Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

letzten Monat habe ich auf das Bundestux-Projekt aufmerksam gemacht, das mit einer Unterschriftenaktion die Abgeordneten dazu motivieren wollte, sich für den breiten Einsatz von Linux im Bundestag zu entscheiden. Der Stand der Dinge zum Redaktionsschluss lässt sich schön in den Worten Chance vertan zusammenfassen: Der vermutliche Ausgang des Verfahrens besteht in der Einführung von Linux-Servern für den Mail-Verkehr; die Workstations der Abgeordneten und Mitarbeiter werden von Windows NT 4 auf XP aufgerüstet. In einem Interview des ZDF-Nachrichtenmagazins heute mit Uwe Küster, Vors. der Kommission für Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) des Ältestenrates, berichtete dieser bereits ab 23. Februar, dass ca. 150 Server auf Linux und etwa 5000 Workstations auf XP umgerüstet werden.

Damit bestätigt sich wieder die klassische Sicht der vielen Unternehmensberatungen, IT-Sachverständigen und sonstigen wohlinformierten Fachleute, die seit Jahren unverändert tönen: "Linux ist ein prima Server aber eine üble, unzumutbar komplex zu bedienende Workstation." - Welches Jahr schreiben wir eigentlich? Es ist ja nicht so, dass man bei Einsatz von Linux gezwungen wäre, im reinen Textmodus Briefe im vi zu schreiben oder auf einem Schwarz-Weiß-Grafikmonitor mit dem twm als Window Manager zu arbeiten. Woher kommt bloß die Vorstellung, dass ein Linux-System auf dem Desktop unkomfortabel sei? (Warum braucht es bei Windows eigentlich einen Doppelklick? Warum kann ein Word-Dokument nicht mehr geöffnet werden, wenn es von hmpf.doc nach hmpf.mydoc umbenannt wird? Warum kann ich mich nicht über das Netzwerk auf der Windows-Workstation des Büronachbarn einloggen, um schnell ein nur bei ihm installiertes Programm zu starten? Ist das Komfort?)

Nun ja, Anlass der Aufrüstaktion war ja, dass Mircosofts Support für NT-Systeme im Jahr 2003 ausläuft. Bis auch das in Zukunft eingesetzte XP der Support-Tod ereilt, werden ein paar Jahre ins Land gehen - dann wird sich die Open-Source-Frage erneut stellen.

Multimedial

In dieser Ausgabe zeigt sich der LinuxUser mal wieder von seiner multimedialen Seite: Im Schwerpunkt beschäftigen wir uns mit interessanten Aspekten des Themas "Audio/Sound", und die Rubrik Anwendungen bietet einen Workshop zu den Tools dvd::rip und transcode, mit denen Sie Filme von DVD kopieren, ins DivX4-Format wandeln und auf CD brennen können.

Mal wieder ins Web

Apropos multimedial: Ich werde nicht müde, mit schöner Regelmäßigkeit in den Editorials auf unsere Web-Seite hinzuweisen. Sowohl der LinuxUser als auch die Schwesterzeitschrift Linux-Magazin stellen alle Ausgaben, die älter als ein Jahr sind, vollständig ins Netz. Zieht man die Inhalte von www.linux-user.de und www.linux-magazin.de zusammen, kommt einiges an Know-how und Information zusammen. Beide Web-Seiten sind über eine Suchmaschine volltext-indiziert, so dass Sie Artikel spielend finden.

Auf unseren Web-Seiten darf auch gefragt und diskutiert werden: Wenn Sie die Startseite des User aufrufen und dann auf Forum klicken, können Sie sich mit anderen LinuxUser-Lesern austauschen. Noch interaktiver ist natürlich die Linux Community, das News-Forum, das von beiden Redaktionen (User und Magazin) gemeinsam betreut wird. Die Community erreichen Sie ganz einfach per Mausklick von unserer Startseite oder direkt über www.linux-community.de.

Nun viel Spaß bei der Lektüre des 23. LinuxUser,

Hans-Georg EßerChefredakteur http://www.heute.t-online.de/ZDFheute/artikel/0,1251,COMP-0-178460,00.html

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