Gnomogram

News und Programme rund um GNOME

01.02.2002

GNOME-Foundation-Wahlen

Etwas später als erwartet stehen jetzt die Ergebnisse der zweiten GNOME-Foundation-Wahlen fest [1]. Da ein Großteil der professionellen GNOME-Entwickler entweder bei Ximian oder Red Hat angestellt ist, griff dieses Jahr eine spezielle Klausel, nach der nicht mehr als vier Direktoren beim gleichen Unternehmen beschäftigt sein dürfen.

Statt Michael Meeks rückten deshalb James Henstridge und George Lebl auf. Nicht gewählt wurde der Gründer der Free Software Foundation, Richard M. Stallman (bekannt als RMS), dessen Selbstnominierung für viel Aufsehen sorgte. Er vertritt teilweise sehr extreme Ansichten in Sachen freier Software.

Mit dabei sind natürlich wieder Miguel de Icaza und Federico Mena-Quintero - die beiden Gründer des Projekts - sowie andere alte Bekannte.

Neben diversen rechtlichen Fragen, die noch offen stehen, muss das neue GNOME Foundation Board nun auch die Details der nächsten GUADEC klären. Diese wird voraussichtlich im April in Sevilla stattfinden.

Portierhilfen für GNOME 2

GNOME 2 bedeutet mehr für Programmierer als für die Benutzer eine Umstellung, da die inzwischen als Beta vorliegende Plattform inkompatible API-Änderungen mit sich bringt. Damit viele Entwickler die Möglichkeiten der neuen Plattform nutzen, findet sich unter [2] ein Portierungs-Leitfaden und unter [3] eine Dokumentation der GTK2-APIs.

Wer bei der Entwicklung seines Programms auf Glade zurückgegriffen hat, wird sich voraussichtlich einen Teil der Arbeit sparen können, da sich alte Glade-Dateien konvertieren lassen werden.

GNOME ist jedoch mehr als nur die Plattform - alle Programme sollen ein gemeinsames Look & Feel teilen. Wer sein Programm auf GNOME 2 portiert, sollte deshalb einen Blick in die Human Interface Guidelines [4] werfen.

So sollen GNOME-2-Programme zum Beispiel den Abbrechen-Button links vom Aktions-Button (also z. B. Speichern) darstellen. Falls diese Regel konsequent durchgesetzt wird, steigt beim Benutzer die Produktivität.

Abbildung 1: Ein beispielhafter Vorliebendialog nach den Human Interface Guidelines

Ximian Connector

Als Evolution 1.0 erschien, hat Ximian für 2002 ein Programm namens Connector [5] angekündigt. Anders als Evolution soll das Programm, welches Evolution zu einem vollwertigen Exchange-Client macht, unter einer proprietären Lizenz für 69 US $ vertrieben werden. Entgegen anders lautenden Befürchtungen bleibt Evolution selbst jedoch weiterhin frei im Sinne der GPL.

Fidelio

Fidelio ist ein GNOME-Client für Hotline [6], ein System, das stark an alte Mailboxen erinnert. So kann der Benutzer auf einem Hotline-Server wie bei FTP Dateien herunter- und hochladen, chatten und ähnlich wie im Usenet News lesen. Genau wie bei alten Mailboxen gibt es keinen zentralen, großen Hotline-Server, sondern viele kleine, die unabhängig voneinander existieren.

Das hat den Vorteil, dass die Server unabhängig vom recht angeschlagenen Unternehmen Hotline Communications weiterbestehen können. Auf der anderen Seite ist es relativ schwer, sich innerhalb der vielen Server zurechtzufinden. Um trotzdem den Überblick zu behalten, gibt es "Tracker", die aktuelle Server-Listen pflegen. Da neben dem offiziellen Hotline-Tracker unzählige andere existieren, gibt es wiederum Tracker-Listen, wie [7].

Hauptunterschied zum offiziellen Tracker ist nicht nur der größere Umfang der Server-Listen - bei inoffiziellen Trackern finden sich zahlreiche Seiten mit rechtlich bedenklichen Inhalten. So werden Hotline-Server gerne zum Verteilen der neuesten DivX-Dateien verwendet.

Obwohl es viele thematisch geordnete Hotline-Server gibt, ist es oft sehr nützlich, auf eine Suchmaschine wie SADwyw [8] zurückzugreifen, um eine bestimmte Datei zu finden. Hat der Benutzer diese einmal gefunden, ist es allerdings nicht unüblich, dass er erst eine Weile warten muss, bevor der - in der Regel in der Bandbreite recht eingeschränkte - Server die Ressourcen frei gibt. Außerdem muss der Anwender bei einigen Servern einen Account beantragen oder einige Dateien auf den Server hochladen, bevor er selbst downloaden darf.

Abbildung 2: Neben zahlreichen DivX-Animes finden sich auch viele Bücher auf Hotline Servern

Firewall Builder

Mit Hilfe des Firewall Builders [9] lassen sich selbst komplizierte Firewall-Regeln mittels Drag & Drop erstellen und in ein Skript umsetzen.

Firewall Builder versteht sich sich dabei sowohl mit mit Iptables (Linux 2.4) wie mit Ip_filter (FreeBSD). Zudem kann das Programm mit Hilfe einer Erweiterung [10] Policies direkt auf der Ein-Disketten-Firewall Floppyfw [11] installieren.

Firewall Builder verwaltet alle Hosts, Firewalls und Dienste als Objekte, die in einer Baumansicht angelegt werden können. Diese Objekte lassen sich wiederum zu Gruppen zusammenfassen. So können zum Beispiel alle mit Kerberos verbundenen Dienste als ein Objekt behandelt werden.

Es ist nicht nötig, alle Hosts per Hand einzutragen - unter Tools/Discover Objects kann das Programm Host-Namen über SNMP, aus einer DNS-Zone, oder über die Datei /etc/hosts finden. Die gefunden Objekte können später in die Regeln eingesetzt werden. Zum Beispiel könnten alle Kerberos-Dienste an allen Wochentagen nur für einen bestimmten Host erlaubt werden.

Für Standard-Konfigurationen bietet Firewall Builder außerdem einen Druiden, der den Benutzer bei der Konfiguration an die Hand nimmt.

Noch differenzierter lassen sich Regeln im Interfaces-Reiter einer Firewall einrichten: Neben den globalen Regeln kann man hier Interface-spezifische einrichten. Firewall Builder unterstützt zudem die Network Address Translation (NAT). So lassen sich IP-Datagramme zu anderen Hosts oder Ports umleiten.

Abbildung 3: Größtes Manko an Firewall Builder sind die teilweise sehr hässlichen Icons

Mrproject

Mrproject [12] ist - wie der Name bereits andeutet - eine Projektmanagement-Software, die von den Fähigkeiten zwischen Evolution und ToutDoux angesiedelt ist. Da Mrproject über GAL auf die in Evolution verwendeten Widgets zugreift, müsste die Oberfläche jedem Evolution-Benutzer vertraut vorkommen.

Alle von Mrproject verwalteten Aufgaben können entweder in einer Kalender-Ansicht oder in einem GANTT-Diagramm dargestellt werden. Das Diagramm hat den Vorteil, dass es den zeitlichen Rahmen der einzelnen Aufgaben und Unteraufgaben, prozentualen Fortschritt und Abhängigkeiten unter den Aufgaben anzeigt.

Abhängigkeiten können einfach durch das Verbinden zweier Aufgaben erzeugt werden; verschiebt sich die Frist der ersten Aufgabe, wird der Starttermin der zweiten mit verschoben. Weiterhin lassen sich alle Abhängigkeiten und Teilaufgaben in einer Netzwerk-Ansicht anzeigen, die einfach ein Flussdiagramm aus den Daten erstellt.

Zudem können in Mrproject einzelne Aufgaben Personen oder ganzen Gruppen zur Bearbeitung zugewiesen werden. Unter Ressourcen können für eine Aufgabe benötigte Materialien definiert werden. Zu allen Ressourcen lassen sich E-Mail-Adressen definieren, an die Mrproject mit Hilfe von Evolution Mails schickt.

Die Zusammenarbeit der beiden Programme soll in Zukunft weiter gehen: So ist geplant, den Kalender aus Mrproject mit dem von Evolution zu synchronisieren.

Abbildung 4: Mrproject kann jeder Aufgabe eine Gruppe zur Bearbeitung zuweisen

Benötigte Bibliotheken:

Fidelio: libxml2

Firewall Builder: libfwbuilder, libxml2 >= 2.4.0, libxslt >= 1.0.0, libgtkmm >= 1.2.3, ucd-snmp >= 4.2, openssl >= 0.9.6

Mrprojekt: libgal >= 0.11.2, gnome-vfs >= 1.0.0, libxml >= 1.8.14, gnome-print >= 0.25, oaf >= 0.6.5

Der Autor

Björn Ganslandt ist Schüler und leidenschaftlicher Bandbreitenverschwender. Wenn er nicht gerade damit beschäftigt ist neue Programme auszuprobieren liest er Bücher oder spielt Saxophon.

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