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Spiel, Satz und Sieg

Brahms – Notensatz und Sequencer

01.04.2002

Musik komponieren, bearbeiten, drucken und abspielen: Das Sequencer- und Notensatz-Programm Brahms hilft bei allen Schritten der Computer-Musik. Mit seiner KDE-Oberfläche ist Brahms einfach zu bedienen und führt schnell zum Erfolg.

Das Brahms-Projekt verbindet mehrere Bereiche der computergestützten Musik. Als Sequencer kann Brahms Musik lesen, bearbeiten und wieder abspielen. Ein Musikstück liegt dabei nicht mit seiner gesamten Audio-Information vor wie etwa bei aiff- oder wav-Dateien, sondern als Abfolge von einzelnen Klangereignissen. Das gängige Format hierfür ist MIDI. Brahms arbeitet mit diesen abstrakten Noten, die es über die MIDI-Schnittstelle ausgegeben und somit zu wohlklingender Musik zusammensetzen kann.

Zusätzlich enthält Brahms ein umfangreiches Notensatzsystem. Für die heutige Partiturnotation reicht das MIDI-Format nicht aus. Im Brahms-eigenen Format (in XML geschrieben) haben Noten zusätzliche Attribute für die exakte Darstellung, zum Beispiel

doppelte Alteration (x und bb), Gruppierung, Tuplet-artigkeit sowie Verzierungen durch zahlreiche Symbole wie Bindebögen, Triller, (De-) Crescendi und viele weitere. Schließlich kann Brahms das Musikstück auch in ein druckbares Format bringen.

Warum Brahms entstand

Bevor die Entwicklung von Brahms begann, waren nur wenige Notensatz- und Sequencing-Programme für Linux zu finden. Diese befanden sich in unterschiedlichen Stadien und waren zum Teil hoch spezialisiert, wiesen aber allesamt einen wichtigen Mangel auf: Es fehlten Schnittstellen zur Erweiterung der Funktionalität. In der Folge entwickelten zahlreiche Projekte ihr eigenes Notensatzsystem, obwohl ihr eigentliches Ziel viel enger gefasst war (zum Beispiel Forschungsprojekte mit sehr spezieller Aufgabenstellung). Aus dieser Not heraus entstand 1998 das Brahms-Projekt mit dem Ziel, eine Musikplattform zu bieten. Brahms sollte die gängigen Anforderungen an ein Musiksystem beherrschen und über eine geeignete Schnittstelle im Funktionsumfang beliebig erweiterbar sein.

Dem geschulten Auge wird nicht entgehen, dass an der einen oder anderen Stelle Parallelen zu einem bekannten Produkt aus der Welt proprietärer Systeme auftreten, das ursprünglich auch als Inspiration diente. Inzwischen hat Brahms einen eigenen Weg eingeschlagen, der Umstieg fällt aber recht leicht.

Musik mit Brahms schreiben

Brahms ist wie eine mehrspurige Bandmaschine aufgebaut, die als größte Datenstruktur ein Musikstück (song) bearbeitet. Neben allerlei magischen Knöpfen und Schaltern teilt sich das Hauptfenster im Wesentlichen in zwei Teile: Links sind die Tonspuren (tracks) zeilenweise dargestellt.

Jede Tonspur kann aus einem oder mehreren Abschnitten (parts) bestehen. Die zu einer Spur gehörenden Abschnitte sind auf der rechten Seite nebeneinander angeordnet. Ganze Tonspuren oder einzelne Abschnitte lassen sich durch zahlreiche Attribute manipulieren (siehe Abbildung 1), beispielsweise kann die Tonhöhe oder die Lautstärke einer gesamten Tonspur variiert werden. Die Tonspur kann einem Instrument und einem Ausgang zugewiesen sein, sie lässt sich aber auch stumm schalten.

Abbildung 1: Das Hauptfenster stellt links die Tonspuren und rechts die Abschnitte dar

Die eigentlichen (Klang-) Ereignisse (events) finden sich in den Abschnitten einer Tonspur wieder. Alle Ereignisse besitzen eine Startposition innerhalb ihres Abschnitts und eine Dauer. Wer sich im Notensatz auskennt wird vermutlich die Pausen vermissen – diese lassen sich aber aus den Notenpositionen und -Längen berechnen, Brahms ergänzt sie automatisch.

Die verschiedenen Typen von Ereignissen (etwa Notes, MasterEvents und AudioEvents) sind den Abschnitten verschiedener Tonspur-Typen zugeordnet (entsprechend ScoreTracks, MasterTracks und AudioTracks). Für die verschiedenen Spur-Arten sind spezielle Editoren vorgesehen.

Brahms-Erweiterungen (Addons) können zusätzliche Ereignis-Typen und neue Tonspur-Typen definieren. Ein gutes Beispiel dafür ist das RiemannAddon, das ein Musikstück funktionstheoretisch untersucht: Es erzeugt einen HarmonyTrack und füllt ihn mit RiemannEvents. Diese neuen Events beschreiben die harmonische Situation des Stücks zu verschiedenen Zeiten.

Über den Tonspuren und Abschnitten befinden sich im Hauptfenster einige Toolbars. Diese enthalten alle wesentlichen Funktionen wie Play und Stop sowie das Setzen der Position, des Tempos und der Taktart. Dazu kommen ein mehrstufiges Undo und Redo, die üblichen Operationen zum Kopieren, Ausschneiden und Einfügen sowie zwei weitere Modi zum Zerschneiden und Verkleben von Abschnitten. Das Menü bietet noch weitere Funktionen, etwa Import und Export von MIDI-Dateien,

Mixdown eines Musikstücks, Nachladen von Addons sowie das Fenster mit den globalen Einstellungen (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: In den Preferences lassen sich globale Einstellungen vornehmen

What you see is what you hear

Jede eingegebene Noten gibt Brahms sofort klanglich wieder. In den Einstellungen der Tonspuren lassen sich das MIDI-Instrument sowie der Ausgabekanal wählen.

Die beiden Play-Schaltflächen im Hauptfenster spielen das aktuelle Werk ab. Der eine Schalter gibt den markierten Bereich wieder (die Markierung befindet sich oberhalb des Abschnitt-Feldes). Die zweite Play-Taste spielt das gesamte Werk.

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