Gnomogram

News und Programme rund um GNOME

01.04.2002

GNOME und .NET

Wie kaum ein anderes Projekt im Bereich der freien Software steht GNOME immer wieder im Mittelpunkt unschöner Flamewars - neueste Episode in diesem Trauerspiel ist ein Interview zwischen "the Register" und Miguel de Icaza mit dem etwas irreführenden Titel "Gnome to be based on .NET" [1]. In diesem Interview äußert sich Icaza positiv über Microsofts .NET-Framework, das er unter dem Namen Mono [2] nach Linux portiert. Dazu kam noch, dass einige Tage zuvor die Lizenz der Mono-Klassenbibliothek von der GPL zu einer X11-artigen Lizenz geändert wurde, was es zum Beispiel Firmen wie Intel erlaubt, Code beizusteuern. Auch wenn diese Lizenz im Sinne der FSF frei ist, dürfen Programme unter der X11-Lizenz binär vertrieben werden, ohne dass der veränderte Source-Code offengelegt wird. Das genügte, um die Leser vieler News-Seiten zu überzeugen, dass Icaza - und damit auch das gesamte GNOME Team - der dunklen Seite erlegen wären. Dementsprechend häuften sich die Forderungen nach Icazas Rücktritt.

Auch wenn Icaza eine wichtige Rolle im GNOME-Projekt spielt, wäre er allerdings in keiner Position, eine so fundamentale Designentscheidung zu treffen. Es existiert innerhalb der GNOME Foundation ein jährlich neu gewähltes Direktorat mit zehn Personen neben ihm, die über solche Entscheidungen abstimmen müssten. Es ist im Übrigen zu bezweifeln, dass die GNOME Community eine so grundlegende Umstellung von C auf C# mittragen würde. Somit bleibt Mono die frühe Version einer C#-Implementierung mit Plänen für GNOME Language Bindings, wie sie auch für Python oder C++ existieren. Die Berichte von The Register, Richard Stallman hätte sich negativ zu Icazas Plänen geäußert, entpuppten sich übrigens ebenfalls als Ente, wie Stallman selbst richtig stellte [3].

GARNOME

GNOME ist für seine vielen Abhängigkeiten bekannt, und gerade für Anfänger kann es nervenaufreibend sein, alle benötigten Pakete zusammen zu suchen und zu kompilieren. Es existiert zwar mit den vicious build scripts [4] eine Möglichkeit, ein aktuelles GNOME automatisch aus dem CVS zu laden - wer allerdings lieber mit den Archiven aus den offiziellen Releases arbeitet, war bis jetzt auf sich selbst gestellt. Mit GARNOME ist es jetzt möglich, ähnlich wie in BSDs Port-System automatisch alle Archive mit ihren Dependencies zu laden und in der richtigen Reihenfolge zu kompilieren. Ist GARNOME [5] entpackt, braucht man bloß in das Verzeichnis gnome/meta-gnome-desktop zu wechseln und "make" einzugeben - den Rest erledigt GAR. Konfiguriert wird das System über die Datei gar.conf.mk, in der man unter "BUILD_PREFIX" auch das Installationsverzeichnis angeben kann. GNOME 2 sollte auf jeden Fall getrennt von GNOME 1.x installiert werden, da es sonst zu Konflikten kommen kann - aus diesem Grund werden alle kompilierten Programme standardmäßig nach ~/garnome installiert. (Die Tilde steht für das Heimverzeichnis.)

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