VMware ist der älteste kommerzielle PC-Emulator für Linux. Vor kurzem wurde Version 3.0 veröffentlicht, die nun auch das neue Windows XP unterstützt.
Die Standard-PCs, wie sie in Ketten wie Mediamarkt, Saturn und gelegentlich auch bei Aldi verkauft werden, sind heute sehr üppig ausgestattet: Ein Pentium IV oder AMD Athlon mit 1,5 Gigahertz und höherer Taktfrequenz sind die Regel. Auch beim Hauptspeicher geben sich die Hersteller großzügig; 256 MB müssen es heute schon sein. Ein solches System kann, unter Linux betrieben, bequem noch ein zweites Betriebssystem in einer Emulation ausführen, wie sie VMware bereitstellt.
VMware Workstation ist kein billiges Produkt. Wer unter Linux in erster Linie arbeitet, weil dort die meisten Dinge kostenlos oder sehr günstig sind, wird sich nicht darüber freuen, dass die aktuelle Version für den Desktop in der "Boxed Version" gleich mit 430,- Euro Verkaufspreis zuschlägt. Etwas günstiger geht es ohne Box; dazu lädt man das VMware-Archiv vom Web-Server und zahlt dann immer noch 390,- Euro (Preise bei LinuxLand). Kauft man direkt bei VMware in den USA, sind die entsprechenden Preise $ 329,- (plus Versandkosten) und $ 299,- - das sind nach Tageskurs vom 14.01.2002 369,54 Euro bzw. 334,94 Euro. Beim Versand des Pakets aus den USA kommen allerdings nochmals $ 35,- (39,21 Euro) Versandkosten hinzu: Das macht dann zusammen 408,75 Euro. Wer mit den Lieferzeiten aus den USA leben kann, spart hier also ein paar Euro. Eine gute Nachricht gibt es zudem für Käufer der Version 2.0: Ein Update kostet $ 99,- bzw. $ 129,- (Download-/Boxed-Version).
Wir haben die Installation von VMware Workstation 3.0 unter SuSE Linux 7.3 auf einem Pentium-IV-1400 mit 256 MB RAM getestet. Das rpm-Paket ließ sich ohne Probleme mit einem einfachen "rpm -i …" installieren. Wie schon unter älteren VMware-Versionen üblich folgt darauf der Aufruf des Setup-Skriptes vmware-config.pl: Dieses installiert die für den Betrieb notwendigen Kernel-Module und richtet DHCP- und Samba-Server ein, die dem Gastbetriebssystem später eine automatische Netzwerkkonfiguration und (so es ein Windows ist) den Zugriff auf das Linux-Home-Verzeichnis des Benutzers erlauben.
Beim ersten Aufruf von vmware, der nun nicht mehr durch den Administrator root sondern mit normalen Benutzerrechten erfolgen kann, fragt VMware einen Lizenz-Key ab, der die Form
1A234-ABC5D-E6F78-90ABC
hat. Daraus und aus den Angaben zu Benutzername und Firma generiert VMware dann selbständig eine Lizenzdatei, die unter ~/.vmware/license.ws.3.0 abgelegt wird. Alte VMware-2.0-Keys können nicht weiter verwendet werden. Übrigens lässt sich anders als bei früheren VMware-Versionen nur ein solcher Key ziehen; nach Ablauf von 30 Tagen läuft dieser aus und kann nur durch eine vollwertige Lizenz ersetzt werden. Wer noch eine schnelle VMware-Session ausführen muss, kann sich aber durch Rücksetzen des Systemdatums (z. B. date -s 01/30/2002) vorübergehend behelfen.
Wurde der Key aktiviert, kann wie üblich der VMware Configuration Wizard gestartet werden, der das Einrichten eines neuen Gastbetriebssystems vorbereitet. VMware Workstation 3.0 unterstützt dabei MS-DOS, Windows (3.11, 95, 98, Me, NT, 2000 Pro, 2000 Server, 2000 Advanced Server, XP Home, XP Professional), Linux und FreeBSD (Abbildung 1).
Uns interessierte hier in erster Linie die XP-Installation, denn dass VMware mit älteren Windows-Versionen gut zusammenarbeitet, war ja schon bekannt. Also wählten wir XP Professional und übernahmen alle Standardeinstellungen zu virtueller Platte und Netzwerkeinrichtung. Nach Bestätigen der Angaben wird der Configuration Wizard beendet, und ein Klick auf Power On im VMware-Fenster aktiviert den virtuellen PC, der dann nach dem üblichen BIOS-Setup-Durchlauf und Selbsttest von der Windows-CD bootet (Abbildung 2, 3).
Nach dem ersten Start des fertig installierten XP verwirrt die Bildschirmdarstellung in vier Bit Farbtiefe - so ist wirklich nichts zu erkennen. Die VMware-Tools, die in VMware integriert sind, können diesen Zustand aber schnell beheben. Dazu wählt man einfach in VMware den Menüpunkt Settings/VMware Tools Install (Abbildung 4). Nach Bestätigen eines Hinweis-Fensters per Klick auf Install wird ein neues virtuelles Laufwerk eingebunden, und XP startet automatisch das darauf gespeicherte Setup-Programm. XP scheint der installierte Grafikkarten-Treiber nicht wirklich zu gefallen, was mit einer Warnung quittiert wird - hier geht es nach einem Klick auf Installation fortsetzen aber problemlos weiter. Der neue Treiber wird (ohne Neustart!) sofort aktiviert, so dass z. B. das problemlose Bewegen des Mauszeigers aus dem VMware-Fenster hinaus möglich ist und dank erhöhter Farbtiefe auch der Desktop so erscheint, wie man es erwartet. Das ist gegenüber früheren VMware-Versionen sehr schön gelöst. Über den Eigenschaften-Dialog (Kontextmenü auf leerem Desktop) lässt sich nun noch eine brauchbare Auflösung, z. B. 1024x768, einstellen, und dann kann man mit der Arbeit beginnen (Abbildung 5).
Out of the box stellt VMware einen DHCP-Server auf dem virtuellen Netzwerk-Interface vmnet1 bereit, über das XP nach Einrichten der VMware-Netzwerkkarte eine IP-Adresse bezieht und auf den Host-Rechner zugreifen kann. VMware verwendet hierbei ein eigenes Subnetz, das von einem eventuell vorhanden normalen Netzwerk getrennt ist. Wer das nicht will, weil zum Beispiel auf ein Internet-Gateway im lokalen Netz zugegriffen werden soll, der kann dem Gastsystem auch eine Adresse im lokalen Netz zuordnen. Die Änderung der Konfiguration ist unter Windows XP schnell erledigt:
Ein Reboot ist nicht notwendig, XP erlaubt wie schon der Vorgänger Windows 2000 die Änderung der Netzwerkkonfiguration ohne Neustart. Wenn alles geklappt hat, können Sie in einem Konsolenfenster (Start/Alle Programme/Zubehör/Eingabeaufforderung) die Netzwerkroute überprüfen (Abbildung 7) und mit dem vorinstallierten Internet Explorer einen ersten Test der Verbindung starten (Abbildung 8).
Mehrere CDs immer verfügbar zu haben, ist unter Linux schon immer ganz einfach gewesen: Dazu braucht man nur mit
dd if=/dev/cdrom of=/tmp/cd-image.iso
eine Eins-zu-eins-Kopie (ein Image) der CD anzulegen, welche sich dann jederzeit mit
mount -o loop /tmp/cd-image.iso /mnt/cdrom
mounten lässt. Annähernd den gleichen Komfort erlaubt VMware Workstation 3.0 nun auch für Gastsysteme: Im Konfigurations-Editor kann unter SCSI bzw. IDE Devices nun der Gerätetyp "CD-ROM Image" ausgewählt werden. Nach Eingabe des Image-Dateinamens und Klick auf Install steht das CD-Image beim nächsten virtuellen Windows-Start unter einem eigenen Laufwerksbuchstaben zur Verfügung; in Abbildung 10 ist das Image als zusätzliches "Laufwerk E:" zu sehen, das normale CD-ROM-Laufwerk kann natürlich weiter verwendet werden. Dank SCSI-Emulation lassen sich so eine ganze Reihe von Images permanent einbinden.
Aus Sicht von Windows handelt es sich bei den ISO Images um CDs in echten, physikalischen CD-Laufwerken - Software, die prüft, ob sie wirklich von CD und nicht von der Platte oder aus dem Netz gestartet wurde, kann damit zur Zusammenarbeit überredet werden.
Auf Ihrem System befindet sich noch eine "native" Windows-Installation in einer FAT- oder NTFS-Partition? Dann werden Sie sich über die Möglichkeit freuen, die echte Platte einfach wie eine virtuelle zu integrieren. Im Configuration Editor ordnen Sie dazu einem freien IDE- oder SCSI-Device einfach die passende Gerätedatei (z. B. /dev/hda für die erste IDE-Platte) und den Typ "Raw Disk" zu. Prinzipiell können Sie sogar auf das Anlegen einer virtuellen Platte verzichten und nur mit der echten arbeiten; ein paralleles Booten der gleichen Windows-Installation auf dem echten und virtuellen Rechner dürfte allerdings an zu großen Hardware-Unterschieden scheitern. Dennoch ist der direkte Plattenzugriff vorteilhaft, da Sie nun im Gast-System eine Zugriffsmöglichkeit auf NTFS-Partitionen Ihres Rechners haben: Linux kann NTFS-Dateisysteme ja nur read-only mounten, und auch das bereitet oft Schwierigkeiten. Im Test war der Zugriff auf die echte Platte und zwei von Windows 2000 angelegte Partitionen (NTFS und FAT) problemlos möglich.
Für den direkten Plattenzugriff sind übrigens Lese- und Schreibrechte für die zugehörige Gerätedatei erforderlich. Im Fall von SuSE Linux 7.3 ließ sich das über zwei Methoden erreichen:
Das herausragende neue Merkmal von VMware Workstation 3.0 ist sicherlich die XP-Unterstützung. Einige weitere Features haben wir bereits besprochen, außerdem gibt es in der neuen Version:
Wir haben VMware auf einem Pentium-IV-1400 installiert. Das Programm wurde sowohl lokal ausgeführt wie auch remote von einem im Netz erreichbaren Rechner aus aufgerufen. In beiden Fällen lief XP im emulierten Rechner mit ausreichender Geschwindigkeit; beim Remote-Aufruf führte nur der verlangsamte Bildschirmaufbau zu Wartezeiten. Den normalen Anwendungsfall stellt aber sicher den Start am Host-Rechner dar; hier lässt sich in jedem Fall flüssig arbeiten.
Die Verbesserungen von VMware Workstation 3.0 gegenüber dem Vorgänger machen ein Update interessant - unverständlich sind die deutlich gestiegenen Preise, die VMware zusammen mit einer zusätzlich benötigten Windows-Lizenz zu einer größeren Investition machen. Mit den neuen Preisen entfernt sich VMware vom Markt der privaten Anwender. Vielleicht erscheint ja in Kürze auch eine 3.0-Version von VMware Express: Das bis vor kurzem erhältliche VMware Express 2.0 erlaubte nur die Installation von Windows als Gastsystem und war deutlich günstiger.