Kontextstile bei KDE 3) wählt man den in dieser Sprache enthaltenen Elementtyp aus, dessen Darstellung man ändern will. Bei KDE 2 geht das über das Pulldown-Menü unter Element im Bereich Auswahl festlegen (Abbildung 3a), KDE 3 überlässt diese Aufgabe einer Tabelle, deren Zelleninhalte man per Mausklick ändert (Abbildung 3b).

Sollte Ihnen jetzt vor lauter Möglichkeiten der Kopf schwirren, macht vielleicht ein Beispiel die Sache klarer: Wollen Sie die Darstellung von HTML-Kommentaren in Kate verändern, wählen Sie den Punkt HTML aus dem Pulldown-Menü Hervorhebung aus. Dass es Ihnen um die Kommentardarstellung geht, sagen Sie KDE 2 über die Auswahl des Punktes Kommentar im Pulldown-Menü Element (Abbildung 3a). Nun wählen Sie durch Klick auf die Farb-Buttons, in welcher Farbe HTML-Kommentartext erscheinen soll, wenn er markiert oder eben nicht ausgewählt ist, und kreuzen eventuell gewünschte Schriftschnitte an. Bei KDE 3 sind die Einstellungsmöglichkeiten dieselben, nur übersichtlicher angeordnet (Abbildung 3b) und auch aus dem Kontextmenü der jeweiligen Tabellenzeile wählbar.

Abbildung 3a: Wie wollen Sie Kommentare in HTML-Dokumenten darstellen (hier: der KDE-2-Dialog)?
Abbildung 3b: In KDE 3 sieht derselbe Konfigurationsdialog übersichtlicher aus

Zwischen den einzelnen Hervorhebungsmodi können Sie später im laufenden Betrieb über den Punkt Dokument / Hervorhebungsmodus in der Menüleiste fröhlich hin- und herschalten. Vorsorglich haben die Entwickler die einzelnen Modi schon mal vorsortiert nach Haupteinsatzgebieten wie Sources (Quellen) für klassische Programmiersprachen wie C, C++ und Java oder Markup (Formatierung) für Auszeichnungssprachen in der Art von HTML oder XML.

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