Konkurrenz schläft nicht

Als verbesserter Nachfolger des 2600 brachte Atari noch die Modelle 5200 und 7800 auf den Markt. Beide kamen nicht an den Erfolg des Vorgängers heran. Für Linux existieren bislang keine erwähnenswerten Emulatoren für diese Modelle.

Atari war auf dem blühenden Videospielesektor nicht allein: Bereits 1975 brachte die Firma Coleco eine dem Heim-Pong ähnliche Konsole mit dem Namen Telstar auf den Markt. Nachdem einige Folgeprodukte zum Telstar scheiterten, veröffentlichte Coleco 1982 mit der ColecoVision einen direkten Konkurrenten zum Atari 2600. Die ColecoVision weist gegenüber der 2600 nicht nur bessere technische Daten auf, sie wurde sogar mit dem Spielhallenhit Donkey Kong ausgeliefert. Die Verkaufszahlen waren zunächst gut, 1983 versteifte sich Coleco jedoch auf sein Computerprojekt ADAM und ging kurze Zeit später damit baden. Mit ColEm existiert ein ColecoVision Emulator für Linux [7]. Er ist frei erhältlich, muss aber vor seinem Einsatz noch übersetzt werden (vgl. Kasten "Kompilieren"). Eine Liste aller Tastenbelegungen befindet sich in der beiliegenden ASCII-Dokumentation ColEm.doc.

Die Japan-Connection

1984 brach der Konsolenmarkt schlagartig zusammen. Die Schuld wird der mangelhaften Qualität der Spiele gegeben, die den Markt zu jenem Zeitpunkt überschwemmten. Die meisten Videospielehersteller gingen aus dieser Krise geschwächt heraus - nur ein Anbieter aus Japan lernte aus den Fehlern der Konkurrenz und wurde zu einem der Größten in seiner Branche: Nintendo. Das Unternehmen wurde bereits 1889 gegründet und stellte ursprünglich Spielkarten her. Mit der Zeit wagte man sich in die Gefilde der elektronischen Unterhaltung vor. Erfolgreiche Automaten wie Donkey Kong (1980) gingen auf Nintendos Konto. 1983 drang Nintendo mit dem Famicom (FAMIlien COMputer) in den damals noch äußerst lukrativen Heimbereich vor. Die in Japan vorgestellte Konsole verfügte über bessere technische Werte als das Atari 2600 und wurde in ihrem Heimatland zu einem großen Kassenerfolg. Von Anfang an schrieb man bei der Entwicklung von Spielen nicht nur Qualität groß, sondern ging auch neue Wege in der Lizenzpolitik: Neben Lizenzgebühren, die jeder externe Spielehersteller zu zahlen hatte, gab es eine genaue Überwachung aller Entwicklungen - sogar die Fertigung der Cartridges durfte von niemand anderem als Nintendo durchgeführt werden. Das Zusammenbrechen des Marktes 1984 brachte Nintendo dazu, auch auf andere Märkte - insbesondere den amerikanischen - zu expandieren. Um dort nicht gleich von Anfang an schlechte Karten zu haben, wandte man einen marketing-technischen Trick an: Man benannte das Famicom in Nintendo Entertainment System (NES) um und verpasste ihm ein seriöseres Äußeres. Das Image sollte weg vom Spiel, hin zum Entertainment. Zusammen mit der hohen Qualität, Werbefiguren wie Mario und der Lizenzpolitik ging diese Strategie in den folgenden Jahren mehr als auf: Nintendo wurde zu einem der größten Hersteller von Videospielkonsolen. 1991 folgte eine verbesserte Version mit dem Namen Super Nintendo Entertainment System (SNES). Obwohl NES-Spiele auf dem neuen System nicht weiter verwendet werden konnten, wurde auch diese Konsole zu einem Verkaufsschlager. Die Unterstützung für NES stellte Nintendo erst 1995 nach über zehn Jahren ein.

Für die beiden Nintendo-Konsolen existieren eine ganze Reihe Emulatoren. Unter Linux sind die interessantesten iNES für das NES (alias Famicom) [8], bzw. Snes9x [9] und ZSNES [10] für das SNES. Letzterer benötigt zum Start die SDL-Bibliothek [11]. iNES enthält übrigens eine ROM-Datei CART.NES, die einige Funktionen des NES testet bzw. simuliert. Die Tastenbelegung ist in der Hilfedatei erläutert: SELECT liegt auf der Tabulatortaste, die Eingabetaste dient zum Starten, mit den Pfeiltasten wird gesteuert, und die (Haupt-) Feuerknöpfe liegen auf der Leer-, bzw. [Strg]-Taste. ZSNES weicht von den anderen Emulatoren ab, da es nach dem Start eine komfortable Oberfläche bietet (Abbildung 11).

Abbildung 11: Der Super-Nintendo-Emulator ZSNES in Aktion

Die wichtigesten Menüpunkte sind dort GAME und CONFIG. Im ersten wählen Sie unter LOAD eine ROM-Datei aus, per RUN wird das Spiel gestartet. Unter CONFIG lässt sich die Tastaturbelegung einstellen. INPUT #1 bis #5 steht dabei jeweils für ein Eingabegerät. Im Spiel selbst gelangen Sie jederzeit per Druck auf Esc in das Menü zurück.

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