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K-splitter

01.04.2002

Neue Programme, neue Icons und neue Argumente in der Auseinandersetzung zwischen Open-Source-Projekten und Windows um die Vorherrschaft auf dem Desktop sorgen für einen heißen April.

Nachwuchs in der KDE-PIM-Familie

Eine Weile sah es ganz so aus, als ob es sehr ruhig würde um die KDE-Entwickler der PIM- (oder besser gesagt "Personal Information Management"-) Gilde. Doch erfreulicherweise hat sich das in der Post-KDE-2.2.2-Ära geändert. Über den aktuellen Stand der zahlreichen Projekte können Sie sich auf den permanent erweiterten Entwicklungsseiten unter http://pim.kde.org/ informieren, einen kleinen Einblick hinter die Kulissen finden Sie unter http://pim.kde.org/development/work_in_progress.php. Aber nicht nur die Kernapplikationen des PIM-Projekts werden derzeit vorangetrieben, sondern auch Third-Party-Entwicklungen.

Bestes Beispiel ist das jüngst veröffentlichte LDAP-Administrationstool KDirAdm (Abbildung 1) von Carillon Information Security. Unter http://www.carillonis.com/kdiradm/ können sich Interessierte seit Kurzem bereits die zweite Version des Verwaltungswerkzeugs für den populären Verzeichnisdienst herunterladen. Ein wenig Vorsicht ist dabei jedoch geboten: Die derzeitige Version unterstützt noch keine Shadow-Passwörter. Da das Tool darüber hinaus auch kein LDAP via SSL zulässt, können alle Passwörter, die Sie mit KDirAdm setzen oder nachschauen, sehr leicht über einen zwischengeschalteten Sniffer belauscht werden.

Abbildung 1

Abbildung 1: KDirAdm bietet Hilfe beim Verzeichnisdienst

Besonders interessant für die Fans von Taschencomputern ist eine zweite Neuerscheinung. KDE Pocket PC Contacts Import 0.2 (Abbildung 2) ermöglicht es Ihnen, ganz locker per Mausklick all Ihre in einem Windows-CE-PocketPC gespeicherten Kontakte ins KDE-eigene Adressbuch Kab zu importieren. Die aktuelle Version des nützlichen Adress-Importeurs finden Sie unter http://www.jardino.nildram.co.uk/.

Wer glücklich alle Kontakte inklusive Telefonnummern in seinem KDE-Adressbuch abgespeichert hat, mag sich vielleicht noch Kall (Abbildung 3) anschauen (http://ftp.kde.com/Communications/Telephony/Kall/). Dieses kleine Tool wählt für Sie per Mausklick die Nummern im Adressbuch an. Wer mag, kann darüber hinaus die wichtigsten Telefonnummern aus Kab per Drag&Drop auf den Desktop ziehen, um sie dort griff- oder besser gesagt klickbereit zu haben.

Abbildung 2

Abbildung 2: Doppelt abgespeichert hält länger

Abbildung 3

Abbildung 3: Sofort Anschluss unter dieser Nummer

Argumentativ

In die laufende Diskussion im Antitrust-Prozess gegen Microsoft hat sich jetzt auch die KDE League eingeschaltet. In einem Kommentar an die zuständige Richterin Colleen Kollar-Kotelly warnte Andreas Pour, Vorsitzender der KDE League, davor, dass sich Bill Gates & Co. im Falle einer Abmachung mit dem US-Justizministerium noch weniger als zuvor an die Spielregeln der Marktwirtschaft halten würden.

Pour macht in seinem Schreiben deutlich, dass insbesondere KDE nach einer "verwässerten" Entscheidung ohne Urteil schutzlos der Monopolmacht Microsofts ausgeliefert wäre und die Redmonder alles daran setzen würden, "den unter Dampf stehenden KDE-Zug mit unlauteren Mitteln zum Entgleisen zu bringen". Besonders bezeichnend ist für ihn, dass die US-Regierung alle Gespräche über einen Schutz von KDE schon im Vorfeld abgelehnt hat. Dabei hätte gerade KDE in jüngster Zeit bewiesen, dass man auf dem Markt der Betriebssystem-Interfaces der schärfste Konkurrent von Windows-Desktop-Systemen sei. Der komplette Brief findet sich unter http://www.usdoj.gov/atr/cases/ms_tuncom/major/mtc-00028788.htm, alternativ können Sie ihn auch als PDF-Datei herunterladen (http://www.kde.com/league/kde_league_objection.pdf).

Abbildung 4

Abbildung 4: Andreas Pour (rechts außen) im Kreis der KDE-Entwickler Jason Katz-Brown, Kurt Granroth, Jim Blomo und Waldo Bastian (von links)

Augenschmaus

Funktionalität hin oder her – wer lange und oft an seinem Computer arbeitet, will auch was fürs Auge haben. Eine der schönsten Computer-Nebensachen der Welt sind Icons. Sollten auch Sie zu den Anhängern der bunten Symbole gehören, können Sie sich schon jetzt auf das endgültige Release der neuen KDE-3.0-Version freuen: Eine zweite Beta war zu Redaktionsschluss unter ftp://ftp.kde.org/pub/kde/unstable/kde-3.0-beta2/ erhältlich, verlangt aber das gerade erst veröffentlichte Qt 3.0.2 als Grundlage.

Neben den zahlreichen Programmneuerungen haben die Entwickler kräftig am Outfit geschraubt. Derzeit wird beispielsweise fieberhaft an der Implementation von animierten Gifs bei Mouseovers gearbeitet. Aber auch die statischen Icons bekommen ein Facelifting verpasst. Federführend dabei war einmal mehr Torsten Rahn alias Tackat. In seinem engagierten Feldzug gegen das Desktop-Einerlei hat er alle Icons, die ein ASCII-Dateiformat symbolisieren, mit einem kleinen Eselsohr (Abbildung 5) ausgestattet, um so das doch eher dröge Subjekt ein wenig aufzupeppen.

Abbildung 5

Abbildung 5: Eselsohren

Künstlertreff

Gehen Ihnen die grafischen Neuerungen in KDE 3.0 noch nicht weit genug oder designen Sie Ihre Icons und Grafiken lieber selbst? Dann haben Sie vielleicht Lust, Mitglied der KDE-Art-Familie zu werden. Ihre Motiv-Vorschläge senden Sie in dem Fall bitte an die Adresse icons@kde.org. Finden diese den Beifall der KDEler und haben Sie vor, permanent für das Projekt tätig zu werden, erhalten Sie im nächsten Schritt einen CVS-Account. In der Regel werden alle wichtigen Änderungen zuerst auf der Mailingliste kde-artists@kde.org diskutiert. Ebenso herzlich laden die KDE-Grafiker alle interessierten Hobby-Zeichner zum gemeinsamen Chat ein. Die Gruppe trifft sich regelmäßig montags um 21:00 GMT. bei Interesse verbinden Sie Ihren bevorzugten IRC-Client mit dem Server irc.kde.org und beteiligen sich an den regen Diskussionen im Channel #kde-artists.

Glossar

LDAP

Das "Lightweight Directory Access Protocol" wurde in den frühen 90er Jahren als standardisiertes Verzeichnisdienst-Protokoll an der University of Michigan entwickelt. Das Ziel war die Vereinfachung des Zugriffs auf X.500-Verzeichnisse, daher auch das "leichtgewichtig" im Namen. Dieses Protokoll bietet einen Standard für die Kommunikation mit Datenhaltungssystemen im Internet. Per LDAP können beispielsweise E-Mail-Verzeichnisse wie Bigfoot und Four 11 nach E-Mail-Adressen oder Personennamen durchsucht werden.

ASCII

"American Standard Code for Information Interchange", zu deutsch "Amerikanische Standarddarstellung für den Austausch von Informationen". Der ASCII-Standard hat sich in den 60er Jahren zur Zeit der Datenübertragung mittels Telex entwickelt. Für jedes Zeichen gibt es einen Zahlencode, der es ermöglicht, zwischen verschiedenen Systemen Texte auszutauschen. Mit sieben Bit erfasst der ASCII-Code zunächst aber nur das "einfache" lateinische Alphabet und Steuerungscodes (insgesamt 128 Zeichen), die beispielsweise für die Druckersteuerung benötigt werden. Nicht berücksichtigt sind nationale Sonderzeichen wie deutsche Umlaute oder das "ß", die erst im erweiterten ASCII-Code enthalten sind, der auf einer 8-Bit-Struktur aufbaut.

IRC

Das Akronym steht für "Internet Relay Chat" und bezeichnet einen lockeren Verbund von Servern, der es seinen Benutzer(inne)n gestattet, sich in so genannten Channels (Kanälen) zu treffen, um sich schriftlich und in Echtzeit zu unterhalten. Alle, die sich in einen Channel eingeklinkt haben, können all das sehen, was andere Leute in diesem Kanal so von sich geben.

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