Vom Ethernet-Ethernet- zum DSL-Router

Ende letzten Jahres wurde die Version 2.0 der fli4l-Software nochmals komplett umgekrempelt und die einzelnen Softwareanteile stark modularisiert. So braucht der Anwender nur noch diejenigen Module herunterzuladen, die er auch wirklich benötigt.

In seiner einfachsten Form ist fli4l lediglich ein Ethernet-zu-Ethernet-Router, der zwei oder mehr LANs, z. B. von zwei Abteilungen einer Firma, verbindet. Dafür installiert der Systemadministrator lediglich das fli4l-Basis-Paket. Dass diese Einfachst-Anwendung durchaus auch für Internet-Anbindungen zum Tragen kommt, zeigen die in letzter Zeit vermehrt angebotenen Kabelmodem-Anschlüsse. Außerdem gibt es einige DSL-Varianten, wo der ISP bereits einen Router inklusive einer IP-Adresse zur Verfügung stellt. Auch hier spielt fli4l seine Stärken beim Anschluss des LANs aus, da es mittels DHCP-Client und IP-Masquerading ein komplettes Netz über eine einzige offizielle IP-Adresse ans Internet anbinden kann.

Die nächstgrößere Variante ist fli4l ("Floppy ISDN for Linux") als ISDN-Router. Durch Definition sogenannter "Circuits" kann der fli4l-User mehrere Provider nutzen und so immer die günstigsten Tarife wählen. Dazu erstellt er eine einfache Tabelle, zu welcher Zeit welcher Provider angewählt werden soll. Das Least Cost Routing beschränkt sich nicht nur auf die Angabe von Uhrzeiten, es können auch spezielle Circuits für bestimmte Wochentage – zum Beispiel Wochenende – eingestellt werden. Feiertage berücksichtigt fli4l natürlich auch: Sie werden wie Sonntage behandelt.

Mittlerweile drängen Internet-Anbindungen über DSL die gute, alte ISDN-Karte immer mehr ins Abseits. Deshalb beherrscht fli4l seit über einem Jahr auch das DSL-Routing. Hier spricht fli4l nicht nur das in Deutschland übliche PPPoE-Protokoll ("Point to Point Protocol over Ethernet"), sondern auch das in Österreich und den Benelux-Ländern verbreitete PPTP ("Point-to-Point Tunneling Protocol") [3].

Interessant ist dabei, dass sich alle drei Anwendungen, nämlich Ethernet-, ISDN- und DSL-Routing kombinieren lassen. So können zum Beispiel zwei oder mehr LANs über DSL ans Internet angebunden werden, wobei die ISDN-Karte dazu dient, einem weiteren LAN über ISDN den Weg ins Netz der Netze zu ebnen. Sollte DSL einmal ausfallen, schwenkt man die Internet-Verbindung auf einfache Art und Weise von DSL auf ISDN um. Und schon geht der Surfspaß unter Berücksichtigung der LCR-Circuits weiter.

Mehr als ein Router

Aufgrund des breiten Interesses an fli4l fanden sich im Laufe der Zeit einige engagierte Entwickler zusammen, um die Möglichkeiten des "on(e) disk routers" im Team weiter auszureizen. So entwickelte Carsten Cerny den Assistenten fliwizNG für Windows-Anwender (Abbildung 1), mit dem die Konfiguration über die grafische Oberfläche sehr einfach vonstatten geht. Linux-User dürften sich von den Konfigurationsdateien in Textform weniger abschrecken lassen.

Abbildung 1: Windows-Anwender konfigurieren fli4l über den Assistenten fliwizNG

Ein Router mag in erster Linie dazu dienen, Pakete von einem Netz in ein anderes zu schaufeln. Doch mancher Einwahlversuch, etwa aufgrund regelmäßiger DNS-Anfragen nach Arbeitsgruppe.meine-domain von Windows-Clients, ist vollkommen unnötig. Aus diesem Grund kommt standardmäßig ein Mini-DNS-Server zum Einsatz, der Namensanfragen auflöst und die Ergebnisse in einem Cache speichert.

Das Herz des Routers ist jedoch imond – ein Daemon, der fli4ls Routing-Funktionen kontrolliert. Er kümmert sich ums LCR, sammelt Informationen zum Beispiel über das Datenaufkommen, misst den Datendurchsatz auf den einzelnen Interfaces und kann im Bedarfsfall den aktuell gültigen Default-Route-Circuit (im allgemeinen die Internet-Verbindung) auswechseln, wenn beispielsweise DSL ausfallen sollte.

Abbildung 2: Die fli4l-Clients gtk-imonc …
Abbildung 3: … und trayimonc für Linux …
Abbildung 4: … sowie imonc für Windows

Eine Client-Server-Schnittstelle bietet die Möglichkeit, vom Desktop-PC aus das Monitoring und Controlling des Routers zu übernehmen. Dafür gibt es diverse Clients ("Interface Monitor Clients", imonc), sowohl für Linux (z. B. [4, 6, 7]) als auch für Windows [5]. Sie zeigen die aktuellen Verbindungen und bereiten die Statistik-Daten auf. Die im Basispaket mitgelieferten Programme gtk-imonc für Linux oder imonc für Windows können den Daemon imond veranlassen, auf Benutzerklick den aktuellen Circuit auf einen anderen Anschluss umzuschwenken. Weitere Schmankerl, wie z. B. die Anzeige der CPU-Auslastung, die Möglichkeit zum Abgleich der Uhrzeit, die sich fli4l von einem Time-Server aus dem Internet holen kann, und die Protokollierung eingehender Telefonanrufe bei fli4l-Routern mit ISDN-Karte, haben die beiden von Stefan Strigler bzw. Nico Wallmeier geschriebenen Tools ebenfalls eingebaut.

Selbst ein Software-Update ist mit diesen Clients möglich. So kann über die Netzwerkverbindung eine neue Konfiguration oder eine neue fli4l-Version eingespielt werden, die der Router dann auf der eingelegten Diskette speichert.

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