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Kleine Ursache, große Wirkung

KDE 3.0

01.03.2002 KDE 3.0 im Beta-Stadium einer der Stars der Linux Expo/Linux World in Paris. Wir haben uns Vorversionen der neuen Desktop-Umgebung angeschaut.

Wenn sich bei Versionsnummern die Vorkommastelle ändert, lässt das in der Regel einschneidende Veränderungen an der Software erwarten. Doch wie KDE 3.0 beweist, muss dies nicht immer dazu führen, dass User ihre Programme kaum noch wiedererkennen: Der aktuelle Versionssprung lässt sich keineswegs mit dem von KDE 1.x auf KDE 2.x vergleichen. Nur aufmerksamen Beobachter/innen fallen Änderungen an der Optik sofort ins Auge, und auch bei den Techniken unter der Haube hat sich nichts besonders Einschneidendes getan. Wozu dann aber eine neue Major-Versionsnummer?

Von rechts nach links und zurück

Damit KDEs Versionierung mit der der zugrundeliegenden GUI-Bibliothek im Takt bleibt: Im Wesentlichen handelt es sich bei KDE 3.0 um eine Portierung von KDE 2.2.x auf Qt 3.0.x. Was nicht besonders großartig klingt, hat durchaus interessante Konsequenzen: Da sich die Unterstützung für nicht-lateinische Alphabete in Qt 3 ebenso verbessert hat wie die bidirektionale Darstellung, profitiert auch KDE davon.

Während eine KDE-2-Applikation wie das KDE-Kontrollzentrum in Abbildung 1 auf einer nicht für den israelischen Markt gedachten SuSE-7.2-Installation bei eingespieltem hebräischem KDE-Internationalisierungspaket nur Fragezeichen aufwirft, klappt die Sprachumstellung bei KDE 3 hervorragend. Nicht nur, dass in Abbildung 2 ohne Installation zusätzlicher Fonts ordentliche hebräische Programmbeschriftungen zu begutachten sind – auch die Anordnung der Menüs und Buttons passt sich automatisch dem Leseverhalten von rechts nach links an und verhält sich spiegelverkehrt zur für europäische Augen gewohnten Sichtweise. Allerdings spielte – zumindest in der zum Redaktionsschluss aktuellen CVS-Version – das KDE-Panel noch nicht mit, sodass die Pfeile des gespiegelten Startmenü in die verkehrte Richtung zeigen…

Abbildung 1: Bei KDE 2.x ist der Umstieg auf Arabisch oder Hebräisch nicht so einfach

Abbildung 2: … bei KDE 3 hingegen eine Selbstverständlichkeit

Dass KDE 3 auf so wunderbare Weise zu den richtigen Schriftzeichen kommt, ist auf die in Qt 3 umgeschriebene Klasse QFont zurückzuführen. Ihre Benutzung hat zur Folge, dass das Programm nicht mehr stur lustige Ersatzzeichen ausgibt, wenn es keine Schrift findet, die alle Zeichen abdeckt. Stattdessen sucht es in den auf dem System installierten Fonts die passenden Glyphen heraus und mixt sie bei Bedarf zusammen. Den alten KDE-Code das neue QFont-API nutzen zu lassen, war so auch eine der aufwändigsten Aufgaben bei der Portierung.

Neue Features dank Qt

Nicht nur Umgeschriebenes, sondern auch Neuzugänge in Qt 3 sorgen für neue KDE-3-Features. So kommt die Desktop-Umgebung zum Beispiel ohne weiteren Aufwand zu Xinerama-Unterstützung, und auch die neue Qt-3-Klasse QTextEdit, die an sich schon einen einfachen Richtext-Editor zur Verfügung stellt, verkürzt bereits den Code einiger KDE-Programme. (Obwohl naheliegend, basiert der KDE-Editor Kate derzeit übrigens nicht auf QTextEdit.) Die neuen Qt-Klassen, die den Zugriff auf SQL-Datenbanken erleichtern, haben bislang noch keine Spuren in den KDE-3-Core-Paketen hinterlassen. Hiervon profitieren eher KDE-Programme Dritter.

Mit den ausklinkbaren Fenstern kommt in KDE 3 auch erstmals ein Feature zum Einsatz, das Qt bereits ab Version 2.2 enthält: Sofern ein Programmfenster aus mehreren Fragmenten besteht, lassen sich die, die mit einem Minibalken wie in Abbildung 3 ausgestattet sind, mit der Maus auf den Desktop ziehen. Die dabei entstehenden eigenständigen Fenster kann man sogar auf separate virtuelle Desktops verfrachten. Insbesondere, wenn mehrere Monitore zum Einsatz kommen, bei denen jeder einen anderen virtuellen Desktop anzeigt, vermag sich dadurch der Bedienkomfort von Programmen verbessern, bei denen das Hauptfenster möglichst viel Platz einnehmen soll.

Wer es beim Zerpflücken der Fenster zu weit getrieben hat, sollte erst einmal tief durchatmen – das Re-Integrieren von Teilfenstern zurück ins Hauptfenster erfordert nämlich eine ruhige Hand: Das Fensterfragment mit der linken Maustaste verschiebend, muss die Cursor-Spitze genau einen Fensterrand des Main-Windows oder eines darin integrierten Unterfensters treffen.

Abbildung 3: Überfrachtete Hauptfenster lassen sich auch zerpflücken

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