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Daten-Organisierer

Datenbanken mit Rekall

01.03.2002 Wer schielt da neidisch auf MS Access? Mit Rekall lassen sich PostgreSQL- und MySQL-Datenbanken einfach verwalten.

Daten, die von SQL-Servern und xbase-Dateien bereitgehalten werden, darzustellen und zu bearbeiten – wer zu diesem Zweck auf ein GUI-Programm zurückgreifen will, landet recht schnell beim Datenbank-Frontend Rekall der Firma theKompany [1]. Mit seiner Hilfe erstellen Sie Formulare und Berichte und fragen Daten ab, ohne SQL beherrschen zu müssen. Alle Funktionen sind über eine grafische Schnittstelle erreichbar. Rekall ist unabhängig von der verwendeteten Datenbank und daher sehr flexibel.

Das für SuSE, Caldera, Mandrake, Red Hat und Slackware erhältliche, zu Redaktionsschluss in der Version 1.0 erschienene Programm ist allerdings nicht frei und kostet 69,95 US-Dollar in der Download-Version bzw. 79,95 US-Dollar auf CD. Für den Preis erhalten Sie das Programm, den Quelltext und alle Updates. Sie dürfen den Sourcecode für Ihre Zwecke bearbeiten, aber nicht an andere weitergeben. Eine kostenlose Demo-Version gibt es auf [2]. Diese ist funktional nicht eingeschränkt, läuft aber immer nur 30 Minuten am Stück.

Vorarbeit

Für den Test auf einem Mandrake-8.0-System benutzten wir die Vorabversion 0.7, die uns der Hersteller zur Verfügung stellte, und überprüften die Aussagen kurzfristig anhand der 1.0-Demo-Version – sowohl Aussehen als auch Bedienung haben sich nicht verändert. Im Gegensatz zur in Heft 02/2002 vorgestellten Version 0.6 benötigt das Programm jetzt keine KDE-Bibliotheken mehr.

Um Rekall zu verwenden, brauchen Sie neben dem Paket rekall die korelibs (ebenfalls von theKompany) sowie die Bibliotheken xbase 2.0 für den Zugriff auf xbase-Datenbanken und xbsql 0.7, die es Rekall ermöglicht, mit SQL-Befehlen auf xbase-Daten zuzugreifen.

Selbstverständlich können Sie mit Rekall auch "richtige" Datenbanken manipulieren – Rekall unterstützt PostgreSQL und MySQL. Einen dieser Datenbank-Server müssen Sie dazu lokal installiert haben, sonst meldet der Paketmanager beim Installieren einen Fehler. Wenn Sie auf einen entfernten SQL-Server zugreifen möchten, spricht jedoch nichts dagegen, diese Fehlermeldung mit Paketmanager-Optionen zu umgehen. Auskennen müssen Sie sich mit PostgreSQL bzw. MySQL recht wenig, um mit Rekall – einmal mit rekall & gestartet – zu arbeiten: Das Anlegen von Datenbankbenutzern und das Verteilen der Rechte an den Datenbanken übernimmt Rekall nicht. Sobald es aber um SQL-Abfragen geht, steht das Programm Gewehr bei Fuß.

Datenbanken anlegen

Um das anfangs leere Rekall-Hauptfenster zu füllen, legen Sie als erstes mit File / New Database oder dem Button mit dem leeren Blatt in der Werkzeugleiste eine neue Datenbank an. Daraufhin fordert Sie ein Dateiauswahldialog auf, eine Datei für Rekalls Angaben zur Datenbank festzulegen. Deren Name sollte auf .kdb für "KDataBase" enden. Im selben Verzeichnis wie die .kdb-Datei werden später auch Eingabemasken und Abfragen, bei xbase-basierenden Datenbanken auch die Tabellen abgelegt. Ferner erzeugt Rekall dort die Dateien __RekallDesign.dbf, __RekallObjects.dbf und __RekallObjekts.dbt, die die Formular- und Berichtsdefinitionen speichern.

Das Hauptfenster füllt sich mit einer Reihe von Karteireitern, über die Sie die einzelnen Bestandteile der gerade geöffneten Datenbank erreichen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Datenbank anlegen

In Rekall werden alle Datenbanken als Server bezeichnet, egal, ob es sich dabei um ein Datenbank-Management-System (DBMS) wie PostgreSQL oder eine xbase-Datenbank handelt. Ein solcher "Server" beschreibt eine Sammlung von Tabellen, Formularen, Abfragen und Berichten.

Um nicht zu sehr ins Theoretische abzugleiten, entwickeln wir im Folgenden eine xbase-Beispieldatenbank, damit Sie sich nicht mit der Konfiguration eines Datenbankservers herumschlagen müssen. Wie Sie die Beispieldatenbank von der Heft-CD nutzen, ist in Kasten 2 erklärt. Einen guten Einstieg in PostgreSQL gibt [3], eine Beschreibung von MySQL finden Sie in [4]. Kasten 1 erläutert, wie Sie eine Datenbank in PostgreSQL anlegen und von Rekall aus darauf zugreifen. In unserem Beispiel entwickeln wir eine Datenbank zum Speichern von Zeitschriftenartikeln. Neben dem Namen des Autors sollen der Titel, die Zeitschrift, in der der Artikel erschienen ist, die Ausgabe, das Erscheinungsjahr und die Seite gespeichert werden. Ein weiteres Feld Bemerkungen ermöglicht es, eine kurze Zusammenfassung des Artikels festzuhalten. Sie können unser Beispiel auch mit der in Heft 02/2002 kurz beschriebenen Version 0.6 nachvollziehen.

Kasten 1: Eine Datenbank in PostgreSQL

Nach der PostgreSQL-Installation starten Sie den Datenbank-Server als User postgres mit dem Befehl

postmaster -i -D /var/lib/pgsql/data &

Das Verzeichnis /var/lib/pgsql/data müssen Sie möglicherweise vorher noch anlegen. Im Beispiel gehen wir davon aus, dass es auf dem System einen Benutzer buecher mit dem Passwort Literatur gibt, der PostgreSQL-Datenbanken anlegen darf. Sie erzeugen diesen Datenbankuser, indem Sie als User postgres in einer Konsole den Befehl createuser -P buecher und als Passwort Literatur eingeben.

Anschließend melden Sie sich in einer Konsole mit su buecher als buecher an und legen mit dem Befehl createdb artikel die leere Zeitschriftendatenbank im Standardverzeichnis von PostgreSQL an.

Auf die soeben erstellte Datenbank greifen Sie von Rekall aus zu, indem Sie in den Reiter Servers des Hauptfensters folgende Daten eingeben: den Namen der neuerzeugten Datenbank, artikel im Server-Feld, pgsql als Type, localhost bei Host und zeitschriften als Name der Database. Als User geben Sie buecher und als Passwort Literatur an. Jetzt können Sie in Rekall Tabellen, Formulare und Berichte für die PostgreSQL-Datenbank anlegen.

Kasten 2: Das Beispiel auf der Heft-CD nutzen

Entpacken Sie das Beispiel-Archiv von der Heft-CD mit dem Befehl tar -xzvf rekall-beispiel.tgz. Im neu erzeugten Unterverzeichnis Datenbanken finden Sie nun die Beispieldateien. Dieses Verzeichnis hat bei Ihnen sicherlich nicht den absoluten Pfad /home/frank/Datenbanken wie beim Autor. Daher sollten Sie die Datei artikel.kdb in einem Texteditor Ihrer Wahl (z. B. Kate) öffnen und in der ersten Zeile

server=zeitschriften|xbase||/home/frank/Datenbanken||||||No

den Pfad /home/frank/Datenbanken durch den absoluten Pfad zu Ihrem Beispieldatenverzeichnis ersetzen.

Um die Datenbank in Rekall zu öffnen, wählen Sie File / Open Database aus dem Menü und hangeln sich im Dateiauswahldialog zur soeben installierten Datei artikel.kdb durch.

Wir beginnen die Datenbankeinrichtung damit, in der Karteikarte Servers einen neuen Server anzulegen. Dazu klicken Sie auf New. Geben Sie ins Feld Server einen Namen für den Server ein, im Beispiel heißt er zeitschriften. In der Liste Type wählen Sie xbase für eine xbase-kompatible Datenbank. Das Feld Database legt das Verzeichnis fest, das die Tabellen und Formulare aufnehmen soll (Abbildung 1).

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LinuxUser 03/2012

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