Truevision

Truevision [7] ist ein Programm zum Erstellen von 3D-Szenen, ähnlich dem bekannten Windows 3d-Modeller Moray. Wie Moray berechnet Truevision die fertige 3D-Szene aber nicht selber, sondern übergibt sie an den Raytracer Povray [8].

Wie der Name Raytracer sagt, berechnet Povray den Gang der Lichtstrahlen durch eine Szene, um letztendlich zu einem nahezu foto-realistischen Bild zu gelangen. Da es aber unglaublich rechenaufwendig wäre, alle Lichtstrahlen zu simulieren, werden virtuelle Sehstrahlen von der Kamera emittiert. Wo diese auf ein Objekt stoßen, werden wiederum weitere Strahlen ausgesendet, um die Ausleuchtung des getroffenen Punktes zu ermitteln. Zusammen mit anderen Techniken wie Radiosity - einem, auf diffusen Licht basierenden, "Abfärben" der Objekte untereinander - ist Povray auf diese Weise in der Lage, erstaunliche Bilder zu berechnen.

Alle Povray-Szenen basieren auf einer Reihe von Objekten, die sich im Erzeugen-Dialog von Truevision erstellen lassen. Hier finden sich neben einfachen Formen wie Kugeln oder Zylindern auch verschiedene Lichter und atmosphärische Effekte wie Nebel. Leider fehlen noch einige der komplexeren Povray-Objekte wie Blobs, Prismen oder das Julia Fraktal - diese werden aber zweifelsohne in den kommenden Versionen folgen.

Schon in dieser Version lassen sich ohne dreidimensionale Fraktale schöne Szenen erstellen. Das wichtigste Mittel dazu sind die CSG-Operatoren (Constructive Solid Geometry), mit deren Hilfe sich mehrere einfache Objekte wie mit boolschen Operatoren verbinden lassen. So wird aus mehreren Objekten oder deren Schnittmenge ein neues Objekt.

Um bei komplexen Szenen den Überblick zu behalten, lassen sich außerdem aus mehreren Objekten Layer erstellen, die als Ganzes skaliert und verschoben werden können. Außer durch das Verändern der Koordinaten kann diese Verschiebung natürlich auch per Maus in einer der Ansichten stattfinden. Dabei kann es nützlich sein, dass Truevision neben der Gitternetz-Ansicht auch eine Vorschau über OpenGL bietet.

Genauso wichtig wie die Objekte selbst ist die Textur, die ihnen zugewiesen wird. Truevision bringt in einem separaten Paket (Truevision-Extramat) eine umfangreiche Sammlung von Texturen mit. Bei fast allen Oberflächen existiert eine Vorschau - falls nicht, kann diese im Material-Editor errechnet werden. Die einzelnen Eigenschaften der teilweise recht komplizierten Texturen werden wie bei Moray in einer Baumansicht dargestellt. Um allerdings alle Optionen zu verstehen, lohnt sich hier ebenfalls ein Blick in die Povray-Dokumentation [9].

Eine Möglichkeit, die bei Truevision vollends fehlt, ist Animation, wobei das Erstellen von Animationen unter Povray allgemein nicht ganz einfach ist. Oft reichen schon einzelne Szenen, um den Computer eine Weile zu beschäftigen. Wer mehreren Computer besitzt, hat aber die Möglichkeit, sie mit dem PVM-Patch [10] gemeinsam arbeiten zu lassen.

Eine 3d-Szene in Truevision
Im Texturen-Editor lassen sich komplexe Oberflächen erstellen

Fileroller

Mit Hilfe von Fileroller [11] lassen sich Archive in jedem denkbaren Format einfach erstellen und entpacken. Neben der schönen Oberfläche hat Fileroller seinen Vorgängern wie Guitar aber noch etwas anderes voraus - es ist nämlich möglich, viele Dateien direkt aus dem Programm heraus zu betrachten.

Dazu sucht Fileroller mit Oaf nach einer geeigneten Bonobo-Komponente, die in einem neuen Fenster gestartet wird. Findet sich keine passende Komponente, wird der Text-Betrachter genutzt. Dateien können im Hauptfenster sowohl verzeichnisweise wie vollständig angezeigt werden. Außerdem ist das Programm im Hinzufügen-Dialog in der Lage, Unterverzeichnisse rekursiv hinzuzufügen und bietet die üblichen Features wie das Überspringen von Backup-Dateien und symbolischen Links.

Größtes Manko am Programm ist die deutsche Übersetzung, die nicht nur einer Vervollständigung, sondern einer sehr gründlichen Rechtschreibprüfung bedarf.

Fileroller beim Betrachten des Truevision Archivs

Benötigte Bibliotheken:

Gnumeric: libxml >= 1.8.14, libole2 >= 0.2.4, Optional: bonobo >= 1.0.9, gb 0.0.17, gda >= 0.2.92, guile >= 1.5, guppi >= 0.40.0

Truevision: gtkglarea

Fileroller: gdk-pixbuf >= 0.9.x, Oaf >= 0.6.5, Bonobo >= 1.0, Gnome VFS >= 1.0

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist neue Programme auszuprobieren liest er Bücher oder spielt Saxophon.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

Kommentare

Infos zur Publikation

LU 12/2016: Neue Desktops

Digitale Ausgabe: Preis € 5,99
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Drucker Epson XP-332 unter ubuntu 14.04 einrichten
Andrea Wagenblast, 30.11.2016 22:07, 2 Antworten
Hallo, habe vergeblich versucht mein Multifunktionsgerät Epson XP-332 als neuen Drucker unter...
Apricity Gnome unter Win 10 via VirtualBox
André Driesel, 30.11.2016 06:28, 2 Antworten
Halo Leute, ich versuche hier schon seit mehreren Tagen Apricity OS Gnome via VirtualBox zum l...
EYE of Gnome
FRank Schubert, 15.11.2016 20:06, 2 Antworten
Hallo, EOG öffnet Fotos nur in der Größenordnung 4000 × 3000 Pixel. Größere Fotos werden nic...
Kamera mit Notebook koppeln
Karl Spiegel, 12.11.2016 15:02, 2 Antworten
Hi, Fotografen ich werde eine SONY alpha 77ii bekommen, und möchte die LifeView-Möglichkeit nu...
Linux auf externe SSD installieren
Roland Seidl, 28.10.2016 20:44, 1 Antworten
Bin mit einem Mac unterwegs. Mac Mini 2012 i7. Würde gerne Linux parallel betreiben. Aber auf e...