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Emulatoren unter Linux

Stella

Pong war so erfolgreich, dass Ende 1974 eine Variante für zu Hause erschien: Es handelte sich um ein wuchtiges Gerät, auf dem die zwei Drehregler fest angebracht waren. Auch andere Hersteller wollten am Absatz teilhaben und entwickelten ähnliche Videospielgeräte. Gleichzeitig setzten sie damit Atari unter Innovationsdruck. Zunächst intern unter dem Namen Stella entworfen, erschien im Oktober 1977 das Atari Video Computer System, kurz VCS (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das ursprüngliche Atari VCS aus dem Jahre 1977, das später in 2600 umbenannt wurde

Es bestand aus einer Konsole im Holzdesign und ließ sich über ein Antennenkabel an jeden Fernseher anschließen. Im Gegensatz zu Videospielautomaten befanden sich die Spiele-ROMs auf auswechselbaren Steckmodulen, den "Cartridges" (Abbildung 3). Nach dem Einschalten führte der Prozessor der Konsole den Inhalt der jeweils eingesteckten Cartridge aus - so konnten die Spiele unabhängig von der Hardware vertrieben werden.

Abbildung 3: So sahen die Module für das Atari 2600 aus: links Q*Bert (vgl. Abb. 6), rechts Pong alias Video Olympics

Abbildung 4: Über diese Kontakte griff die Konsole auf die Software im Modul zu

Auch die Eingabe-Hardware ließ sich über zwei Buchsen auf der Rückseite austauschen: Zunächst waren Drehregler (etwa für Pong, vgl. Abb. 5) und Joysticks erhältlich, später folgte auch exotische Hardware wie eine Lichtpistole.

Abbildung 5: Die Drehregler (Paddles) des Atari 2600, die unter anderem zur Steuerung von Pong benötigt wurden

Zum Durchbruch der Videospielkonsole verhalfen in erster Linie Automatenumsetzungen wie Space Invaders (1978), Pac Man (1982), Pitfall (1982) oder Missile Command (1981). Atari entwickelte noch bis einschließlich 1989 mehrere Revisionen seiner mittlerweile in Atari 2600 umbenannten Konsole. Was ursprünglich im wuchtigen Holzdesign mit sechs Schaltern begann, endete schließlich beim 2600 Junior in einem kleinen, schwarzen Plastikgehäuse. Die Geräte der ersten Auflage (Abbildung 2) sind übrigens heute eine kleine Rarität.

2600-Emulatoren

Die Verwendung einheitlicher Hardware bedeutet für die Programmierer von Emulatoren eine erhebliche Arbeitserleichterung: Sie müssen nicht für etliche unterschiedliche Geräte den Aufbau erforschen. Unter Linux gibt es zwei Programme, die das Atari VCS fast perfekt nachbilden: Stella [5] und Virtual 2600 [6]. Beim Download sollten Sie darauf achten, die bereits kompilierte, also ausführbare Variante zu wählen (oft mit binary bezeichnet). Virtual 2600 benötigt die Bibliothek Athena. Bei den ROMs der Spielemodule gilt dasselbe wie bei den Automaten: Auch hier haben wieder Bastler entsprechende Lesegeräte entwickelt, mit denen Sie die Software auf den PC übertragen können. Eine erste gute Anlaufstelle für bereits eingelesene ROM-Dateien bildet wieder die Abteilung The Vault unter [3]. Die Steuerung eines Spiels erfolgt bei Stella über ausgewählte Buchstabentasten und die Maus (Paddle-Ersatz); bei Virtual 2600 über die Pfeiltasten. Die Funktionstasten [F1] bis [F8] simulieren die Schalter an der realen Konsole. Von links (F1) nach rechts (F8) sind dies: Wahl der Spielart (Select), Reset des Spiels (Neustart), Einschalten der Farb- und Schwarzweiß-Wiedergabe, Schwierigkeit Spieler 1 und Spieler 2. Es gibt Schwierigkeitsstufen A und B. Bei Virtual 2600 liegt Select auf [F3] und Reset auf [F2],[F4] wählt zwischen Farbe und Schwarz/Weiß. Die genaue Tastenbelegung kann jeweils der englischen Dokumentation entnommen werden. Insbesondere Stella liegt eine sehr gut gemachte PDF-Datei bei, die dazu noch ein wenig über die Geschichte des Atari 2600 informiert.

Abbildung 6: Q*Bert: Keiner flucht so schön wie der kleine orange Kerl

Abbildung 7: Frogger: Der kleine grüne Frosch am unteren Bildrand muss in eine der oberen Mulden gelenkt werden

Abbildung 8: PacMan: Friss alle Punkte, hüte dich vor den Geistern; im Gegensatz zum Automatenvorbild war die Atari-2600-Version eine grafische Katastrophe

Abbildung 9: So sah die Atari 2600-Version von Pong aus, vgl. auch Abb. 1 des Automaten

Abbildung 10: Space Invaders auf dem Atari 2600: Ballern, was das Zeug hält

Start der Konsolen-Emulatoren

Der Start der hier vorgestellten Emulatoren für Konsolen erfolgt bei allen Programmen auf dieselbe Weise: Sofern der Emulator Ihrer Distribution beiliegt, sollten Sie ihn über den beiliegenden Paket-Manager installieren. Anderenfalls entpacken Sie das heruntergeladene Archiv in ein Verzeichnis Ihrer Wahl. Sofern sich die Spiele-ROMs in einem Archiv befinden, verfahren Sie mit diesen ebenso. Öffnen Sie nun ein Terminal-Fenster und wechseln Sie dort mit dem Befehl cd <Verzeichnisname> in das Verzeichnis mit den Emulator-Dateien. Schließen Sie den Befehl mit der Eingabetaste ab. Sie starten den Emulator, indem Sie den Namen des Programms, gefolgt vom Dateinamen des ROMs eingeben. Möchten Sie zum Beispiel mit dem Emulator stella das Spiel Pac Man spielen, das sich in der Datei pacman.bin in Ihrem Home-Verzeichnis befindet, so ist folgender Befehl notwendig: ./xstella ~/pacman.bin. Lag der Emulator Ihrer Distribution bei, können Sie xstella von jedem Verzeichnis aus aufrufen; die Zeichen ./ zu Beginn des Befehls lassen Sie dann weg.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter http://www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser 06/2012

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