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Lesestunde

MBROLA

01.04.2002 Es heißt, Lesen bildet. Doch nicht alles muss unbedingt selbst gelesen werden. Oftmals genügt es schon, wenn Information aus dem "Mund" eines Sprachsynthesizers auf ein Ohrenpaar trifft.

Sie besprechen Ihren Anrufbeantworter nur widerwillig mit einem neuen Spruch? Kein Problem, lassen Sie einfach Ihren Computer ein gutes Wort für Sie einlegen. Sie möchten sich Ihre elektronische Post lieber einmal vorlesen lassen, so dass Sie zugleich nebenan Tee kochen können? Vielleicht hätten Sie auch gern eine akustische Bestätigung, wenn Ihr Rechner erfolgreich den On- bzw. Offline-Modus erreicht? Mit einem Sprachsynthesizer ist all dies und noch viel mehr möglich.

Babel

Doch ganz so trivial ist diese Aufgabe nicht: Man denke nur an die Folgen der babylonischen Sprachverwirrung (Gen 11,9): Während der Engländer zur Buchstabenfolge "new" in etwa "nju" sagt, spricht sie ein Deutscher gänzlich anders, nämlich Buchstabe für Buchstabe aus. Auch senkt der Insulaner am Ende einer Frage seine Stimmfrequenz, während hierzulande die Stimme angehoben wird. Will man also ein sprechendes Programm erstellen, so muss es recht umfangreiche Informationen abhängig von der zu verwendenden Sprache erhalten.

Für echte Linuxer kommt eine weitere Anforderung hinzu: Das Ganze sollte kostenlos erhältlich und ebenso legal einzusetzen sein. Hervorgetan hat sich auf diesem Sektor bislang ein Projekt: der Sprachsynthesizer MBROLA [1]. Es ist zwar nicht frei (im Sinne von Open Source und GPL) erhältlich, aber doch immerhin für Privatpersonen frei von Kosten oder Beschränkungen verfügbar.

Arbeitsteilung

Das TCTS Lab der Faculté Polytechnique de Mons in Belgien bemühte sich, bei der Umsetzung Nägel mit Köpfen zu machen: MBROLA ist Teil eines modular aufgebauten und ausgeklügelten Baukastens, mit dem praktisch alle Anforderungen rund um die synthetische Stimme erfüllt werden können. Wer tief in die Materie einsteigt, kann seinen Rechner beispielsweise selbst Lieder trällern lassen. Allerdings verlangen zunehmende Funktionalität und Modularität auch mehr und mehr Entscheidungen von Seiten des Users, was – typisch für Unix-Software – oftmals in (scheinbar) kryptischer Bedienung mündet.

Macht man sich jedoch einmal die Mühe, den Aufbau einer solchen Befehlsfolge zu verstehen, scheint sie am Ende doch wieder ganz simpel. Und so nähern wir uns in diesem Artikel schrittweise unserem Ziel. Grundvoraussetzung ist eine fix und fertig eingebundene Soundkarte, über die erfolgreich Sound-Dateien ausgegeben werden können.

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LinuxUser 06/2012

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