K-splitter

01.03.2002

Frühjahrsputz für die Festplatte ist angesagt, denn seien es das für Mitte März angekündigte KDE 3.0 oder die neuen Ausgaben von Kivio, KOffice oder Quanta Gold – mit Frühlingsbeginn verlangen gleich mehrere interessante Updates ihr Recht (und vor allem Platz) auf dem heimischen Rechner.

Software im Fluss

Nicht nur KDE macht sich fit für den Frühling, sondern auch die Programme drum herum glänzen mit neuen Versionen und Features. So hat theKompany.com eine neue Version von Kivio mp, der erweiterten – und leider kostenpflichtigen – Version der Flowchart- und Vektorgrafiksoftware Kivio veröffentlicht (http://www.thekompany.com/products/kivio/). Kostenpunkt des Profiwerkzeugs: als CD-Set 99,95 Dollar, in der Download-Version 89,95 Dollar. Für alle, die die Katze nicht im Sack kaufen wollen, findet sich unter ftp://ftp.rygannon.com/pub/KiviompDemo/ eine Demoversion zum Herunterladen und Ausprobieren.

Neben einigen Bugfixes enthält das aktuelle Release auch neue Features. So kann beispielsweise erstmals Text rotiert werden, und für Zeichnungen gibt es nun eine Layer-Funktion. Darüber hinaus wurden Undo-Möglichkeiten beim Hinzufügen und Löschen von Seiten und Layern implementiert.

Abbildung 1: Das Profiwerkzeug Kivio in Aktion

Doch das sind nicht die einzigen Neuerungen aus dem Hause theKompany.com. Auch der HTML-Editor Quanta Gold (Abbildung 2) hat einen Versionssprung gemacht. In Version 3.3.2 ist die Unterstützung für DTML, der "Document Template Markup Language" von Zope und ColdFusion, hinzugekommen. Des Weiteren verfügt Quanta Gold nun über eine Plugin-Schnittstelle. theKompany.com plant, dafür diverse Plugins herauszubringen, beispielsweise einen Datenbank-Wizard zur einfacheren Erstellung von Datenbank-orientierten Web-Seiten. Das CD-Set von Quanta Gold kostet 49,95 Dollar, die Download-Version schlägt mit 39,95 Dollar zu Buche. Die Demoversion erhalten Sie unter ftp://ftp.rygannon.com/pub/QuantaGoldDemo/. Weitere Informationen finden sich unter http://www.thekompany.com/products/quanta/.

Abbildung 2: Quanta Gold verschafft Web-Designern den optimalen grafischen Überblick

Startschuss für KDE 3.0

Dem Embryonenstadium entwachsen ist KDE 3.0 seit dem ersten Release einer Beta-Version Mitte Dezember vorigen Jahres, und wenn alles gut geht, erwartet uns am 18. März die endgültige Version – so jedenfalls der Release-Plan. Zahlreiche Verbesserungen und Neuerungen sind bereits im Vorfeld sichtbar. So enthält KDE 3.0 beispielsweise ein neues Clipboard-System enthalten, das vor allem Windows-Umsteigern und Betriebssystem-Hoppern gefallen dürften. Denn künftig gibt es zweierlei Clipboards: Die altbekannte X-Variante und das Clipboard im Windows/Mac-Stil, bei dem Text aus der Zwischenablage nicht mehr mit Hilfe der mittleren Maustaste, sondern über [Strg-c] eingefügt wird.

Die Entwicklungsumgebung KDevelop wurde um Cross-Compiler-Funktionalität erweitert und an die Bedürfnisse von Qt/Embedded-Projekten angepasst. Erstere erlaubt es, Programme mit Qt-basierter Bedienoberfläche für PDAs wie Compaqs iPaq und den Sharp Zaurus (vgl. LinuxUser 02/2002, S. 74 f.) zu erstellen. Die neuen KDevelop-Fähigkeiten kommen für Hobby-Entwickler übrigens genau zur rechten Zeit, denn die Qt-Herstellerfirma Trolltech hat einen Programmierwettbewerb für den Sharp Zaurus gestartet (http://contest.trolltech.com/).

Wie schnell eine solche Portierung gehen kann, beweist das Team rund um Benjamin C. Meyer, das Kinkatta (Abbildung 3), seinen AOL-Aim-Chat-Client, für das Qt-Embedded-System umgeschrieben hat. Sourcecode und Binaries der Kinkatta-Lite genannten Portierung sollen bald zum Testen auf der Homepage des Projekts unter http://kinkatta.sourceforge.net/)zur Verfügung stehen.

Abbildung 3: Chat-Software – bald auch für den PDA

Daneben halten auch die KDE-3-Ausgaben von Konqueror, KMail und der KDE-Standard-Terminalemulation Konsole einige Überraschungen für experimentierfreudige Nutzer bereit. Wer mehr über hier nicht besprochene Neuigkeiten der neuen Version der Desktop-Umgebung wissen will, findet einen ausführlicheren Artikel ab Seite 40.

Hinter all diesen Neuerungen wollten die KOffice-Entwickler natürlich nicht zurückstehen und haben ihrerseits eine neue Version der KDE-Office-Suite unter http://download.kde.org/stable/koffice-1.1.1/ zum Download bereitgestellt. Im Gegensatz zum Desktop-Kollegen wartet dieses Release allerdings nicht so sehr mit neuen Features auf, es wurde vielmehr gesteigerter Wert auf eine Performance-Verbesserung und größere Stabilität gelegt.

Der Konqueror erobert Korea

Während im Deutschen Bundestag noch darüber debattiert wird, ob Linux bald einen festen Platz auf Regierungsrechnern erhält, hat die koreanische Regierung bereits Nägel mit Köpfen gemacht. Wie die Firma Hancom Linux http://www.hancom.com/ zu Recht stolz bekannt gab, wurden gerade 120.000 Exemplare der Distribution HancomLinux Deluxe 2.0 an die koreanische Regierung verkauft. Diese enthält neben vielen anderen Software-Paketen auch KDE 2 und das ebenfalls Qt-basierte Hancom-Office-Paket.

In den News

Dank Christopher Molnar ist die stetig wachsende Zahl der KDE-Mailinglisten jetzt auch auf einem Newsserver erhältlich, so dass Sie sich künftig nicht mehr auf allen möglichen Listen anmelden müssen, sondern die interessantesten Mail-Wechsel bequem in Ihrem bevorzugten Newsreader durchforsten können.

Legen Sie dazu beispielsweise im KDE-Reader Knode unter dem Menüpunkt Einstellungen / Zugang / News mit einem Klick auf den Button Neu einen neuen Zugang an, und taufen Sie ihn der Einfachheit halber KDE. Bei Server tragen Sie news.uslinuxtraining.com ein. Jetzt müssen Sie nur noch auf Zugang / Newsgruppen abonnieren klicken, sich die passenden Gruppen rausfischen und die Artikel abholen. Das war's schon – die Mails sind da (Abbildung 4), und übervolle Mail-Boxen gehören der Vergangenheit an. Einen kleinen Nachteil hat die Sache: Der Zugriff beschränkt sich auf Leserechte. Wer sich also an den Diskussionen beteiligen möchte, muss auch weiterhin auf den jeweiligen Mailinglisten eingeschrieben sein.

Abbildung 4: Aus Mails werden News

Friedenspfeife

Als verspätetes Weihnachtsgeschenk hat Mosfet noch im alten Jahr bekannt gegeben, dass er 20 Effekte seiner neuen grafischen Allzweckwaffe PixiePlus, die wir im LinuxUser 02/2002 ausführlich vorgestellt haben, nach KDE 3 portiert hat und künftig wieder Code zum KDE-Projekt beitragen will. Die KDE-Entwickler haben nicht lange gefackelt und seine Arbeit sofort in den bestehenden CVS-Baum integriert.

Damit sollten die Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Parteien, die im letzten Jahr einige Wellen geschlagen hatten, hoffentlich aus der Welt geschafft sein. Wer weiß, vielleicht können wir uns vor diesem Hintergrund auch bald wieder über neue bunte KDE-Styles aus dem Hause Mosfet freuen.

Was ist eigentlich ein PIM?

Das Wort "PIM" ist in aller Munde, einen PDA haben viele in der Tasche, aber wenn man nachfragt, was es mit diesen ganzen Abkürzungen eigentlich auf sich hat, müssen viele bedauernd passen. Diesen Missstand beheben wollen ab sofort die KDE-Developer der PIM- (oder besser gesagt "Personal Information Management"-) Gilde.

Unter http://pim.kde.org/development/glossary.php (Abbildung 5) haben die Entwickler rund um Klaus Stärk ein Glossar zusammengestellt, das Licht ins Dunkel des Akronym- und Konzeptdschungels bringen soll. Derzeit ist dieser Bereich noch nicht über die Hauptnavigation erreichbar, da die Macher glauben, bislang nicht ausreichend "Content", zu Neudeutsch "Inhalt", gesammelt zu haben. Sie bitten daher alle Nutzer von Programmen wie dem KOrganizer, KDE-PIM-Wörter einzusenden, die sie schon immer mal erklärt bekommen wollten. Um die Sache zu beschleunigen, hat Klaus Stärk am Ende der Seite ein Formular eingebunden, über das Sie Ihre Beiträge direkt an ihn versenden können.

Abbildung 5: Ein Glossar der ganz anderen Art

Glossar

Bugfixes

Ein Bug ist ein Fehler in einer Soft- oder Hardware. Der Name stammt aus Großrechnerzeiten, als tatsächlich Insekten für Hardware-Ausfälle sorgten. Hersteller und Entwickler bemühen sich in der Regel, den Mangel so schnell wie möglich durch einen "Bugfix", meist ein vom Anwender einzuspielendes Code-Stück, zu beheben.

Plugin

Ein Programmfragment, das sich als Erweiterung in ein größeres Programm "einstecken" (englisch: "plug in") lässt. Prominente Software mit Plugin-Technik ist Gimp und XMMS.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare