Jeder Rechner in einem Netzwerk muss über eine eindeutige IP-Adresse erreichbar sein. Bei der Organisation der verfügbaren Adressen führen verschiedene Wege zum Ziel: Sie wählen bei der Konfiguration eines Rechners einfach zufällig eine aus und hoffen, sie nicht bereits vergeben zu haben (schlecht). Sie führen Strichlisten oder erstellen Aufkleber mit den relevanten Daten, die Sie an Ihre Mitbewohner verteilen (gut).
Eine besonders hübsche Variante benutzt Wäscheklammern, auf die die verfügbaren IP-Adressen geschrieben werden. Bevor Sie Ihren Rechner konfigurieren, holen Sie sich Ihre IP-Adresse auf einer Wäscheklammer ab und klemmen sie demonstrativ an Ihr Netzwerkkabel. Wenn Sie sie nicht mehr benötigen, legen Sie sie zurück in den zentralen Pool. Dieses Verfahren wurde auf Hacker-Kongressen eingesetzt und – an einem 1. April – zum Internet-Standard RFC 2322 [1] vorgeschlagen.
Wie funktioniert's?
Das Wäscheklammer-Szenario veranschaulicht sehr gut das Protokoll DHCP ("Dynamic Host Configuration Protocol"): Ein Rechner, der physikalisch im Netz hängt, aber noch nicht konfiguriert ist, fragt laut nach einer zulässigen Konfiguration. Ein für diese Auskunft zuständiger Computer, der DHCP-Server, gibt dem Frager eine eindeutige IP-Adresse aus dem vorhandenen Pool und weitere Konfigurationsdaten. Der Neuling kann sich nun selbst korrekt ins Netz einklinken, ohne dass sein Benutzer manuell Konfigurationsdaten eintippen muss. Wenn IP-Adressen knapp sind, können sie analog zu den Wäschklammern erneut an einen anderen Rechner vergeben werden, wenn der alte Besitzer kein Interesse mehr hat.
Hierzu muss auf einem Rechner im Netzwerk ein DHCP-Server installiert und konfiguriert sein sowie auf jeder anderen Maschine ein DHCP-Client. Glücklicherweise gehören DHCP-Clients bei allen Linux-Distributionen zur Standardausrüstung, und auch andere Betriebssysteme bringen entsprechende Software bereits von Hause aus mit. Ein DHCP-Server auf einem Linux-Rechner bedient somit auch Windows- oder MacOS-Rechner.
DHCP zu Hause?
Für ein kleines Netz zu Hause mag sich das vielleicht übertrieben anhören. Die Alternative besteht in der manuellen Konfiguration jedes einzelnen Rechners. Vorneweg: Sie brauchen kein DHCP, um ein Netzwerk zu betreiben. Vielleicht wollen Sie es aber, denn auch ein kleines Netz zu Hause bleibt nicht unbedingt so statisch, wie es zunächst aussieht. Installiert eine Mitbewohnerin ihren Rechner neu oder probiert ein weiteres Betriebssystem aus, muss die Netzwerkkonfiguration neu angegeben werden. Ein Notebook, das mal beim Arbeitgeber, mal zu Hause vernetzt ist, darf bei jedem Netzwechsel entsprechend umkonfiguriert werden. Spätestens, wenn Gäste anfangen, ihre Rechner mitzubringen, möchten Sie die vergebenen und freien IP-Adressen nicht mehr nur im Kopf verwalten.



