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Debian Description Translation Project

01.04.2002 Englisch ist in der Computer- und damit auch in der Linux-Welt die Sprache Nummer 1. Benutzer, die der englischen Sprache nicht mächtig sind, haben teilweise große Nachteile: Oft verstehen sie nur "Bahnhof". Das Debian Description Translation Project hat sich zum Ziel gesetzt, solche sprachlichen Hürden zu überwinden.

Projekte wie manpages-de [1] und diverse Linux User Groups haben es sich zur Aufgabe gemacht, aktuelle Meldungen rund um den Linux-Kernel, die Dokumentationen von verschiedenen Programmen oder einfach nur Manpages und Benutzerhandbücher zu übersetzen. Auch das Debian-Projekt [2] verfügt über eine solche "Dolmetscherabteilung": Michael Bramer rief im Jahr 2001 das sogenannte Debian Description Translation Project, kurz DDTP, ins Leben und übersetzt seitdem mit mehr als 200 freiwilligen Helfern die Beschreibungen der Debian-Pakete in andere Sprachen, z. B. deutsch, französisch, italienisch, japanisch usw.

So funktioniert's

Das DDTP besteht im Wesentlichen aus drei Teilen: dem Debian Description Translation Server (DDTS), den Übersetzern und den Lektoren, die die Übersetzungen überprüfen, bevor sie veröffentlicht werden. Der DDTS ist dabei das zentrale Kommunikationsmedium: Er archiviert und verwaltet die verschiedenen Paketbeschreibungen. Debian-Pakete haben unterschiedliche Prioritäten ("required" - werden für ein lauffähiges System benötigt, "important" - sollten auf jedem Unix-System vorhanden sein, "standard" - Standard auf Linux-Systemen, "optional" - können installiert werden und "extra" - entweder besteht ein Konflikt mit anderen Paketen, oder es ist so speziell, dass es nicht anders eingeordnet werden kann), die z. B. von Tools wie dselect (Benutzeroberfläche für den Paket-Manager dpkg) ausgewertet werden können. Diese Unterteilung in verschiedene Sektionen dient auch als Anhaltspunkt für die Übersetzer. So wird beispielsweise die Beschreibung eines Paketes, das zur Prioritätsstufe "required" gehört, eher übersetzt werden als die Beschreibung eines Paketes, das als Prioritätsstufe nur "optional" hat.

Die Übersetzer leisten den größten Beitrag zum Projekt: Sie lassen sich vom DDTS die englischen Originaltexte der Beschreibungen per E-Mail senden, fertigen die Übersetzung an und schicken diese, wiederum per E-Mail, zurück an den Server. Um zu verhindern, dass qualitativ schlechte oder fehlerhafte Übersetzungen der Paketbeschreibungen in die DDTS-Datenbank einfließen, gibt es Lektoren, die sich die Übersetzungen vom Server zuschicken lassen, durchlesen und auf Fehler aller Art (Grammatik, Rechtschreibung, Inhalt) testen. Die überprüften und eventuell korrigierten Übersetzungen werden vom DDTS mit der Originalübersetzung verglichen. Werden Unterschiede festgestellt, schickt der Server eine Nachricht an den Übersetzer, der dann die Möglichkeit hat, den Text nochmal zu korrigieren. Sind die vom Übersetzer und die vom Lektor eingeschickten Texte identisch, "merkt" sich der DDTS, dass der Lektor mit der Übersetzung einverstanden war. Wenn drei verschiedene Lektoren mit einer Übersetzung einverstanden sind, werden die Texte automatisch in einer Datenbank des Servers abgespeichert.

Sollte sich die Originalbeschreibung eines Paketes einmal geändert haben, so informiert der DDTS den Übersetzer automatisch über die Änderungen. So wird erreicht, dass die Übersetzungen der Paketbeschreibungen ständig auf dem aktuellen Stand sind.

Das eigene System anpassen

Wenn Sie die übersetzten Paketbeschreibungen nutzen möchten, fügen Sie in die Datei /etc/apt/sources.list die Zeile deb ftp://ftp2.de.debian.org/debian-ddtp de/potato main ein. Sollten Sie eine andere Debian-Version verwenden, ersetzen Sie einfach woody durch potato oder sid. Alle anderen Einträge für main müssen mit einem # auskommentiert oder ganz entfernt werden. Um eine aktuelle Liste der Pakete zu erhalten, führen Sie als root den Befehl apt-get update aus. Eventuell muss beim nächsten Start von dselect noch ein zusätzliches Update (unter Punkt 1) durchgeführt werden, um die deutschen Paketbeschreibungen nutzen zu können. Wollen Sie stattdessen lieber mit apt auf der Kommandozeile arbeiten, können Sie die übersetzten Texte mit dem Aufruf apt-cache show paketname lesen.

Bei ihrer Arbeit können die Mitwirkenden des Debian Description Translation Project große Erfolge verbuchen: Allein in der Zeit vom 31.12.2001 bis zum 11.02.2002 sind mehr als 1000 Paketbeschreibungen ins Deutsche und seit Beginn des Projektes über 20000 Texte insgesamt übersetzt worden. Doch das DDTP-Team ruht sich auf seinen Erfolgen nicht aus - für die Zukunft sind große Dinge geplant: So sollen später auch die Debian-eigenen Manpages und Dokumentationen in diverse Sprachen übersetzt werden, so dass eventuell auch andere Projekte darauf zurückgreifen können.

Wer das Team unterstützen möchte, findet entweder auf der Homepage des Projektes [2] Informationen oder kann eine Mail an den Projektleiter Michael "grisu" Bramer http://(grisu@debian.org) schicken.

Abbildung 1: dselect mit deutschen Paketbeschreibungen

Infos

[1] http://www.infodrom.org/projects/manpages-de/ - Deutsche Manpages

[2] http://www.debian.org - Debian Homepage

[3] http://ddtp.debian.org - die DDTP Website

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