GUI-Programme erstellen mit Glade

Lichtung im GTK-Wald

Die Entwicklung auf GTK+ basierender, grafischer Benutzeroberflächen – ein schwieriges, umständliches Unterfangen? Der GUI-Builder Glade widerlegt solche Behauptungen.

Kaum hat man seine erste Programmierstunde absolviert und in der Welt der Schleifen und Funktionen Fuß gefasst, beginnen einen neue Fragen zu quälen: "Wie werden beispielsweise diese schönen, bunten Applikationen entwickelt?" Sogleich erfährt man, dass Ansätze wie OO-Entwicklung zur Tagesordnung in diesem Gebiet gehören. Beängstigt betritt man das neue Terrain und vernimmt zunächst, was ein API ("Application Programmers' Interface") ist: Eine Sammlung von Klassen in Form von Bibliotheken, mit denen man endlich anfangen kann, grafische Bedieneroberfläche zu entwickeln… Muss dies alles so kompliziert sein?

Wichtige Konzepte

Nicht unbedingt. Vor allem aber muss man nicht alles auf einmal lernen, um die ersten Schritte bei der Programmierung grafischer Benutzerschnittstellen zu gehen. Manche Kenntnisse sind allerdings unerlässlich zum richtigen Programmentwickeln, zum Beispiel das Verständnis von Konzepten wie Objekt, Klasse, Signal, Ereignis etc. Anderes – etwa die Kenntnisse der API-Funktionen – kann man sich aber anhand von Beispielen im Verlauf der Entwicklung aneignen.

Die Strukturen in einer Bedienoberfläche werden als Objekte behandelt, also als Gruppierung von Daten und speziellen Funktionen (in der Welt der objektorientierten Programmierung Methoden genannt) zu einer individuellen, identifizierbaren, logischen Einheit. Solche Einheiten (etwa die Knöpfe eines Fensters) können wiederholt verwendet werden, und obwohl sie normalerweise über die gleichen Methoden verfügen, wirken sie auf unterschiedliche Datenbestände. Das erklärt zum Beispiel, warum beim Anklicken (Methode) eines Knopfes verschiedene Aufgaben (Datenverkehr) erledigt werden können.

Der Aufbau eines Objekts wird in einer Klasse beschrieben. Deswegen kann man sagen, dass Klassen als Schablonen für Objekte dienen. Neue Klassen können auf bereits vorhandenen aufbauen und so erweitert werden, dass sie neue Aufgaben bewältigen.

Um ein Programm zu befähigen, auf vom Benutzer hervorgerufene Ereignisse entsprechend zu reagieren, werden in der GUI-Programmierung Signale verwendet. Sie kommen zum Zuge, wenn ein Mausknopf gedrückt, ein Fenster zugemacht oder Text getippt wird. Bei jedem Ereignis sendet das entsprechende Objekt je nach Typ und Klasse ein unverwechselbares Signal (das heißt, eine seiner Methoden wird aufgerufen). Es lässt sich von einem Signal-Handler regelrecht aufnehmen, wobei eine bestimmte Aufgabe erfüllt wird.

Das Gimp-Toolkit

Eine der bekanntesten Linux-APIs zur GUI-Entwicklung ist das Gimp-Toolkit GTK+. Es bildet eine Hierarchie von Objekten (hier Widgets genannt), die über die verschiedensten Signale verfügen. Es gibt Signale, die alle Widgets von ihren "Ausgangsklassen" erben (zum Beispiel destroy) und andere, Widget-spezifische (etwa das Signal toggled von den "Ein-/Aus-Schaltern"). Programme mit GTK+ zu entwickeln ist nicht schwierig, verlangt aber, dass man mit dessen Widgets und Methoden vertraut ist.

GTK+ benutzt eine sehr flexible Methode zur Positionierung der Widgets auf der Bedieneroberfläche: das Verpacken einzelner Widgets in Containern. Mit ihnen informiert man GTK+, an welcher Position ein Widget zu erscheinen hat, und bereitet Zellen vor, in denen andere Widgets platziert werden. Die wichtigsten Container sind Boxen und Tabellen.

Den Aufbau eines GUIs aus diesen Widgets und Containern in einem Text-Editor zu kodieren, erfordert tatsächlich einige Erfahrung. Einfacher geht es durch "visuelle Programmierung", bei der man das Interface einer Applikation nach dem WYSIWYG-Paradigma mit einem Minimum an Aufwand gestalten kann. Das entlastet den Programmierer, sodass sich dieser vornehmlich auf die Programmierung der Funktionalität konzentrieren kann.

Ein Tool, das GTK-Programmierer mit diesem "Rapid Application Development"-(RAD-)Ansatz unterstützt, ist Glade, zu Deutsch "Lichtung". Dieses Programm ist in der Lage, GUI-Code in verschiedenen Programmiersprachen zu erstellen (C, C++, Ada95, Eiffel, Perl und Python) und steht unter [1] zum Download bereit, sofern es nicht ohnehin mit der Distribution mitgeliefert wird. Ein Kompilat für Windows kann unter [2] bezogen werden.

Vorausgesetzt, dass GTK+ in der Version 1.2.0 (oder höher), autoconf in der Version 2.13 und automake in der Version 1.4 vorhanden sind, erfolgt die Installation von Glade aus dem Quellcode heraus ganz einfach mit den üblichen Kommandos: ./configure =Applikationsverzeichnis, make und make install. autoconf und automake sind auch notwendig, um mit Glade erstellte Projekte erfolgreich zu übersetzen. Falls GNOME-Unterstützung gewünscht wird, ist zudem eine aktuelle Version (höher als 1.0.50) der GNOME-Bibliotheken erforderlich.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Adventskalender mit C++ und Qt
    Es müssen nicht immer Schokoladefigürchen sein: Ein Bilderadventskalender lässt sich auch als GUI-Programm gestalten und eignet sich hervorragend zum Einstieg in die C++-Programmierung.
  • KDE-Hintergrund mit SuperKaramba und Python aufwerten
    SuperKaramba sorgt dafür, dass sogar der KDE-Hintergrund etwas Nützliches tut. Was das ist, können Sie selbst programmieren – mit Python.
  • Quellcode, installierfertig zusammen gestellt
    Sei es ein in "out of the box" vorgestelltes Programm, sei es sonstige Software – im Quellcode vorliegende Programme unter Linux zu kompilieren und zu installieren ist nur selten wirklich schwierig. Da stellt sich die Frage: Wie wird eigentlich ein solches Sourcecode-Paket zusammen gestellt, damit auch alles klappt?
  • Einführung in Tcl/Tk, Teil 3
    Nachdem Sie im ersten Teil dieses Programmierkurses gesehen haben, wie einfach sich Buttons mit Tcl/Tk programmieren lassen, und im zweiten mehr über die Skriptsprache Tcl lernen konnten, werden Sie diesmal eine etwas aufwändigere grafische Oberfläche erstellen.
  • Grafische Oberflächen mit QT
    Grafische Oberflächen (GUIs) für KDE programmieren: Das klingt anstrengender, als es tatsächlich ist. Mit Qt entwickeln Sie auf einfache Weise einen Bildbetrachter – wir zeigen, wie es geht.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 10/2016: Kryptographie

Digitale Ausgabe: Preis € 0,00
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Soundkarte wird erkannt, aber kein Ton
H A, 25.09.2016 01:37, 1 Antworten
Hallo, Ich weiß, dass es zu diesem Thema sehr oft Fragen gestellt wurden. Aber da ich ein Linu...
Scannen nur schwarz-weiß möglich
Werner Hahn, 20.09.2016 13:21, 2 Antworten
Canon Pixma MG5450S, Dell Latitude E6510, Betriebssyteme Ubuntu 16.04 und Windows 7. Der Canon-D...
Meteorit NB-7 startet nicht
Thomas Helbig, 13.09.2016 02:03, 3 Antworten
Verehrte Community Ich habe vor Kurzem einen Netbook-Oldie geschenkt bekommen. Beim Start ersch...
windows bootloader bei instalation gelöscht
markus Schneider, 12.09.2016 23:03, 1 Antworten
Hallo alle zusammen, ich habe neben meinem Windows 10 ein SL 7.2 Linux installiert und musste...
Ubuntu 16 LTE installiert, neustart friert ein
Matthias Nagel, 10.09.2016 01:16, 3 Antworten
hallo und guten Abend, hab mich heute mal darangewagt, Ubuntu 16 LTE parallel zu installieren....