Guikachu

Mit Hilfe von Guikachu [6] lassen sich ganz ähnlich wie bei Glade sogenannte Ressourcen-Dateien für Palm OS erstellen. So ist es möglich, komfortabel verschiedene Widgets eines graphischen Interfaces zu positionieren, Menüs und Dialoge zu erstellen und das Ganze als XML-Datei abzuspeichern. Guikachu ist allerdings nicht in der Lage, die erstellte Datei selbst zu kompilieren - stattdessen muss das Interface über Datei/RPC exportieren oder mit dem Programm guikachu2rcp in einem für Pilrc [7] lesbaren Format exportiert werden. Guikachu2rcp ist eigentlich nur ein einfaches Bash-Skript, das XML-Dateien mit Hilfe von XSLT in ein anderes Format umwandelt - die eigentliche Transformation überlässt es dabei Xsltproc. Um das Interface tatsächlich in ein Programm einzubinden, bedarf es aber noch mehr Programmen: In den Prc-Tools [8] finden sich eine Reihe von Programmen, die dabei helfen, Code für den im Palm verwendeten Dragonball-Prozessor zu produzieren und zu debuggen. Außerdem benötigt man ein Palm OS SDK, welches die nötigen Includes mitbringt und sich unter [9] finden lässt. In dem von Palm angebotenen SDK-Archiv findet sich neben der Dokumentation ein RPM-Paket, das unter Debian leicht mit alien umgewandelt werden kann. Zusätzlich müssen Debian-Benutzer mit

ln -s /opt/palmdev/sdk-4/ /usr/share/prc-tools/sdk-4

einen symbolischen Link anlegen. Andere Distributionen suchen unter /usr/local/palmdev/ nach dem SDK - der Link muss dann in dieses Verzeichnis gelegt werden.

Abbildung 1: Mit Guikachu ist ein Palm-GUI schnell erstellt
Abbildung 2: Mit Guikachu ist ein Palm-GUI schnell erstellt
Abbildung 3: Mit Guikachu ist ein Palm-GUI schnell erstellt

Genigma

Genigma [10] ist ein Emulator der deutschen Enigma - der wahrscheinlich medienwirksamsten Verschlüsselungsmaschine aller Zeiten, die in zahlreichen Büchern und Filmen verarbeitet und missbraucht wurde. Auch wenn die grundlegende Kryptoanalyse der Enigma von einem polnischen Team durchgeführt wurde, wurde erst im britischen Bletchley Park die sogenannte "Bomb" entwickelt, die durch das Prüfen von Standardphrasen (sogenannte Cribs) sehr schnell nach möglichen Schlüsseln suchen konnte. Mit an der Entwicklung beteiligt war Alan Turing, der mit seiner Forschung die Grundlage für moderne Computer legte. Eben dieser fehlt übrigens im demnächst erscheinenden Film [11] völlig, da seine Homosexualität keine massentaugliche Liebesgeschichte hergegeben hätte.

Alle Typen der Enigma teilen das selbe grundlegenden Prinzip der "Rotoren", deren Anzahl je nach Modell variierte. Genigma emuliert das Modell M3, bei dem drei von fünf möglichen Rotoren zum Einsatz kamen. Dieses Modell wurde von Luftwaffe und Wehrmacht eingesetzt - die in Schiffen und U-Booten einsetzten Modelle waren noch etwas komplexer. Jeder Rotor besaß 26 Ein- bzw. Ausgänge, die in einer bestimmten Weise verdrahtet waren. So wird ein auf der schreibmaschinenartigen Tastatur getippter Buchstabe mehrmals durch einen anderen Buchstaben ersetzt - dank einem Reflektor, der an der letzten Walze angeschlossen ist, wird diese Substitution sogar zweimal vollzogen. Zusätzlich erschwert wird die Kryptoanalyse noch durch ein Steckerbrett, mit dem bestimmte Buchstaben ausgetauscht werden. Außerdem wurden die Rotoren nach jedem Tastendruck gedreht, was die Chiffrierung für jeden Buchstaben änderte.

Um tatsächlich einen Text in Genigma zu verschlüsseln, muss man nun also unter Walze 1-3 jeweils eine Zahl zwischen 1 und 5 eintragen, die für einen Rotor steht - jeder Rotor ist natürlich nur einmal vorhanden. Zusätzlich lässt sich die Ringeinstellung verändern - auf dem Ring befanden sich analog zu den Kontakten der Walze die Buchstaben von A bis Z. Die Einstellung B kommt also einer Verschiebung des Rings um eine Stelle gleich. Genauso lässt sich auch die Walze selbst vor Beginn der Chiffrierung drehen - dafür die Einstellung "Start". Im Steckerfeld können Buchstabenpaare angegeben werden, um das Ergebnis noch weiter zu verschleiern. Natürlich darf auch hier jeder Buchstabe nur einmal verwendet werden. Neben dem GNOME-Interface lässt sich Genigma auch von der Kommandozeile aus bedienen - genauere Informationen zu den Optionen finden sich in der entsprechenden Manpage.

Abbildung 4: Genigma beim Verschlüsseln eines geschichtsträchtigen Satzes

Benötigte Bibliotheken:

Guikachu:gnomemm, libxml1, libglade, gdk-pixbuf, xsltproc

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist, neue Programme auszuprobieren, liest er Bücher oder spielt Saxophon.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Gnome selbst kompilieren mit Garnome
    Fertige Pakete für die neue Gnome-Version gibt es bisher für die wenigsten Distributionen. Als Ersatz hilft das Skript Garnome beim Selbstkompilieren; damit machen Sie sich unabhängig vom Distributor.
  • Die Desktop-Umgebung Gnome feiert heute ihren 20. Geburtstag
    Heute vor genau 20 Jahren, am 15. August 1997, starteten Miguel de Icaza und Federico Mena die Arbeit an der Desktop-Umgebung Gnome. Zur Feier des Tages plant das Gnome-Projekt zahlreiche Feiern.
  • Alles neu macht der Mai
    Am 1. Mai soll die lang erwartete Version 2.0 der GNOME-Desktopumgebung erscheinen - wir zeigen Ihnen, was Sie erwartet.
  • Desktop-Alternative GNOME 1.2
    Von vielen X11-Anwendern nicht beachtet und von manchen Distributoren gar vorzeitig abgeschrieben meldet sich die Desktop-Umgebung GNOME in einer neuen Version zurück. LinuxUser stellt Ihnen die wichtigsten Komponenten von Helix GNOME 1.2 vor und hilft Ihnen bei der Frage, ob sich ein Upgrade bzw. eine Neuinstallation lohnt.
  • Erste Beta von Gnome 2.26
    Mit der ersten Beta-Version von Gnome nähern sich die Entwickler weiter ihrem Ziel, die fertige Version 2.26 im März zu veröffentlichen.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 05/2018: GEODATEN

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Stellenmarkt

Aktuelle Fragen

added to access control list
Ingrid Kroll, 27.03.2018 07:59, 10 Antworten
Hallo allerseits, bin einfache Nutzerin und absolut Linux-unwissend............ Beim ganz norm...
Passwortsicherheit
Joe Cole, 15.03.2018 15:15, 2 Antworten
Ich bin derzeit selbständig und meine Existenz hängt am meinem Unternehmen. Wahrscheinlich verfol...
Brother drucker einrichten.
Achim Zerrer, 13.03.2018 11:26, 1 Antworten
Da mein Rechner abgestürzt war, musste ich das Betriebssystem neu einrichten. Jetzt hänge ich wi...
Internet abschalten
Karl-Heinz Hauser, 20.02.2018 20:10, 2 Antworten
In der Symbolleiste kann man das Kabelnetzwerk ein und ausschalten. Wie sicher ist die Abschaltu...
JQuery-Script läuft nicht mit Linux-Browsern
Stefan Jahn, 16.02.2018 12:49, 2 Antworten
Hallo zusammen, ...folgender goldener Code (ein jQuery-Script als Ergebnis verschiedener Exper...