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Guter Ton ohne X

out of the box

Stimmgabel

Über die Datei .mp3blasterrc in Ihrem Home-Verzeichnis nehmen Sie individuelle Anpassungen im Erscheinungsbild und Verhalten von mp3blaster vor. Auch hier hilft ein Blick in die Manpage weiter. Außer Farbgebung und Tastaturbelegung können Sie beispielsweise noch ein paar Spezialfeatures einschalten. So zeigt das Programm durch die Angabe

File.ID3Names = yes

im Dateiauswahlmodus zusätzlich die ID3-Tags der Songs an, wenn Sie die Anzeige mit [ f ] Toggle File Display umschalten. Zum Setzen und Anschauen dieser Tags bringt mp3blaster übrigens das eigenständige Programm mp3tag mit (Abbildung 3).

Die für diesen Artikel verwendete Konfigurationsdatei finden Sie übrigens unter dem Namen mp3blasterrc-LU auf der Heft-CD. Einen Konfigurationseintrag für den blauen Hintergrund suchen Sie darin allerdings vergebens: Er ist auf das – vor dem mp3blaster-Aufruf eingegebene – Kommando setterm -background blue -store zurückzuführen.

Abbildung 3: MP3-Tags im Griff

Music on boot

Sie wollten sich den Boot-Vorgang Ihres Rechners schon immer mal von Musik untermalen lassen? Abenteuerlustige haben die Möglichkeit, mp3blaster ohne Login direkt beim Hochfahren des Linux-Systems starten zu lassen. Wir bedienen uns dazu der Datei /etc/inittab, die die grundlegende Konfiguration von enthält.

Da die ersten sieben Textkonsolen bei gängigen Distributionen durch Login-Prompt und X-Server belegt sind, verwenden Sie für Ihren MP3-Player die achte Konsole /dev/tty8. Dazu tragen Sie die Zeile

M8:2345:respawn:/usr/local/bin/mp3blaster </dev/tty8 >/dev/tty8

als root in die /etc/inittab ein. Sie sorgt dafür, dass der Player beim Booten startet und nach Beenden mit q sofort wieder neu aufgerufen wird (respawn). Ein Schönheitsfehler stört allerdings noch: Das Programm wird – sicherheitstechnisch bedenklich – mit root-Rechten gestartet. Schnelle Abhilfe schafft hier das Setzen des SUID-Bits und das Übereignen der Datei /usr/local/bin/mp3blaster an den User nobody:

chown nobody.nogroup /usr/local/bin/mp3blaster
chmod 6755 /usr/local/bin/mp3blaster

Jetzt wird mp3blaster grundsätzlich mit den Rechten des (unprivilegierten) Users nobody ausgeführt, was unerlaubtes Schreiben in Systemverzeichnisse verhindern sollte.

Glossar

Textkonsole

Parallel zur grafischen Oberfläche (X) laufen auf einem Linux-System üblicherweise auch mehrere Konsolen im Textmodus. Von laufendem X aus erreichen Sie diese mit [Strg-Alt-F1] bis [F6]. Zurück zu X kommen Sie bei den meisten Distributionen mit [Alt-F7].

tar

Der "tape archiver", das Standard-Archivierungsprogramm unter Unix. Mit ihm werden ganze Verzeichnisstrukturen zu einer einzelnen Datei verschmolzen, die z. B. auf Magnetband (daher der Name) geschrieben oder komprimiert werden kann.

ncurses

Eine Bibliothek zur terminalabhängigen Ausgabe von Text und Steuersequenzen zur Cursor-Positionierung, Farbumschaltung etc. Sie löst die ältere Termcap-Bibliothek ab.

Header-Dateien

In Header- oder Include-Dateien sind die in einer Bibliothek verfügbaren Funktionen nebst Parametern aufgelistet. Der C(++)-Compiler braucht diese Information beim Übersetzen eines Programms. Bei den gängigen Distributionen enthält ein Header-Paket zu einer Bibliothek üblicherweise den Zusatz "dev" oder "devel" im Namen.

configure-Skript

Dient zum automatischen Auswerten von Eigenschaften des Systems, auf dem ein Quelltext kompiliert werden soll. So findet configure z. B. selbstständig heraus, welcher C(++)-Compiler installiert ist. Mit Hilfe dieses Werkzeugs ist es möglich, plattformübergreifend geschriebene Software auf verschiedenen (meist Unix-) Systemen zu kompilieren, ohne per Hand Änderungen vornehmen zu müssen.

Manpage

Linux besitzt wie alle Unix-Systeme eine Art Online-Referenzhandbuch für die installierten Programme. Diese Hilfe wird mit "man programmname" aufgerufen, z. B. "man mp3blaster".

Home-Verzeichnis

Das persönliche Heimatverzeichnis eines Benutzers. Darin landet er nach erfolgreicher Anmeldung oder mit dem Kommando cd (ohne weitere Parameter).

ID3-Tags

Ein kleines Datenanhängsel für MP3-Dateien, in dem sich zusätzliche Informationen wie Erscheinungsjahr, Musikgenre etc. speichern lassen. Viele MP3-Spieler werten diese Information aus und können sie darstellen.

init

Dieses Programm wird beim Booten als erstes vom Kernel gestartet und übernimmt den restlichen Initialisierungsvorgang. Üblicherweise sorgt es dafür, dass auf den Textkonsolen die getty-Prozesse laufen, die für die Login-Prompts sorgen.

SUID

Das "Set User ID"-Bit. Ist dieses in den Rechten einer ausführbaren Datei gesetzt, so wird sie grundsätzlich mit den Zugriffsrechten ihres Besitzers ausgeführt. Aus Sicherheitsgründen hat das SUID-Bit bei Shell-Skripten keine Wirkung.

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