IRC-Service noteserv

Aus LinuxUser 06/2002

IRC-Service noteserv

Schreiben Sie nach dem Signalton

So manch moderne Freundschaft existiert nur im Chatroom, man kennt voneinander weder E-Mail-Adresse noch SMS-Nummer. Doch wie soll man solchen Freunden eine Nachricht zukommen lassen, wenn sie gerade nicht online sind?

Für die, die im IRCNet chatten, lässt sich diese Frage einfach beantworten: Mit noteserv, einem sogenannten IRC-Service, gibt es die Möglichkeit, Mitteilungen an andere solange zu speichern, bis sie zugestellt werden können oder wegen eines abgelaufenen Haltbarkeitsdatums verworfen werden. Darüber hinaus informiert dieser Dienst darüber, wenn sich jemand bestimmtes ein- oder ausloggt.

Kasten 1: Nutzen und Nutzenlassen

Bei noteserv handelt es sich um einen Service im IRCNet. Um diesen zu nutzen, muss auf dem eigenen Computer, vom IRC-Client selbst abgesehen, keine weitere Software installiert werden. Auch eine ständige Verbindung zum Netz ist nicht erforderlich. Wer jedoch eine Standleitung besitzt und einen solchen Benachrichtigungsdienst in einem anderen IRC-Netzwerk aufbauen möchte, kann sich den Quellcode des Programms von [2] herunterladen. Dies erfordert jedoch etwas Erfahrung bei der Konfiguration eines IRC-Server-Programms.

Mit einfachen Befehlen lässt er sich aus der Kommandozeile eines beliebigen IRC-Clients heraus bedienen; für ircII und mirc existieren Shortcut- und PopUp-Erweiterungen, die auf der noteserv-Homepage [1] beschrieben sind.

Die Verbindung zum noteserv wird grundsätzlich mit der Sequenz

/quote squery noteserv :

eingeleitet, woran sich Befehle und dazugehörige Optionen anschließen. Das /quote sendet den folgenden Text vom Client zum IRC-Server, das squery sorgt dafür, dass der folgende Befehl und alle Optionen unverändert beim Empfänger noteserv ankommen. Der Service versteht alles hinter dem Doppelpunkt als auszuführenden Befehl. Dabei ist noteserv etwas unflexibel bei der Interpretation der Parameter: Nach der Angabe des Empfängers (hier also noteserv) muss unbedingt ein Leerzeichen kommen, nach dem Doppelpunkt aber direkt ohne Zwischenraum das eigentliche Kommando folgen.

Die Befehle

noteserv versteht zwei unterschiedliche Kategorien von Kommandos: generische und Service-Befehle. Die ersten liefern Informationen zurück (Tabelle 1), beispielweise eine Bedienhilfe, die man sich in Ruhe ansehen sollte.

Tabelle 1: Generische Kommandos

Befehl Bedeutung
HELP Zeigt einen allgemeinen Hilfetext oder die Erklärung zu dem als Argument angegebenen Befehl oder Thema.
ADMIN Zeigt administrative Daten, u. a. Server-Informationen.
INFO Erklärt die Aufgabe von noteserv.
VERSION Gibt die aktuell eingesetzte noteserv-Version aus.

Zu nahezu jedem Kommando gibt es eine ausführliche Erklärung mit einem Beispiel. Auch einige für noteserv-User relevante Stichwörter, sogenannte Topics (Tabelle 2), werden mit einer Extra-Hilfeseite bedacht.

Tabelle 2: Spezielle Hilfethemen

Parameter zu /quote squery noteserv :help Erklärung
authentication Informationen zum Login-Verfahren.
privacy Erklärungen zur Privatsphäre der User.

Bedienen lässt sich der Service über die zweite Befehlskategorie, die Service-Kommandos. Mit deren Hilfe meldet man sich beispielsweise bei noteserv an, hinterlegt Nachrichten oder listet die in der Warteschlange befindlichen Nachrichten auf.

Tabelle 3: Service-Kommandos

Befehl Bedeutung
LS Zeigt alle Nachfragen und noch wartende Mitteilungen an.
NOTIFY gültigkeitsdauernick!ident@hostmaskebenachrichtigungstext Informiert eine Zeitlang (oder bis in alle Ewigkeit) darüber, wann der gesuchte Benutzer das IRC betritt oder verlässt.
RM ziffer_der_benachrichtigung Löscht den mit seiner Nummer, dem Kennbuchstaben oder einem Suchmuster (das Wildcards enthalten darf) angegebenen Eintrag.
RM buchstabe_der_nachricht
RM suchmuster
LOGIN usernamepasswort Anmelden des Benutzers username mit dem Passwort passwort beim Service
PASSWD altes_passwortneues_passwort Setzt statt des alten ein neues Passwort.
STATUS Zeigt den eigenen Login- und Authentifikationsstatus an.
SEND gültigkeitsdauernick!ident@hostmaskenachricht Wartet eine Zeitlang darauf, dass der angegebene Benutzer sich einloggt, um die Nachricht dann zuzustellen. Verstreicht die Gültigkeitsdauer erfolglos, verwirft noteserv die Meldung.
FIND nick!ident@hostmaske Findet User, auf den der Suchstring aus nick, ident und hostmaske passt.
LANG sprachkürzel Bestimmt die Sprache, die von noteserv verwendet wird.

Bei der ersten Anmeldung braucht man nicht einmal einen Account zu besitzen. Sofern der angegebene Benutzername noch nicht existiert, wird einfach ein neues Konto erzeugt und das Passwort entsprechend gesetzt. Als Benutzernamen sollte man des Wiedererkennungswertes wegen den eigenen Nick verwenden.

/quote squery noteserv :login Deichgraf Hauke

erzeugt beim erstmaligen noteserv-Login den Benutzer Deichgraf mit dem Passwort Hauke[3]; diese Daten gilt es dann bei späteren Logins zu verwenden. Das Passwort lässt sich mit dem Befehl PASSWD auch später noch ändern. Einmal angemeldet, geht es darum, noteserv mit Abfragen zu füttern.

Der Kurier

Die wichtigste Anwendung von noteserv besteht sicher darin, gerade offline befindlichen IRCern kurze Nachrichten zu hinterlegen. Zu diesem Zweck dient der Befehl SEND. So sorgt der folgende Befehl, eingegeben in der Kommandozeile des IRC-Clients, dafür, dass noteserv sieben Tage lang versucht, die angegebene Nachricht an denjenigen zuzustellen, der sich über eine T-Online-Verbindung mit dem Nick Deichgraf und dem Ident renner ins IRCNet verbindet:

/quote squery noteserv :send +7 Deichgraf!renner@*t.online.de Haben uns leider verpasst, ich warte am Freitag in #flirt auf dich

Bei der Angabe des Empfängers wird man vernünftigerweise Wildcards verwenden, und da gilt es, insbesondere beim auf alles passenden Ersetzungszeichen * etwas Sorgfalt an den Tag zu legen. In den meisten Fällen reicht es sicher, den Nick sowie den Ident anzugeben, den Hostrechner mit einem * allgemein zu halten, während die Domain wieder unverändert angegeben wird. Denkbar sind aber auch andere Ersetzungen, beispielsweise die Angabe des Nicks, während alles andere durch einen Stern ersetzt wird, analog zum obigen Beispiel also Deichgraf!*@*. Eine solche Praxis birgt natürlich die Gefahr, die Nachricht der falschen Person zuzustellen. Fasst man den Such-Ausdruck hingegen zu eng, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Nachricht gar nicht zugestellt wird, weil sich der anvisierte User beispielsweise das nächste Mal von einem anderen Rechner aus ins Netz eingewählt hat.

Kann noteserv die Nachricht nicht innerhalb der angegebenen Zeitspanne zustellen, wird sie verworfen. Ein Minuszeichen vor der Lebensdauer der Nachricht legt eine Haltbarkeit im Stundenbereich fest, das Pluszeichen markiert ganze Tage. Bei SEND ist die Vorhaltedauer auf 30 Tage begrenzt. Der Absender wird übrigens über den Status der Nachricht informiert: noteserv meldet sowohl die erfolgreiche Zustellung als auch das Verstreichen der Haltbarkeitsfrist.

Der Spion

Analog zum IRC-eigenen notify-Befehl stellt noteserv das gleichnamige Kommando NOTIFY zur Verfügung. Es gibt eine Meldung aus, wenn sich die zu beobachtende Person ins IRC einloggt. Im Gegensatz zum systemeigenen notify lässt noteserv die Angabe eines Verfallsdatums sowie eines angepassten Benachrichtigungstextes zu:

/quote squery noteserv :NOTIFY +0 trinatty!gibbetdoch@*.uni-gabelburg.de Stephie ist online

Sobald sich trinatty von einem Computer der Uni Gabelburg aus ins IRC einklinkt, erscheint also eine entsprechende Meldung im eigenen IRC-Client. Bedingung dafür ist natürlich, dass man selbst beim noteserv angemeldet ist. In diesem Beispiel ist die Lebensdauer des Befehls auf unendlich gesetzt, er verliert also niemals seine Gültigkeit.

Buchstabierhilfe

Hat man bisher kaum mit Wildcards gearbeitet, erhält man mit FIND die praktische Möglichkeit, ein wenig zu trainieren. Der Befehl

/quote squery noteserv :FIND *fanta*.de

listet alle von deutschen Domains eingeloggten IRCer auf, deren Nick, Ident, Host oder Domain die Zeichenkette fanta enthält. Durch geschicktes Verändern des Suchbegriffs kann die Suche so lange eingegrenzt werden, bis man ein Suchmuster gefunden hat, das einerseits nur auf die gewünschte Person zutrifft und andererseits unempfindlich gegen kleine Veränderungen der Hostmaske oder des Nicks ist.

Archivar und Übersetzer

Wem man hinterher spioniert und welche Nachrichten noch nicht zugestellt wurden, erfährt man mit dem Kommando LS. Und da nichts unabänderlich ist, lassen sich Benachrichtigungsoptionen wie vor sich hin dümpelnde Meldungen mit RM löschen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Befehl RM kann Freundschaften retten

Abbildung 1: Der Befehl RM kann Freundschaften retten

Wer sich daran stört, dass noteserv in der Grundeinstellung des Deutschen nicht mächtig zu sein scheint, kann die bevorzugte Sprache mit LANG auf englisch (en), deutsch (de), slowakisch (sk), holländisch (nl), slowenisch (si), dänisch (dk) oder polnisch (pl) festlegen. Der Befehl

/quote squery noteserv :lang de

bewirkt also, dass noteserv Meldungen in Deutsch auszugeben versucht, wo immer dies möglich ist. Gibt es zu einer bestimmten Meldung keine Übersetzung, verfällt der Service ins Englische zurück.

Egal, welchen Befehl man eingibt, welche Optionen man verwendet oder welche Möglichkeiten man austestet: Kaputt gehen kann nichts, noteserv nimmt nur sinnvolle Optionen entgegen und scheint gegen eine Fehlbedienung gut gesichert zu sein. Der Erweiterung der Spielwiese IRC in den Offline-Bereich steht also nichts entgegen.

Glossar

IRCNet

Das IRCNet ist nur eins von vielen Chat-Netzwerken, die das “Internet Relay Chat”-Protokoll verwenden. Dieses legt fest, auf welche Art und Weise ein entsprechender Client mit dem Server zu kommunizieren hat, und ermöglicht es den unterschiedlichsten IRC-Clients, ein beliebiges IRC-Netz zu nutzen. Einige IRC-Clients unterstützen sogar das gleichzeitige Chatten in mehreren Netzen. Während das IRCNet in Europa die größte Verbreitung besitzt, dominiert das EFNet in den USA.

Nick

Die eigentlichen Erkennungsmerkmale eines Chatters, z. B. trinatty!gibbetdoch@student.uni-gabelburg.de. Den Nick (hier: trinatty) kann man dabei in der Regel frei wählen. Der Ident (im Beispiel: gibbetdoch) ist unter Windows frei wählbar, unter Unix entspricht diese Identifikation meist dem User-Namen. Der Host ist der vom Provider zugewiesene Rechnername. Damit ist ein Chatter im IRC also keinesfalls anonym, sondern komplett identifizierbar.

Wildcard

Wildcards dienen als Platzhalter für Zeichenketten. So erspart uns die Verwendung des Jokerzeichens * in den Beispielen dieses Artikels, schon im Voraus wissen zu müssen, von welchem Rechner genau “trinatty” das nächste Mal ins IRC geht. Die Angabe “trinatty!gibbetdoch@*.uni-gabelburg.de” trifft auf jeden Computer in der Uni Gabelburg zu. Man kann noch weiter gehen und auf die genaue Angabe der Hostmaske ganz verzichten. Mit “trinatty!gibbetdoch@*” trifft man auf jeden Fall ins Schwarze, unabhängig davon, ob “trinatty” ihren Uni-Account oder eine andere Zugangsmöglichkeit ins Netz benutzt.

Infos

[1] noteserv-Homepage: http://irc.fu-berlin.de/noteserv/

[2] noteserv-Sourcecode: ftp://ftp.cs.tu-berlin.de/pub/net/irc/noteserv/

[3] Theodor Storm: “Der Schimmelreiter” (erschienen 1888), http://gutenberg.spiegel.de/storm/schimmel/schimmel.htm

Der Autor

Michael Renner arbeitet als Unix-Administrator am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen. Neben der Betreuung der IRIX- und Linux-Rechner gehört die Entwicklung von Datenbankanwendungen mit Apache, PHP und MySQL zu seinen täglichen Aufgaben.

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Hinweis: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr, enthaltene Informationen sind möglicherweise veraltet.

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