Editorial

01.02.2002

Liebe Leserinnen und Leser,

2002 - der Euro ist da, und Europa ist wieder ein Stück näher zusammengewachsen. Beim Stichwort "Zusammenwachsen" fällt mir spontan eine Vision für 2003 ein:

[bash]# rpm -Uvh ms-office-2003.i386.rpm
Willkommen bei der Microsoft-Office-Installation.
Dieses Programm installiert nun Office 2003 in
das Verzeichnis /Programme/Microsoft/Office2003.
Bitte bestätigen Sie durch Eingabe von "ja" Ihr
Akzeptieren des Endbenutzer-Lizenz-Vertrages: ja
ms-office-2003      ############################
Bitte geben Sie jetzt die Seriennummer ein:1HF62-B467X-72AF3-FA375-00000-00FA2
Hardware-Informationen für die Aktivierung werden
gesammelt.
………………………….. 100%
Daten werden an register.microsoft.com übertragen.
Microsoft Office wurde aktiviert.
Bitte beachten Sie, dass nach Installation eines
neuen Kernels, einer neuen glibc-Bibliothek, einer
neuen X-Window-Version oder dem Austausch von mehr
als zwei Hardware-Komponenten eine erneute Akti-
vierung erforderlich ist. Dazu wählen Sie in einem
der Office-Produkte den Menüpunkt Extras/Produkt-
aktivierung.
[bash]# _

Schöne oder schreckliche Vision? Eine mögliche Portierung der gängigen Microsoft-Anwendungen auf die Linux-Plattform ist wohl eine der am heftigsten diskutierten Fragen unter den Anwendern des freien Betriebssystems. Während die Einen sehnsüchtig darauf warten, ihre Lieblingsprogramme endlich ohne Emulator unter Linux ausführen zu können, fürchten die Anderen das Ende der Stabilität und den endgültigen Einzug des Kommerz.

Die Idee wirft zwei Fragen auf: 1) Wird Microsoft diesen Schritt je gehen? 2) Welche Auswirkungen würde dies haben? Die erste Frage lässt sich nicht beantworten. Microsoft unterstützt zwar durchaus nicht nur seine eigenen Betriebssysteme, wie die aufwendige Pflege der hauseigenen Produkte für die Apple-Mac-Plattform zeigt - für dieser Architektur stellt Microsoft aber auch kein Betriebssystem her, das mit MacOS konkurrieren würde. Über die für eine Linux-Portierung notwendige Entwicklungsumgebung dürfte Microsoft verfügen: Schon vor Jahren gab es eine Version des Internet Explorers für das Suns Solaris - ein kommerzielles Unix-System; und was sich auf Solaris portieren lässt, kann auch unter Linux zum Laufen gebracht werden. Dass es bisher kein "Microsoft Office für Linux" gibt, scheint also in erster Linie eine (firmen-) politische Entscheidung zu sein - schließlich würde man sich mit einem solchen Port auf dem Betriebssystemmarkt das Wasser abgraben.

Vor abnehmender Stabilität des Gesamtsystems braucht eigentlich niemand Angst zu haben: Auch ein Word oder Excel würde unter Linux als gewöhnlicher, unprivilegierter Prozess laufen. Wie für alle übrigen Programme würde gelten: Wenn es abstürzt, stürzt es ab - mehr nicht. Und wer mit der Leistung des Office-Pakets nicht zufrieden ist, entfernt es einfach wieder mit den gewohnten Methoden …

[bash]# rpm -e ms-office-2003
Bitte verwenden Sie die Systemsteuerung, um
Microsoft-Produkte zu deinstallieren.
Fehler: rpm wurde abgebrochen.

… oder auch nicht ;-) Von der Frage einer Office-Portierung auf Linux werden sich aber Linuxer nicht abhängig machen. Unüberschaubar viele Projekte arbeiten täglich daran, mit neuen Programmen Linux aktuell und leistungsfähig zu halten. Wenn Sie daran mitarbeiten möchten, wird Sie unser Schwerpunkt zur Programmierung interessieren. Unter anderem betrachten wir IDEs - integrierte Entwicklungsumgebungen. Mehr zum Schwerpunkt finden Sie ab Seite 25.

Viel Spaß mit dem 21. LinuxUser.

Hans-Georg EßerChefredakteur

P.S.: Der für diese Ausgabe angekündigte Test von VMware 3.0 musste leider verschoben werden - wir reichen den Artikel im nächsten LinuxUser nach.

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