Unterstützung für Menschen

Beim Einsatz älterer Hardware kann es zu Problemen kommen, denn nicht jeder weiß, wie er beispielsweise eine ISA-Netzwerkkarte genau konfigurieren muss. Hier hilft die fli4l-Dokumentation weiter, die schrittweise sämtliche Konfigurationsparameter erklärt. Insgesamt umfasst sie ca. 150 Druckseiten. Sie liegt sowohl in Text- als auch in HTML-Form dem jeweiligen Paket bei und ist außerdem unter http://www.fli4l.de/german/extern/docu/portal.html verfügbar.

Doch gerade, wer sich vorher nie mit Networking beschäftigt hat, vermisst darin womöglich die Lösung des einen oder anderen Konfigurationsproblems. Für solche Problemfälle steht unter http://www.fli4l.de/german/probformular.htm ein Problem-Report-Formular zur Verfügung. Das fli4l-Support-Team kann dann meistens weiterhelfen. Dem Erfahrungsaustausch dienen die fli4l-Newsgroups auf dem Server news.spline.de oder eine Mailingliste (http://www.fli4l.de/german/mailingl.htm). Hier helfen mittlerweile Tausende von fli4l-Benutzern weiter, geben nützliche Tipps oder diskutieren neue Software-Module.

Zukünftige Entwicklung

Die weitere fli4l-Entwicklung konzentriert sich wieder mehr auf eigentliche Routing-Anwendungen, z. B. die Integration von QOS, den Aufbau von VPNs über das Internet und einfachere Konfiguration für Kabelmodem-Anschlüsse, bei denen die IP-Adresse über DHCP vom Provider aus bereitgestellt wird.

Weitere Server-Dienste zu integrieren ist nicht geplant, ganz im Gegenteil. Allerdings verwenden viele Anwender fli4l auch als File-, HTTP- und FTP-Server. Um diesem Dilemma zu entkommen und eine Alternative anzubieten, entstand ein neues Projekt EIS/FAIR [8]. Dabei handelt es sich um einen einfach zu installierenden und konfigurierenden Internet-/Intranet-Server, den man im lokalen Netz (vom Internet aus gesehen also hinter einen Router wie fli4l) platziert und damit ein großes Sicherheitsrisiko umgeht. EIS/FAIR wiederum ist sehr einfach – sogar noch einfacher als fli4l – zu konfigurieren und – im Gegensatz zu gängigen Distributionen – vor allem überschaubar. Zum Betrieb benötigt man jedoch eine Festplatte oder eine Compact-Flash-Karte, die allerdings nur 30 bis 60 MB groß sein muss. Im Moment ist noch alles im Aufbau und lediglich eine Beta-Version verfügbar. Die erste stabile Version von EIS/FAIR sollte aber noch im Februar erscheinen.

Kasten 2: Installation …

Ist das Basispaket fli4l-2.0.tar.gz erst einmal mit

tar -xvfz fli4l-2.0.tar.gz

entpackt, findet sich u. a. in der Datei fli4l-2.0.1/doc/deutsch/text/readme.txt eine ausführliche, aber auch etwas unübersichtliche Anleitung zur weiteren Vorgehensweise.

Sollen zusätzliche Pakete zum Einsatz kommen, wechselt man ins fli4l-2.0.1-Verzeichnis und packt sie von dort aus aus. Wenn Sie die Heft-CD unterhalb von /mnt/cdrom in Ihr lokales Dateisystem eingehängt haben, lautet der entsprechende Befehl für das DSL-Zusatzpaket (nötig, wenn Sie fli4l als DSL-Router einsetzen möchten)

tar -xvfz /mnt/cdrom/LinuxUser/fli4l/dsl.tar.gz

Im config-Unterverzeichnis finden Sie nun neben der grundlegenden Konfigurationsdatei base.txt eine zweite namens dsl.txt; fli4l-2.0.1/doc/deutsch/opt/dsl.txt gibt Hilfestellung zum neuen Paket. Die Daten des Moduls selbst wurden ins Subdirectory opt kopiert.

Hat man sämtliche Funktionalität beisammen, gilt es, die Angaben in den config-Dateien anzupassen. In der Grundkonfiguration in base.txt legt man den Hostnamen des Routers, ein Zugangspasswort, den zu benutzenden Ethernet-Treiber, IP-Adresse, Netzmaske, Gateway u. ä. fest. Die Teilnehmerrechner am lokalen Netz, für die der Router Name-Server spielen soll, definiert man im Abschnitt Domain configuration. Die Variable MASQ_NETWORK enthält das Netzwerk, das es zu maskieren gilt, in der Schrägstrich-Schreibweise, bei der vor dem / die Netzwerkadresse, nach dem Slash die Anzahl Einsen in der binären Netzwerkmaske (vgl. Kasten 2 Seite 26) steht. Bei einer Netmask 255.255.255.0 (binär 11111111.11111111.11111111.00000000) steht hinter dem Slash also eine 24. Alle Optionen sind ausführlich in der oben genannten readme.txt beschrieben.

Hat man auch die Zusatzmodule konfiguriert (Kasten 3), gilt es, eine Diskette ins Laufwerk zu legen und mit

./mkfloppy.sh

im fli4l-2.0.1-Verzeichnis die fli4l-Diskette zu erstellen, von der der Router gebootet und betrieben wird. Das Skript mkclean.sh räumt nach dem Kompiliervorgang wieder auf. (Patricia Jung)

Kasten 3: … und Konfiguration als DSL-Router

Zur Konfiguration von fli4l als DSL-Router sind nur wenige zusätzliche Einstellungen notwendig. Hier müssen lediglich einige Parameter in der Konfigurationsdatei fli4l-2.0.1/config/dsl.txt angepasst werden:

OPT_PPPOE='yes'                 # Aktivieren von DSL über PPPoE
PPPOE_NAME='T-Online'           # Name des Circuits oder ISPs
PPPOE_USEPEERDNS='no'           # Bezug der DNS-Server über den ISP
PPPOE_ETH='eth1'                # Wahl der Netzwerkkarte für PPPoE
PPPOE_USER='poweruser'          # Benutzerkennung für die Anmeldung
PPPOE_PASS='geheim'             # Passwort für die Anmeldung
PPPOE_DEBUG='no'                # Debugging für Problemsuche
PPPOE_HUP_TIMEOUT='600'         # Zeit, nach der die Verbindung abgebaut
                                # werden soll, wenn keine Daten fließen
PPPOE_SYNCHRONOUS='no'          # Synchrones PPPoE, normalerweise 'no'
PPPOE_CHARGEINT='60'            # Takt bei zeitabhängigen Tarifen
PPPOE_TIMES='Mo-Su:00-24:0.0:Y' # Zeitbereiche/Kosten für LC-Routing

Die meisten Einstellungen können so direkt übernommen werden. Lediglich die Benutzerkennung und das Passwort sind auszutauschen. Hat man keine Flat-Rate wie im Beispiel, kann über PPPOE_TIMES eingestellt werden, zu welchen Zeiten DSL verwendet werden soll. Auch ist die Angabe des Minutenpreises möglich, um sich vom imon-Client einen Überblick über die entstandenen Kosten zu verschaffen.

Die Konfiguration von ISDN-Circuits nach Einspielen des Pakets isdn.tar.gz ist sehr ähnlich. Hier gibt es weitere Parameter, über die man z. B. Kanalbündelung (welche auch lastabhängig oder manuell im Betrieb über den imon-Client zuschaltbar ist) und die Datenkomprimierungsart wählen kann.

Glossar

RAM-Disk

Die Emulation einer Festplatte bzw. eines Filesystems im Hauptspeicher. Vorteil: sehr schnell, da bei Zugriffen keine mechanischen Teile bewegt werden müssen, Nachteil: Daten-Verlust bei Stromausfall.

libc

Die wichtigste Programmbibliothek für Unix-ähnliche Betriebsysteme. Aktuelle Distributionen (beginnend mit Red Hat Linux 5.0 vom Dezember 1997) setzen die GNU-C-Library glibc (alias libc6) ein, die die libc5 ablöste.

IP-Masquerading

Das Routing eines oder mehrerer Netze über eine einzige IP-Adresse. Der Router muss dafür die Absenderadresse jedes ausgehenden Paketes durch seine eigene offizielle IP-Adresse ersetzen. Damit Antworten wieder zurück an den Rechner im LAN übertragen werden können, wird jede Verbindung nach "außen" in einer Liste mitgeführt.

Interfaces

Die Schnittstellen eines Computers. Gemeint sind hier konkret die Netzwerkschnittstellen, also ISDN- und Netzwerkkarten.

Monitoring und Controlling

Hier: das Aufzeichnen, Verfolgen und Steuern von Router-Verbindungen. Bei fli4l werden vom imond-Prozess jeweils Start, Dauer, übertragene Datenmenge und die Kosten jeder Provider-Einwahl protokolliert. Mittels Steuerbefehlen über imonc als Client können aber auch Verbindungen geschlossen und alternative Provider angewählt werden.

Bridging

Überbrücken zweier Netzwerksegmente. Die Segmente werden dabei zu einem größeren Netz zusammengefasst. Hubs und Switches können z. B. als Bridges wirken.

QOS

"Quality of Service". Eine Möglichkeit, Grenzwerte für Transferraten festzulegen. Damit verhindert man z. B., dass die verfügbare Bandbreite ausschließlich einem einzigen Rechner zur Verfügung steht; eine andere denkbare Anwendung wäre, interaktiven Sitzungen Vorrang vor Downloads einzuräumen.

SNMP

"Simple Network Management Protocol". Von SNMP-fähigen Netzwerkgeräten kann ein Systemadministrator mithilfe spezieller SNMP-Client-Programme übers Netz Zustandsdaten (z. B. Temperatur, Daten-Durchsatz…) abfragen und so einen Überblick darüber gewinnen, wie es in seinem Netz aussieht.

VPN

"Virtual Private Network", ein "lokales" Netz, dessen räumlich voneinander entfernte Bestandteile über das Internet oder ein anderes öffentliches Netz verbunden sind.

Infos

[1] fli4l: http://www.fli4l.de/

[2] Boot-Disk-Howto: http://www.linuxdoc.org/HOWTO/Bootdisk-HOWTO/

[3] Bernhard Rößmann: "Breites Band durch die Alpenrepublik", LinuxUser 08/2001, S. 32 f.

[4] gtk-imonc: http://userpage.fu-berlin.de/%7Ezeank/gtk-imonc/

[5] imonc für Windows: http://www.wallmeier-online.de/imonc/

[6] TrayImonc: http://home.arcor.de/robert.nitschke/

[7] ximonc: http://www.myfoo.de/xmimonc/

[8] EIS/FAIR: http://www.eisfair.org/

Der Autor

Frank Meyer ist der Gründer und Hauptentwickler des fli4l-Projektes.

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