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Pro-C-Dur

Volkers Editorial

01.04.2002 In den 80er Jahren baute Atari in die Rechner der ST-Serie MIDI-Schnittstellen ein. Erst als auch Intel-kompatible PCs MIDI unterstützten, wurde der ST langsam aus dem Musikcomputer-Segment verdrängt. Heute hat Linux diesen Marktsektor für sich entdeckt.

Die ersten Synthesizer waren noch echte Analogmonster: Zum einen waren sie nur monophon, d. h. sie konnten nur einen Ton gleichzeitig spielen, und zum anderen waren sie wirklich noch analog - und zwar mit dem Prinzip: 1 Volt entspricht einer Oktave, also 1/12 Volt = 1 Halbtonschritt. Das Drücken mehrerer Tasten führte in der Tat zu nichts. Technisch gesehen bedeutete das, dass nur die oberste oder unterste Taste aktiv war (unter Strom stand). Wer also seine Kaffeetasse ganz rechts auf die Tastatur stellte und virtuos über die Tastatur fegte, erzeugte dennoch nur so aufmunternde Musik wie sämtliche gregorianische und tibetanische Chöre zusammen. Schließlich wurden die ersten Synthesizer zur Akkordarbeit überredet, indem man digital ständig die einzelnen Tasten nach dem Status "gedrückt" oder "nicht gedrückt" abfragte. So war 6-, 8- oder sogar 12-stimmige Polyphonie - je nach Anzahl der eingebauten Oszillatoren - möglich, wenn auch die Klangerzeugung selbst noch analog war. Wer selbst einmal in diese Zeit der Synthesizer hineinhören will, dem empfehle ich [1].

MIDI wird geboren

Das Prinzip der Analogsynthesizer mit digitaler Tastatur war die Geburtsstunde des MIDI-Paradigmas: Es sollte ein Standard geschaffen werden, der nicht die Klangerzeugung selbst, sondern nur deren Steuerung - also welche Tonhöhe, wie laut etc. - beschreiben sollte. 1983 kamen die ersten MIDI-Synthesizer auf den Markt. Inzwischen gibt es MIDI-Gitarren, MIDI-Schlagzeuge, ja sogar MIDI-Saxophone. Auch Computern - wie dem Atari ST - wurde die MIDI-Schnittstelle direkt eingebaut, deren Übertragungsgeschwindigkeit (um ungewünschte Zeitverzögerungen zu vermeiden) mit 31,25 kBaud im Vergleich zu den damals üblichen 19,2 kBaud recht hoch angesetzt war. Ganze Netzwerke wurden mit dieser Schnittstelle aufgebaut, und auch die Netzwerkspiele wurden mit der MIDI-Schnittstelle geboren [2]. Wenn Ihnen also heute einer dieser Gesellen begegnet, die sich immer und überall, wo sie eine Klaviatur sehen, unauffällig auf die Tastatur zuschleichen, um dort den Flohwalzer reinzuhacken, können sie ihm das mit ihrem MIDI-Equipment versalzen: Legen Sie ihm einfach Regentropfen oder Meeresrauschen auf die Klangausgabe - das sollte seinem Taktgefühl Heilung verschaffen.

Zu Befehl!

Wie wir bereits gelernt haben, hat ein MIDI-Befehl nichts mit dem Klang selbst zu tun, sondern übermittelt nur die Information, welcher Ton wie laut gespielt werden soll. Eine gute Vorstellung von dem, was bei MIDI passiert, ist der Vergleich mit einem Klavier: Die MIDI-Signale entsprechen hier der Mechanik, die den Hammer mit einer durch den Pianisten gesteuerten Anschlagstärke schlagen lassen. Die durch den Hammer getroffene Saite im Klavierkasten hat mit MIDI selbst nichts mehr zu tun, sie gehört schon zur Klangerzeugung und könnte genau so gut vom Instrumentenbauerals eine Reihe von Bambusröhren geschaffen worden sein. Der "MIDI-Befehl", repräsentiert durch das Hauen eines bestimmten Hammers mit einer bestimmten Stärke, ist vollkommen unabhängig von dem, was der Hammer trifft. Natürlich gibt es nicht nur MIDI-Befehle zum Steuern der Klangerzeugung, es wurden auch solche in den Standard mit aufgenommen, die das Arbeiten mit einem Sequenceroder einem Synthesizer ermöglichen - doch davon später.

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