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Guter Ton ohne X

out of the box

01.03.2002 Haben Sie noch einen alten Rechner mit 16 MB RAM und Pentium-100-Prozessor in der Ecke stehen? Wenn Sie diesem eine von Linux unterstützte Soundkarte spendieren, wird mit mp3blaster ein schlanker MP3-Player daraus.

out of the box

Es gibt tausende Tools und Utilities für Linux. "out of the box" pickt sich die Rosinen raus und stellt pro Monat ein Progrämmchen vor, das wir für schlichtweg unentbehrlich oder aber zu Unrecht wenig beachtet halten.

So schön XMMS mit seinen diversen grafischen Effekten und Ausgabe-Plugins auch ist, so viel Ballast schleppt es in Form von Bibliotheksabhängigkeiten mit sich. Neben dem X-Window-System muss eine Vielzahl zusätzlicher Dateien installiert sein. Für mp3blaster von Bram Avontuur reicht dagegen die Textkonsole aus, die eine durchaus übersichtliche Anzeige ermöglicht.

Partitur

Wer mp3blaster selbst kompilieren will, muss sich von http://www.stack.nl/~brama/mp3blaster/ (oder von der Heft-CD) den Quelltext als komprimiertes tar-Archiv besorgen. Ferner sollten Sie den GNU-C++-Compiler g++, die ncurses-Bibliothek sowie die nötigen Header-Dateien installiert haben.

Dank configure-Skript gibt es beim Kompilieren der mp3blaster-Quellen nicht viel zu tun:

tar xzf mp3blaster-3.0.tar.gz
cd mp3blaster-3.0
./configure
make
su  (root-Passwort eingeben)

make install-strip
exit

Dirigent

Hat alles geklappt, befindet sich das ausführbare Programm im Verzeichnis /usr/local/bin; weitere Dateien gelangen beim make install-strip ins Verzeichnis /usr/local/share/mp3blaster. Von dort kopieren Sie die Beispielkonfiguration sample.mp3blasterrc_for_x mit dem Kommando

cp /usr/local/share/mp3blaster/sample.mp3blasterrc_for_x ~/.mp3blasterrc

in Ihr Home-Verzeichnis. Über diese Datei lässt sich das Programm anpassen, was wir später ausnutzen werden. Der Unterschied zwischen den Beispielkonfigurationen sample.mp3blasterrc und sample.mp3blasterrc_for_x besteht darin, dass letztere größtenteils auf den Einsatz von Funktionstasten verzichtet, die leider nur in der Textkonsole, nicht aber in einem X-Terminal funktionieren.

Geben Sie nun mp3blaster als Shell-Kommando ein. Ihr neuer Konsolen-MP3-Player meldet sich zunächst im Playlist-Modus (Abbildung 1). Mit [ 1 ] Select Files wechseln Sie in den Dateiauswahl-Modus (Abbildung 2) und auch wieder zurück zur Abspielliste.

Abbildung 1: Playlist-Modus

Abbildung 2: Dateiauswahlmodus

Diese beiden Modi stellen alle Bedienelemente des Players zur Verfügung. Im Playlist-Modus steuern Sie das Abspielen (Tasten [p],[s],[ 4 ] und [ 6 ]) und Anordnen ([Leer],[M] und [m]) der Playlist, während der Dateiauswahl-Modus es überhaupt erst erlaubt, eine Abspielliste zusammenzustellen.

Unabhängig vom Modus teilt sich die Anzeige vertikal in vier Bereiche auf. Von oben nach unten sind dies eine Hilfe zu den Tastenfunktionen, eine Information zum Spielmodus (Playlist) bzw. zur Sortierung (Dateiauswahl), die Angabe der aktuellen Gruppe (dieser Begriff bezeichnet eine Zusammenfassung mehrerer Songs) im Playlist-Modus oder des "Arbeitsverzeichnisses" (Dateiauswahl) sowie die momentan laufende MP3-Datei. Die dreigeteilte Spalte auf der rechten Seite wiederum besteht aus Angaben über die Art der MP3-Datei und den Spielmodus für die aktuelle Gruppe sowie einem kleinen Mixer.

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LinuxUser 06/2012

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