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lesspipe

Mehrfunktionen eingespeist

Das Programm less als komfortablen Ersatz für more werden die Meisten schon kennen. Mit einem Skript ausgestattet kann es mehr als bloße Textdateien anzeigen.

out of the box

Es gibt tausende Tools und Utilities für Linux. "out of the box" pickt sich die Rosinen raus und stellt pro Monat ein Progrämmchen vor, das wir für schlichtweg unentbehrlich oder aber zu Unrecht wenig beachtet halten.

Je nachdem, welche Linux-Distribution Sie benutzen, wird es Ihnen schon aufgefallen sein: In manchen Konfigurationen kann der Pager less mehr darstellen als reine Textdateien. Manpages werden automatisch formatiert oder Archivinhalte aufgelistet. Doch welcher Mechanismus steckt dahinter? Gibt es "Normal-less" und "Super-less"? Nein, das hier verwendete Feature gehört zum normalen Funktionsumfang von less und ist obendrein erweiterbar.

Das Shell-Skript lesspipe von Wolfgang Friebel macht Gebrauch davon, dass less beim Starten die Umgebungsvariable LESSOPEN überprüft. Ist diese nicht leer, wird ihr Inhalt als Programmname interpretiert und less überlässt diesem Tool das Öffnen der anzuzeigenden Datei. Dessen Ausgabe zeigt less dann an. Ein LESSOPEN-Programm wie lesspipe stellt also eine Vorverarbeitung der Eingabe, einen Input Preprocessor, dar.

Einpfeifen

Die lesspipe-Installation ist nicht schwierig. Zunächst besorgen Sie sich das Archiv lesspipe.tar.gz von http://www.desy.de/zeuthen/~friebel/unix/lesspipe.html oder von der Heft-CD. Nach dem Auspacken sucht das (einen Perl-Interpreter voraussetzende) Konfigurationsskript eine Reihe von Hilfsprogrammen zusammen und passt lesspipe daran an. Wird ein installiertes Tool nicht gefunden, helfen Sie dem Skript auf die Sprünge, indem Sie auf seine Frage Include code anyway? den vollen Pfadnamen angeben. Folgende Installationsschritte sind nötig:

tar xzf lesspipe.tar.gz
cd lesspipe-1.32
perl configure
su  (root-Passwort eingeben)
make install ; exit

Nach dieser Prozedur müssen Sie less nur noch mitteilen, dass es das soeben im Verzeichnis /usr/local/bin installierte Skript verwenden soll. Dazu tragen Sie in der Datei .bashrc in Ihrem Home-Verzeichnis folgende Zeile ein:

export LESSOPEN="|/usr/local/bin/lesspipe.sh %s"

Falls Sie statt der bash die (t)csh als Login-Shell verwenden, fügen Sie stattdessen die Zeile

setenv LESSOPEN "|/usr/local/bin/lesspipe.sh %s"

in die Datei .cshrc ein. Beim nächsten Login stehen dann die erweiterten less-Funktionen bereit.

Zeig mal…

Für einen einfachen Test können Sie die eventuell auf Ihrem System installierte (und mit locate l2kurz.dvi zu findende) LaTeX-Kurzanleitung oder eine andere dvi-Datei nutzen:

less l2kurz.dvi

Sofern bei der lesspipe-Installation das Hilfsprogramm dvi2tty nicht fehlte, sehen Sie eine Ausgabe ähnlich der in Abbildung 1. Das lesspipe-Skript erkennt den Dateityp übrigens nicht an der Endung, sondern mithilfe des Kommandos file [2], das ein Stück vom Inhalt der Datei liest und mit den Einträgen seiner Typendatenbank vergleicht.

Abbildung 1: TeX-Dokumente in less

In Tabelle 1 finden Sie die Dateitypen, die lesspipe unterstützt, vorausgesetzt, die passenden Hilfsprogramme sind installiert. Viele dieser Tools, etwa die Komprimierer gzip und bzip2, gehören schon von Haus aus zum Installationsumfang der meisten Distributionen, andere (etwa antiword [3]) müssen oft nachinstalliert werden. Nicht-Debian-User werden zudem auf die Möglichkeit, Debian-Archive anzusehen, verzichten müssen, denn die dazu von lesspipe verwendeten Tools gibt es für RPM-basierte Distributionen nicht.

Tabelle 1: Unterstützte Dateitypen

Typ Hilfsprogramm
.gz, .Z gzip
.bz2 bzip2
.zip unzip
.tar tar
Manpage groff
.a ar
Dynamische Bibliothek nm
Ausführbares Programm strings
.rpm, .spm rpm, rpm2cpio, cpio
.deb dpkg, dpkg-deb
.doc antiword
.html lynx
.pdf pdftotext
.rtf unrtf
.dvi dvi2tty
.ps ps2ascii, gs

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