Auf einen Blick

Jo´s alternativer Desktop: ProcMeter

01.05.2002
Informationen sollten schnell erfassbar dargestellt werden. Bei denen Ihres Rechners erledigt dies der Systemmonitor ProcMeter.

deskTOPia

Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor.

Zu einem sicheren System gehört nicht nur der bedachte Umgang mit systemweiten Diensten oder eine feuerfeste Wand rings um den (oder die) Rechner. Hinzu kommt der regelmäßige Blick in die Logfiles. Doch der hat einen gravierenden Nachteil: Er ist meist ein Blick in die Vergangenheit, oftmals erst nach unheilvollen Unregelmäßigkeiten. Läuft Ihnen z. B. der Speicher über, ist die Stabilität Ihres Linux-Rechners nicht mehr gegeben. Früherkennung ist daher nicht nur im Gesundheitswesen ein Muss.

Zentrale

Der Linux-Kernel hält glücklicherweise viele relevante Daten stets aktuell auf Abruf bereit. Auslesen lassen sie sich im Verzeichnis /proc, dessen Inhalt virtuell vom Kernel erstellt wird (und daher tatsächlich keinen Plattenplatz verbraucht, nicht einmal die größte Datei darin, kcore, ein Abbild Ihres Arbeitsspeichers). Ein cat /proc/meminfo listet eine Fülle an Informationen rund um den Zustand des Arbeitsspeichers auf (Listing 1).

Listing 1

So ist es um den Arbeitsspeicher bestellt

total:    used:    free:  shared: buffers:  cached:
Mem:  393928704 368910336 25018368        0 17498112 168648704
Swap: 777719808    32768 777687040
MemTotal:       384696 kB
MemFree:         24432 kB
MemShared:           0 kB
Buffers:         17088 kB
Cached:         164664 kB
SwapCached:         32 kB
Active:          50348 kB
Inact_dirty:    128592 kB
Inact_clean:      2844 kB
Inact_target:       12 kB
HighTotal:           0 kB
HighFree:            0 kB
LowTotal:       384696 kB
LowFree:         24432 kB
SwapTotal:      759492 kB
SwapFree:       759460 kB

Darin gilt es lediglich noch, die Zeile mit der gesuchten Information ausfindig zu machen … Immerhin ist dieses Beispiel noch recht einfach zu deuten: Schon ein cat /proc/uptime stellt den User vor die weitaus größere Aufgabe, eine Zahlenkette wie 10756.43 7123.55 zu interpretieren. Relevant für die Zeit seit dem letzten Reboot ist hierbei lediglich der erste der beiden Zahlenblöcke, und der wird in Sekunden ausgewiesen. Mühsames Umrechnen ist nun notwendig, um zu den aussagekräftigen 2 Stunden, 59 Minuten und 16,43 Sekunden zu gelangen.

Gehilfe gesucht

So ist das Stöbern im /proc-Verzeichnis zwar eine recht systemnahe und zuverlässige, aber doch recht zeitraubende und unübersichtliche Variante der Informationssuche. Daher gibt es Systemmonitore, die permanent die Kernel-Informationen abrufen und grafisch aufbereiten. Ein solcher Vertreter ist ProcMeter, der mittlerweile in der Version 3.3a vorliegt. Eine Kopie hiervon finden Sie auf der Heft-CD oder aber (neben weiteren Informationen) unter http://www.gedanken.demon.co.uk/procmeter3/.

Dieses Stück Software informiert Sie nun nicht nur über RAM-Riegel und Zeiten, sondern auch über ankommende E-Mails, Ihre Stromversorgung, Festplattenaktivität und -kapazität, Netzwerk-Traffic, CPU-Auslastung, und, und, und. Alles, was erfasst werden kann, bekommen Sie entweder in nackten – aber aufbereiteten – Zahlen, als grafische Darstellung der letzten Minute(n) oder als Balken mit dem aktuellen Zustand (ebenfalls grafisch) angezeigt; gerne auch alles zusammen, mit oder ohne Beschriftung. Jeder Schnipsel darf auf Wunsch in einer anderen Farbkombination glänzen.

Klar hat die Sache auch einen Haken: Zwar ist all dies per Maus im laufenden Betrieb justierbar, doch ein mit der Maus erstelltes Layout lässt sich nicht abspeichern: Die zugehörige Konfigurationsdatei muss von Hand getippt werden, was bei gehobenen Ansprüchen mitunter ein wenig Aufmerksamkeit fordert. Doch der Aufwand lohnt sich, zumal er nur ein einziges Mal erforderlich ist.

Möchten Sie sich vom Nutzen und den Fähigkeiten dieses Tools selbst überzeugen, so entpackt ein mutiges tar -xvfz procmeter3-3.3a.tgz das Archiv in ein eigenes, neues Verzeichnis. Dieses enthält nun nicht das ausführbare Programm, sondern lediglich den rohen Code des Programmierers. Passend für Ihren Rechner übersetzt es der Aufruf make all; installiert ist das Ergebnis erst nach einem erfolgreichem make install, für das sie kurzfristig root-Rechte benötigen.

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