Gnomogram

News und Programme rund um GNOME

01.05.2002

GNOME 2 News

Auch wenn GNOME schon seit einiger Zeit für mehrere Unix-Versionen existiert, wird GNOME 2 als erstes Release zum Standard-Desktop auf Solaris werden, was natürlich ein sehr intensives Debugging voraussetzt. Aus diesem Grund wird nicht nur Ximian, sondern auch Sun bzw. das indische Software-Unternehmen Wipro an GNOME 2 arbeiten. Diese Zusammenarbeit [1] beschränkt sich allerdings nicht nur auf das Fixen von Bugs; Wipro wird voraussichtlich auch Accessibility, Sicherheit und Geschwindigkeit von GNOME 2 verbessern. Weiterhin hat Sun ein Programm namens Abicheck [2] bereitgestellt, mit dem die Binärkompatibilität zwischen verschiedenen GNOME-2-Releases sichergestellt werden kann. Somit entfällt das erneute Kompilieren eines Programmes gegen jede neue Version von GNOME.

Trotz dieser Hilfe war es allerdings nötig, den GNOME-2-Terminplan [3] erneut zu ändern. Anstelle von einer sind nun drei Betas vorgesehen, und die endgültige Version verschiebt sich auf den 1. Mai. Somit erschien statt des Release Candidate Nr. 1 die Beta Nr. 2 mit dem Namen "I bastun bor vi allihopa!", was so viel wie "Wir leben alle in der Sauna!" bedeutet und den Trend schwedischer Codenamen fortsetzt. Dicht gefolgt wurde dieses Release von GTK+ 2.0, womit dem Portieren alter GTK- und GNOME-Programme eigentlich nichts mehr im Weg stehen dürfte.

Nautilus-Skripte

Nautilus sollte von Anfang an mehr als nur ein Datei-Manager, nämlich eine mächtige graphische Shell, werden, und genau wie auf der Kommandozeile ist es deshalb möglich, (Shell-) Skripte zu erstellen, die bestimmte Abläufe direkt aus Nautilus heraus automatisieren. Diese Skripte finden sich in ~/.gnome/nautilus-scripts und können aus dem Kontextmenü heraus gestartet werden. Die Verzeichnisstruktur in nautilus-scripts wird dabei auf das Kontextmenü abgebildet - die Skripte können also zum Beispiel in Sparten sortiert werden. Alle ausgewählten Dateien übergibt Nautilus dem Skript in den Umgebungsvariablen NAUTILUS_SCRIPT_SELECTED_FILE_PATHS bzw. NAUTILUS_SCRIPT_SELECTED_URIS, wobei letzteres alle ausgewählten Elemente als URI (Uniform Resource Identifier, z. B. file://, http:// usw.) ausgibt. Für komplexere Skripte ist es weiterhin möglich, mit dem Programm gdialog Fragen an den Benutzer zu stellen und die Antwort mit einer Zeile wie ANTWORT=$(gdialog optionen 2>&1) in eine Umgebungsvariable zu leiten. Für alle, die mit Perl oder Shell-Kommandos nichts anfangen können, findet sich außerdem unter [4] eine umfangreiche Sammlung mit fertigen Skripts für praktisch jeden Zweck.

Encompass

Encompass [5] ist der Browser der Wahl, wenn es um Kompaktheit geht. Anders als Galeon basiert Encompass nicht auf Mozillas Render Engine Gecko, sondern auf Gtk-HTML, was die vergleichsweise kurze Startzeit ermöglicht. Natürlich hat die Kompaktheit auch ihren Preis - wer mit Encompass surft, muss völlig auf Javascript, Frames oder Extravaganzen wie einen Cache verzichten. Etwas erweitern lässt sich die Funktionalität zwar durch den Download-Manager Elysium Download, mehr Komfort wird aber erst die nächste Version von Encompass bieten, die momentan im CVS entwickelt wird. Ähnlich wie bei Galeon soll es später möglich sein, mehrere Fenster bzw. Reiter gleichzeitig zu benutzen oder über einen Klick mit der mittleren Maustaste zu öffnen. Außerdem werden zukünftige Versionen auf Libelysium zurückgreifen, eine Bibliothek, auf der auch Elysium Download basiert. Zusammen mit anderen Programmen sollen Encompass und Elysium Download weiterhin Teil einer neuen Distribution namens Elysium GNU/Linux werden - außer dem Namen existiert allerdings noch nicht viel davon.

Abbildung 1: Mit einfachen Seiten kommt Encompass ganz gut zurecht

Wildcard

Mit zu den zeitraubendsten und langweiligsten Aufgaben gehört es, ganze Gruppen von Dateien, wie sie zum Beispiel digitale Kameras ausgeben, einzeln umzubenennen. Wildcard [6] erlaubt es, eine solche Gruppe mit Hilfe von regulären Ausdrücken auf einmal umzubenennen. Dabei definiert der reguläre Ausdruck im Feld LHS (Left Hand Side) die zu ersetzende Zeichenkette und RHS (Right Hand Side) die neue Zeichenkette. Ein regulärer Ausdruck kann allerdings wesentlich mehr als nur nach einer exakten Zeichenkette suchen; so lässt sich z. B. mit dem Punkt . ein beliebiges Zeichen bzw. mit w+ eine Abfolge von mindestens einem w suchen. Da Wildcard ein Perl-Programm ist, unterscheiden sich die regulären Ausdrücke etwas von anderen Programmen - eine umfangreiche Dokumentation findet sich unter [7]. Zusätzlich bietet Wildcard noch einige Optionen zum Ersetzen an. So sorgt Global dafür, dass jedes und nicht nur das erste Auftreten einer Zeichenkette ersetzt wird. Ignore case ignoriert Groß- und Kleinschreibung, und Evaluate RHS erlaubt es, im Feld RHS Perl-Code einzugeben. Eine Liste aller erlaubten Perl-Funktionen findet sich unter [8]. Falls ein regulärer Ausdruck nicht genügt, können auch sogenannte Maps mit mehreren LHS/RHS-Paaren angelegt und gespeichert werden, wobei die Global-Option immer gesetzt ist. Da reguläre Ausdrücke relativ komplex werden können, erlaubt Wildcard nicht nur, das Umbenennen im Safe Mode zu simulieren, sondern legt auf Wunsch auch ein Script an, das Namensänderungen rückgängig macht. Dieses Shellscript trägt standardmäßig den Namen undowildcard und lässt sich im Verzeichnis mit den umbenannten Dateien finden. Außerdem führt Wildcard das Skript unter Edit/Undo selbständig aus.

Abbildung 2: Dank regulärer Ausdrücke ist Wildcard ein sehr mächtiges Werkzeug

Screem

Ähnlich wie Bluefish [9] ist Screem [10] ein HTML-Editor, der beim Erstellen von HTML-Code assistiert - WYSIWYG-Features sucht man vergeblich. Trotzdem kann das Programm dem Nutzer mit Hilfe von Wizards für CSS oder Bildergalerien einiges an Arbeit abnehmen. Sogar HTML-Mail kann mit Hilfe eines Plugins aus dem Programm heraus verschickt werden - allerdings mit einer Warnung, dass HTML für E-Mails eigentlich ungeeignet ist. Die eigentliche HTML-Ansicht markiert den Code nicht nur farbig, schließende HTML-Tags werden auch automatisch vervollständigt und Umlaute umgewandelt. Weiterhin können alle Tags über den Properties-Dialog oder ein Kontextmenü editiert werden. Nicht nur einzelne Tags, sondern auch die DTD des Dokuments wird automatisch erkannt. So ist Screem in der Lage, eine Liste aller möglichen HTML-Tags anzubieten. Praktisch ist weiterhin die Verwaltung ganzer Sites, die unter anderem die Synchronisation via FTP, WebDAV oder CVS beinhaltet. Um den Überblick zu behalten, kann Screem im Link-View die Links einer Seite bis in eine vorgebende Tiefe verfolgen und anzeigen - durch einen Doppelklick auf eine entsprechende Seite im Diagramm kann diese dann auch geöffnet werden. Wie üblich besitzt Screem auch eine (sehr eingeschränkte) HTML-Vorschau mittels GtkXmHTML, der man nach Möglichkeit keine Formulare oder Frames zumuten sollte. Wenn auch nicht auf den ersten Blick zu erkennen, lassen sich über die drei Zahnrad-Buttons zusätzlich auch externe Browser definieren. Hier liegt die größte Schwäche des Programms: Die Masse der Features drängt sich um die HTML-Ansicht und lenkt von der eigentlichen Arbeit ab. Auch wenn sich große Teile des GUI deaktivieren lassen, bleibt das Arbeiten doch ein wenig umständlich - es bleibt zu hoffen, dass die Entwickler sich dieser Probleme in der kommenden GNOME-2-Version von Screem annehmen.

Abbildung 3: Screem kann die Struktur einer Website als Diagramm darstellen

Benötigte Bibliotheken:

Encompass: libneon >= 0.19.0, gnome-print >= 0.24, gal >= 0.7, libxml1 >= 1.8.12, gtkhtml, gnome-vfs, bonobo, oaf, libglade

Wildcard: libgtk-perl

Screem: libglade, libgtkxmhtml, libxml1 >= 1.8.14

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist neue Programme auszuprobieren liest er Bücher oder spielt Saxophon.

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