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Auf ins dritte Jahr

01.06.2002

Liebe Leserinnen und Leser,

Heft 06/2000 war unsere Erstausgabe als eigenständige Publikation, nachdem der LinuxUser vorher schon einige Monate als "Heft im Heft" im Linux-Magazin existierte. Mit dieser Ausgabe feiern wir also unseren zweiten Geburtstag.

Titelthema der Erstausgabe, die im Mai 2000 erschienen ist, war "Migration": Es ging um den Umstieg von Windows auf Linux, und das ist auch heute noch eines unserer wichtigsten Themen. Der Leserbrief mit dem provokativen Titel "Linux ist Krampf", den wir in der letzten Ausgabe abgedruckt haben, hat mehr Leserreaktionen hervorgerufen als die meisten Artikel der vergangenen Monate: Natürlich lassen wir uns nicht gerne sagen, dass das Betriebssystem unserer Wahl etwas Krampfhaftes habe. Viele Leserantworten gingen in die Richtung, dass es eben Einarbeitung (das Wort enthält "Arbeit") erfordert, sich an das Verhalten von Linux zu gewöhnen, und dass diese Bereitschaft dann belohnt wird, indem man effektiver arbeiten kann.

Linux selbst feierte kürzlich seinen zehnten Geburtstag; das als kleines Programmierprojekt entstandene Betriebssystem ist heute ausgereift: Mit Journaling File Systems und anderen aktuellen Technologien braucht sich der Kernel nicht vor anderen, auch kommerziellen Betriebssystemen zu verstecken. Das bezweifelt auch niemand - schließlich läuft Linux auf mehr und mehr Servern.

Gegen alle Unkenrufe: Linux auf dem Desktop lebt

Die Kritik an Linux bezieht sich stets auf seine Eignung als Desktop-System. Während ein vorinstalliertes Linux aus meiner Sicht genauso einfach und intuitiv zu bedienen ist wie die Software des Marktführers, ist zum Beispiel die unter Linux übliche Installation neuer Programme aus den Quelltexten in der Tat oft schwierig. Die Frage ist: Muss das sein? RPM- oder Debian-Pakete lassen sich über grafische Konfigurations-Tools problemlos installieren und auch wieder entfernen, wenn alle benötigten Pakete mitgeliefert werden. Bei Debian geht das sogar so weit, dass Paketabhängigkeiten automatisch aufgelöst werden. Anwender von RPM-basierten Distributionen wie SuSE, Mandrake oder Red Hat brauchen aber nicht mehr lange auf dieses Feature zu warten: Verschiedene Projektteams arbeiten an einem erweiterten RPM-System, das die gleichen Fähigkeiten wie Debians Package Management bietet, so dass Software sich bald auch hier mit einem einzigen Befehl einrichten lassen wird. Eines dieser Projekte ist "apt4rpm", http://apt4rpm.sourceforge.net/, hier wird mit Debians apt-System gearbeitet. Andere setzen auf eigenständige Erweiterungen von RPM - eine Suche nach "rpm" auf http://freshmeat.net liefert etliche Treffer.

Distributoren: Macht es leichter

Damit solche Tools funktionieren können, muss es Paketdatenbanken geben, die Auskunft über Abhängigkeiten noch vor dem Download von Paketen geben: Dazu braucht es die Mithilfe der Distributoren, denn diese sind die natürliche Anlaufstelle für die Suche nach solchen Informationen. Der Distributor Conectiva, http://en.conectiva.com/, tut genau das - andere sollten folgen. Wenn sich die LinuxUser-Redaktion zum zweiten Geburtstag etwas wünschen darf, dann ist es genau ein solches Engagement aller Distributoren, und bitte: mit einem gemeinsamen Standard, damit Linux-Anwender nicht drei, vier verschiedene Paketsysteme beherrschen müssen.

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Infos zum Autor

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux, Doktorand an der Uni Erlangen-Nürnberg und seit Mitte der 90er begeisterter Linux-Anwender.


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