abc-Workshop

Spiel mir das Lied in ASCII

abc ist eine leicht zu erlernende Sprache, um Musik in ASCII zu notieren. Dabei können nicht nur einfache Melodien in diesem plattformunabhängigen Format aufgeschrieben werden, auch Liedtexte oder mehrstimmige Sätze lassen sich mit wenigen Handgriffen notieren. Dieser Workshop bietet die Grundfunktionen von abc, einen PostScript-Konverter und viele Beispiele zum Ausprobieren.

Chris Walshaw entwickelte 1991 die Sprache abc, um Folk-Stücke zu notieren. Durch die Umsetzung von Noten in reinen ASCII-Text ist abc leicht zu erlernen. Eine einfache Tonleiter (insgesamt sind vier Okatven möglich) lässt sich mit den entsprechenden Notenwerten als Buchstaben notieren:

X:1
T:Notes
M:4/4
L:1/4
K:C
C, D, E, F,|G, A, B, C|D E F G|A B c d|e f g a|b c' d' e'|f' g' a' b'|]

Das Prinzip ist einfach: Bis zum eingestrichenen C werden die tiefen Töne mit einem Komma versehen (C,), ab dem zweigestrichenen c schreibt man Kleinbuchstaben; vom dreigestrichenen c' an werden die Töne mit einem Apostroph versehen. Der Ton, den wir im Deutschen als H bezeichnen, wird hier nach englischer Notation als B aufgeschrieben. In dem kleinen Beispiel können Sie noch weitere Eigenschaften von abc erkennen:

  • abc braucht einen Header mit optionalen und obligatorischen Angaben über das Musikstück.
  • Taktstriche werden durch einen senkrechten Strich () kenntlich gemacht.
  • der Taktstrich am Ende eines Stückes wird mit einer eckigen Klammer (]) notiert.

Der Header besteht aus mehreren Feldern, von denen einige optional sind; andere müssen ausgefüllt werden. Das Indexfeld (X:) ermöglicht es, mehrere abc-Stücke hintereinander in einer Datei zu notieren - sie können einfach durchnumeriert werden. Im Titelfeld (T:) steht der Name des Stückes. Hat ein Stück mehrere Titel, können diese einfach untereinander in weiteren T:-Zeilen stehen. Im M:-Feld wird das Metrum definiert, also z. B. 4/4 für einen Viervierteltakt oder 3/4 für einen Dreivierteltakt. Wichtig: Das Feld kann (wie auch das K:- oder L:-Feld) mitten im Stück verändert werden, um einen Taktwechsel anzuzeigen.

Die Standardnotenlänge legen Sie im L:-Feld fest. In diesem Beispiel steht sie auf 1/4, d. h. Noten werden grundsätzlich als Viertelnoten notiert. Soll in einem Stück nun eine Achtelnote dargestellt werden, schreiben Sie hinter den Notenwert /2, also z. B. c/2. Für eine Sechzehntel heißt das /4, für eine Zweiunddreißigstel dementsprechend /8 usw. Auch die Multiplikatoren oder Divisoren 3, 5, 7, etc. sind erlaubt. Ist die Notenlänge im L:-Feld auf 1/2 gesetzt, funktioniert das Prinzip genauso. In die andere Richtung können Sie Notenlängen natürlich ebenfalls modifizieren: C2 entspricht bei L:1/4 also einer halben Note.

Im optionalen K:-Feld wird die Tonart definiert. Im Beispiel oben steht dort ein C für eine C-Dur-Tonleiter. Um nach G-Dur (ein Kreuz für das Fis) zu wechseln, notieren Sie K:G. Ganz genauso funktioniert das mit Moll-Tonarten, z. B. K:Gmin (für engl. "minor"). Die Tonart lässt sich innerhalb des Musikstückes neu definieren. Für einige Musikstücke ist es schön, eine Tempoangabe zu besitzen. Die kann für abc mit dem Q:-Feld (z. B. Q:1/8=120) definiert werden - es ist in diesem Fall wichtig, dass keine Leerzeichen in dem Feld enthalten sind. Weitere optionale Angaben sind: Komponist (z. B. C:Trad.), Quelle (z. B. S:Music of Ireland), Herkunft (z. B. O:Ireland) oder Infos über den Aufschreibenden (z. B. Z:Heike Jurzik). Fassen wir noch einmal zusammen: Die obligatorischen Felder für den Header sind in dieser Reihenfolge

X:
T:
M:
L:
[optionale Felder]
K:

Es ist wichtig, dass X: immer den ersten Platz erhält. Hinter jedem Feld ist ein Zeilenumbruch. Das letzte Feld muss von K: belegt sein; anschließend beginnt die Notation.

Ins Eingemachte

Pausen werden mit dem Kleinbuchstaben z und einem zugehörigen Wert notiert und orientieren sich am Wert aus dem L:-Feld. Bei einer Standardnotenlänge von L:1/4 entspricht z demnach einer Viertelpause. Um eine Note mit einem Kreuz zu versehen (also einen halben Tonschritt zu erhöhen), setzen Sie ein ^ davor. So wird aus dem Ton C mit ^C ein "Cis". Um den Notenwert einen halben Schritt herunterzusetzen, notieren Sie entsprechend ein _ vor der Note, also _C. Doppelte Kreuze oder Bs lassen sich durch ^^ bzw. __ notieren.

Um Stücke rhythmisch ausgefeilt zu notieren, gibt es mehrere Möglichkeiten: A>A, A2>A2 oder A>>A usw. Die spitze Klammer bedeutet in dem Fall, dass die erste Note um die Hälfte der zweiten verlängert wird, die dann natürlich gekürzt werden muss, um die Taktvorgabe einzuhalten. Am besten experimentieren Sie selbst ein bisschen mit diesen Notationsmöglichkeiten herum, es sieht auf den ersten Blick komplizierter aus als es ist.

Bisher haben wir es mit einzelnen Noten zu tun gehabt - natürlich gibt es auch Notenbalken oder Bögen:

A B c d | ABcd |]

Im ersten Fall sind es vier einzeln stehende Noten. Ohne Leerzeichen aufgeschrieben, erhalten die Noten einen verbindenden Balken. Ähnlich funktioniert die Notation von Bögen:

(AA) ((AA)A) (A|A) |]

Die ersten beiden Noten werden mit einem einfachen Bogen verbunden, die nächste Gruppe hat einen zusätzlichen Bogen für die ersten beiden Töne und das dritte Beispiel zeigt, dass auch über Taktstriche hinaus verbunden werden darf. Um aus drei Noten eine Triole zu machen, schreiben Sie in die Klammer einfach die Zahl 3 mit hinein: (3AAA). Dass Taktstriche mit einem Pipe-Zeichen markiert werden, wissen Sie schon aus dem ersten Beispiel. Um ein Wiederholungszeichen einzubauen, können Sie einfach einen Doppelpunkt hinzufügen (dfe dBA:). Bei vielen Folk-Stücken ist es üblich, die zweite Wiederholung am Schluss leicht abzuändern für eine Überleitung zum Zwischenteil. Dieses kann man in abc folgendermaßen notieren:

faf gfe |1 dfe dBA:| 2 dfe dcB|]

Aus abc wird PostScript

Zum Notieren in abc brauchen Sie lediglich Ihren Lieblingseditor. Dateien tragen die Endung .abc. Damit Sie das Ergebnis auch als graphisches Meisterwerk betrachten können, müssen die ASCII-Dateien umgewandelt werden. Auf Unix-Systemen hat sich das Programm abc2ps durchgesetzt. Für die meisten Linux-Distributionen gibt es das Programm zum Eigenbau unter [5]. Debian-Nutzer haben es leichter: packages.debian.org [6] bietet ein fertiges Paket.

Der Konverter läuft auf der Kommandozeile und überprüft dabei, ob es sich um ein gültiges abc-Dokument handelt. Um den Output anschließend in ein PostScript-File zu speichern, verwenden Sie die Option -o:

huhn@asteroid:~$ abc2ps notes.abc -o -O notes.ps
This is abc2ps, version 1.3.3 (Mar 17 1999)
notes.abc: [1] Notes -
Output written on notes.ps (1 page, 1 title, 22357 bytes)

Die Option bewirkt lediglich, dass eine PostScript-Datei generiert wird, ohne den zweiten Zusatz (-O notes.ps) landet der Output allerdings standardmäßig in der Datei Out.ps - ärgerlich, wenn man diese mit einem zweiten Aufruf überschreibt. Die fertige notes.ps können Sie nun mit Programmen wie Ghostview oder gv betrachten (gv notes.ps &, s. Abbildung 1) oder mit lpr -P druckername notes.ps ausdrucken.

Abbildung 1: gv rückt abc-Dateien ins rechte Licht
Abbildung 2: Auch ganze Partituren lassen sich aufzeichnen

Auf der Homepage von Chris Walshaw [1] finden Sie unter der Sektion "Software" viele Hinweise auf Programme, die mit abc zusammenarbeiten können. Schaut man sich im WWW ein bisschen um, findet man viele Seiten, auf denen abc-Stücke veröffentlicht werden - meistens Folk-Musik. Dank einfacher ASCII-Notation lassen sich solche Dateien schnell austauschen und verbrauchen wenig Speicher. Viel Spaß beim Komponieren mit abc.

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