Routing für alle

fli4l

01.03.2002
Mit wenigen Teilen aus der PC-Bastelkiste lässt sich ein ISDN- oder DSL-Internet-Einwählrouter aufbauen, der auf einer einzigen Diskette läuft. fli4l heißt die Wunderwaffe.

Router binden Teilnetze in ein größeres Netzwerk ein. Exemplarisches Beispiel – natürlich das Internet. Solange man zu Hause lediglich einen Internet-Zugang für einen einzigen PC benötigt, ist ein Router normalerweise nicht notwendig. Es reicht in diesem Falle, sich mit dem heimischen PC beim Zugangsrechner des Internet-Providers (ISP) einzuwählen.

Soll hingegen das heimische Netzwerk oder ein kleines Firmen-LAN angebunden werden, ist ein Router vonnöten. DSL-Router sind mittlerweile für ein paar hundert Euro erhältlich, aber immer noch wesentlich teurer als ein gebrauchter 486er, den man eventuell noch im Keller stehen hat. Zudem sind diese "Hardware-Router" nicht immer so flexibel wie ihre auf Software basierenden Kollegen, die sich leicht erweitern und den persönlichen Ansprüchen gemäß konfigurieren lassen. Hier kommt fli4l ins Spiel: Ein komplett abgespecktes Linux-System, welches sich mit einer Diskette begnügt.

Kasten 1: Routing

Das TCP/IP-Schichtenmodell besteht im Wesentlichen aus vier Schichten. Dazu gehören das Bitübertragungsprotokoll, z. B. Ethernet, das Internet-Protokoll IP, eine Schicht für TCP, UDP und ICMP sowie die Anwendungsprotokolle (http für's Web, ftp, telnet u. a.). Während Hubs und Switches Netze auf der untersten Ebene miteinander verbinden, arbeitet ein Router auf der darüberliegenden Protokollschicht, z. B. IP. Er sorgt für die Weiterleitung von Datenpaketen von einem Netz in andere.

Damit das Paket den richtigen Weg nimmt, braucht man eine Routing-Tabelle. Diese beschreibt, über welchen Weg das Paket das Ziel erreichen kann. Selbstverständlich kann ein IP-Router nicht alle möglichen Ziel-(IP-)Adressen und die zugehörigen Wege kennen. Daher bekommt er eine Default-Route mitgeteilt: Alle Adressen, die nicht in der Routing-Tabelle gefunden werden, werden an ein Standard-Gateway weitergeleitet, welches sich um den Weiterversand des Pakets zu kümmern hat. Ein Router wälzt also die Verantwortlichkeit meist auf einen anderen Router ab. Diese Vorgehensweise funktioniert erstaunlicherweise auch bei der heutigen Größe des Internets noch verblüffend gut. fli4l als Internet-Einwahlrouter verwendet als Standard-Gateway meist den Einwahlknoten des ISPs. Diese Adresse wird dem fli4l-System meist über das PPP-Protokoll mitgeteilt.

Einsatzmöglichkeiten

fli4l [1] kann als Ethernet-Ethernet-Router, als ISDN-Einwahlrechner oder für den DSL-Zugang zum Internet verwendet werden. Über ASCII-Dateien wird die jeweilige Konfiguration maßgeschneidert, bevor man die Boot-Diskette erzeugt, von der aus der Router betrieben wird. Obwohl auf einer Diskette lediglich 1.44 MB Daten Platz finden, muss man keine Kompromisse eingehen. Über 40 Netzwerkkarten-Familien und mehr als 30 ISDN-Karten unterstützt fli4l; auf die Diskette werden aber einfach nur die Daten und Treiber kopiert, die zum Betrieb nötig sind. Die einfache Konfiguration über ASCII-Dateien ermöglicht es auch Nicht-Linux-Anwendern, den fli4l-Router zu konfigurieren und zum Laufen zu bewegen.

Wie alles begann…

Das fli4l-Projekt, an dem mittlerweile ein gutes Dutzend Entwickler arbeitet, begann im Frühjahr 2000. Es sollte ein leiser, auf Linux basierender Router her, mit dem die ganze Familie im Internet surfen konnte, und zwar über ISDN und Internet-By-Call. Da schon damals die Internet-Provider zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Tarife anboten, stand eine Least-Cost-Routing-Funktion (LCR) auf dem Wunschzettel, um die Online-Kosten möglichst gering zu halten.

Festplatten sind normalerweise recht laut – gerade Exemplare älteren Datums. Deshalb sollte der Router lediglich von einer Diskette booten und anschließend in einer RAM-Disk laufen. Mithilfe des Boot-Disk-Howtos [2] war es relativ einfach, eine Boot-Diskette zu erstellen. Aber für Routing braucht man mehr als nur einen Kernel. Nach viel Probiererei kam heraus, dass ein auf der g basierendes System soviel Platz auf der Diskette benötigt, dass zusätzlich zum Kernel nicht einmal das ISDN-Subsystem darauf passt.

Daher baut fli4l auf der alten libc5 auf, die den Ansprüchen eines Routers durchaus genügt. Nach der Portierung der ISDN4Linux-Software lief dann zwar der Router, aber auch nicht viel mehr. Auf Unix-typische Kommandos wie ls usw. mussten seine Nutzer komplett verzichten. Die Diskette galt es, in mühseliger Kleinarbeit unter einem lauffähigen Linux-System zu erstellen. Durch einige Optimierungsarbeiten gelang es jedoch im Laufe der Zeit, soviel Platz auf der Diskette "freizuschaufeln", dass einige zusätzliche Anwendungen – z. B. ein Druckerserver – auf dem Router installiert werden konnten. Mittlerweile erzeugt man die Diskette durch Aufrufen eines Batch-Skripts (vgl. Kasten 2), ohne sich um Einzelheiten zu kümmern.

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