Ein wenig Arbeit

Die vielbeschworene Konfigurationsdatei finden Sie unter ~/.procmeterrc. Existiert sie bei Ihnen nicht, können Sie die magere Default-Konfiguration aus dem entpackten Tarball an ihre Stelle kopieren und entsprechend abändern. Der Aufbau dieser Datei ist an und für sich simpel und logisch, kann aber rasch sehr umfangreich – und daher auch sehr verwirrend – werden. Vermutlich ein Grund, weshalb der Autor Andrew M. Bishop sie in einzelne Sektionen unterteilte. Zunächst sollten Sie ProcMeter darin den Weg zu seinen Programmdateien weisen, genauer, zu seinen Modulen:

[library]
path=/usr/local/lib/X11/ProcMeter3/modules

Diese übernehmen die eigentliche Befragung Ihres Systems, während ProcMeter lediglich ausgibt, was die Module liefern. So gibt es ein Modul für Speicherfragen (meminfo.so), eines für Ihren Prozessor (stat-cpu.so) usw. Ein solch modularer Aufbau hat den Vorteil, dass er leicht und rasch um neue Funktionen bereichert werden kann.

Der [library]-Sektion folgen nun im [startup]-Teil die beim Programmaufruf anzuzeigenden Elemente. Wie diese jeweils heißen, können Sie der mit man procmeterrc einsehbaren Anleitung oder aber dem bereits beschriebenen Properties-Dialog entnehmen: Es empfiehlt sich, den Aufbau mit der Maus zusammenzuklicken, um ihn anschließend in die Konfigurationsdatei abzutippen.

Dem Properties-Fenster aus Abbildung 3 entnehmen Sie beispielsweise, dass das entsprechende Modul Sensors heißt und unter Output um eine Aussage zu Fan1 und damit zur Drehzahl des ersten Lüfters gebeten wird. Den Darstellungsmodus legen Sie in der Konfiguration mit einem Einzelbuchstaben fest (t für Text, g für Grafik und b für Balkendarstellung). Eine zur Abbildung passende .procmeterrc enthielte folglich die Zeile Sensors.Fan1-t, mit der eine Textausgabe der Lüfterdrehzahl gewünscht wird. Module und Output verbindet man hierbei mit einem Punkt, während die Darstellungsart mit einem Bindestrich angehängt wird.

Auf das Sensors-Modul können Sie allerdings nur zugreifen, wenn Sie ein aktuelles lm_sensors-Paket installiert haben bzw. einen Kernel ab Version 2.4.13 mit I2C-Unterstützung verwenden.

Out of the box bekommen Sie hingegen einen Gesamtüberblick über Ihre CPU-Auslastung grafisch dargestellt: Tragen Sie an der gewünschten Stelle der order-Angabe in der [startup]-Sektion ein Stat-CPU.CPU-g ein. Stat-CPU bezeichnet hierbei das zu verwendende Modul, mit CPU besagen Sie, dass Sie dieses Modul über die CPU allgemein befragen möchten (jedes Modul hält mehrere Informationen bereit), und mit dem abschließenden g stellen Sie die Ausgabe auf "grafisch" ein.

Wird eine Zeile Ihrer Konfigurationsdatei zu lang, so können Sie mit dem Zeichen \ signalisieren, dass es auf der nächsten mit zugehörigen Eintragungen weiter geht:

[startup]
order = Stat-CPU.CPU-g \
        Processes.Processes-t \
        Memory.Mem_Free-b

Persönliche Note

In der nachfolgenden [resources]-Sektion legen Sie allgemeine Optionen – etwa Farben und Schriftart – für alle Elemente fest. Aufgenommen werden muss nur, was von den Standardeinstellungen abweichen soll (vergleiche Tabelle 1). Um lediglich Vorder- und Hintergrundfarbe selbst zu mischen, reichen folgende Zeilen:

[resources]
foreground = white
background = #445566

Die Farben können wie von HTML-Seiten bekannt sowohl als hexadezimaler RGB-Wert angegeben, als auch mit Namen benannt werden. Einen guten Überblick erhalten Sie mit dem Tool xcolorsel. Suchen Sie hingegen eine schönere Schriftart, so hilft xfontsel sicher gerne.

Tabelle 1: Allgemeine Ressourcen

Ressource Funktion Default
horizontal vertikale (0) oder horizontale (1) Ausrichtung 0
background Hintergrundfarbe grey80
foreground Vordergrundfarbe black
label-font Schriftart der Beschriftungen 5x7
label-foreground Schriftfarbe der Beschriftungen black
label-position Position der Beschriftung (top, bottom oder none) bottom
grid-foreground Hilfslinienfarbe der Graphen grey40
graph-solid Fläche im Graphen ausfüllen (0/1, yes/no oder true/false) yes
grid-min minimale Anzahl Hilfslinien im Graphen 5
grid-max maximale Anzahl Hilfslinien im Graphen nicht gesetzt
text-font Schriftart bei Textausgabe 8x13
menu-foreground Menü-Vordergrundfarbe (nicht bei der GTK-Version) black
menu-background Menü-Hintergrundfarbe (nicht bei der GTK-Version) grey80
menu-font Menü-Schriftart (nicht bei der GTK-Version) 7x13
update Aktualisierungsintervall in ganzen Sekunden 1
Abbildung 4: Anzeige modifiziert mit "graph-solid=yes" und "graph-solid=no"

Anschließend können Sie jedem Element noch spezielle Settings mit auf den Weg geben. Zur Verfügung stehen (bis auf horizontal) alle aus den Tabellen 1 und 2 ersichtlichen Angaben. Eingeleitet wird eine solche Sektion mit dem Namen des Moduls: Geht es Ihnen um ein Element aus dem Modul DiskUsage, überschreiben Sie die entsprechenden Angaben mit der Zeile [DiskUsage]. Soll lediglich die ProcMeter-Anzeige des freien Plattenplatzes Ihrer /home-Partition modifiziert werden, lautet die Sektionsangabe [DiskUsage.DF_Free_/home]. Kühlen Kopf behält man auch hier, wenn man per Maus vorkonfiguriert und die entsprechenden Einträge aus dem Properties-Menü abschreibt.

Tabelle 2: Ressourcen für die Module

Ressource Funktion
options Variiert von Modul zu Modul – vgl. man procmeter3
graph-scale Skaliert grafische Ausgaben
run Programmaufruf zuordnen
label Alternativer Beschriftungstext

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