Linux - ja! oder TIP?

Volkers Editorial

01.01.2002
Für den erfahrenen Einkäufer genauso wie für den Sucher nach neuen Produkten aller Art stellt sich immer wieder die Gretchenfrage nach dem Preis-/Leistungsverhältnis. Die jüngeren Marktentwicklungen zeigen hier bemerkenswerte geschichtliche Parallelen zum Linux-Betriebssystem auf.

Da war ich zum ersten Mal mit der ganzen Familie im Supermarkt. Mein Einkaufswagen gehörte zu der Sorte, bei der drei Räder zielstrebig nach vorne fuhren, während das vierte ebenso zielstrebig in eine Schlagseitenhaltung manövrierte, als meine Frau und ich über die Ernährung des Kindes sprachen und irgendwie ganz instinktiv mit dem Pampers-überfüllten durchhängenden Wagen bei der Milch landeten (die wir auch kaufen wollten), als wir erstes Elternopfer wurden. Was da passierte, ist so unglaublich trickreich, dass es schon in "Nepper, Schlepper, Bauernfänger" seinen Platz verdient hätte. Ein Wildfremder sprach uns kurz vor den Molkereiprodukten an und erkundigte sich ausgiebig und langatmig nach dem Befinden unseres offensichtlich noch sehr kleinen Kindes, als ich auch schon zu spät bemerkte, dass währenddessen seine Begleiterin die letzten Samstag-Nachmittag-Frischmilchbestände leer räumte. Nun, selbst das trickreichste Ehepaar kann seinen Einkaufswagen nicht ewig bewachen, und daher war ich am Ende doch nicht der gänzlich Übervorteilte…

Doch mit der dennoch ergatterten Milch kamen wir von "Höcksken auf Stöcksken" und schließlich zu der Frage zu einem wirklich interessanten Phänomen in der Welt der Milchprodukte: Wieso entsteht bei gekochtem Schokoladenpudding eine Haut beim Erkalten, während sie andererseits auch beim Erhitzen von Milch entsteht? Meine Frau erklärte es damit, dass es sich mal um Markenartikel handelt und mal nicht (Lösung bei Günther Jauch oder weiter unten bei Haut). Und schon hatten wir schon das Thema zur Gretchenfrage. Wie sieht es denn nun aus mit Markenartikeln versus Handelsmarken? Was ist besser?

Tomate wie Hose

Schauen wir uns das am Beispiel der Hose an. Früher musste man schon eher eine Markenhose kaufen, um etwas zu haben, dass einem auch wirklich passt. Heute sind es die Markenhosen, die ihre Leitkulturfähigkeit verloren haben; ich glaube, der Hosenboden zwischen den Knöcheln wirkt sich eher gefährlich auf den Straßenverkehr aus. Wie fragte mich der Verkäufer noch, als ich das letzte Mal versucht habe, eines dieser stoffverschwenderischen Objekte anzuprobieren: "Und passt's?" Das einzige, das dazu passte, war mein Gedanke an die Pampers meines Sohns, und so sagte ich wahrheitsgemäß: "Wie angegossen! Nur unter den Achseln vielleicht etwas zu weit." Und so habe ich am Ende doch eine "no name" gekauft, die passte. Zweites Beispiel Tomatensuppe. Die klassische Tomatensuppe unterscheidet sich - wenn man sie nicht selbst macht - ohnehin nur in einem: dem Preis. Denn die Chemikalie, aus der Tomatensuppen gemacht werden, ist bis heute noch nicht gänzlich erforscht, und noch immer werden Diplomarbeiten in der chemischen Disziplin dazu vergeben; insbesondere in Italien versucht man, sie noch rechtzeitig als Ersatzwährung für den Euro durchzusetzen. Ich glaube ja, die Chemikalie besteht aus einem Extrakt der aus der Werbung gewonnenen Schwafelsäure; Beistoffe werden mit dem Destillationsprinzip "Aus den Laugen, aus dem Sinn" entfernt. Auch hier siegt wieder das "no name"-Produkt, dank des besseren Preis-/Leistungsverhältnisses.

Und wie sieht es sonst auf dem Markt aus? Das Volumen der Handelsmarken wie z. B. "ja!" oder "TIP" wächst ständig. Die Qualität dieser Produkte steigt stetig (nicht weil sich dahinter in Wirklichkeit überschüssige Markenartikel befinden - nein, früher wurde dies wirklich als minderwertigerer Ersatz produziert); da die Konzerne aber einen immer größeren Martanteil auch am Vertrieb haben (tatsächlich kontrollieren allein drei Firmen mehr als die Hälfte der Produktion und den Vertrieb von Lebensmitteln), können sie viel besser auf die Situation am Markt reagieren und Produkte entsprechend austauschen. Als Folge werden Markenartikel günstiger, wenn sie nicht durch den Konkurrenzdruck ganz vom Markt verschwinden. Es bleibt abzuwarten, ob das prognostizierte Wachstum von 50 Prozent Marktanteil der Handelswaren erreicht wird. Ich finde jedenfalls den TIP-Spinat leckerer als das Blubb-Analogon, das auch noch das Dreifache kostet (nur zum TIP-Dosenpils konnte ich mich noch nicht durchringen - liegt an der zu hohen Halbwertzeit)…

Vom "no name" zum Markenprodukt

Linux ist die Erfindung des finnischen Informatikstudenten Linus Torvalds, der 1991 mit der Erstellung einer eigenen Unix-Version begann. Anfangs nur von Insidern als Betriebssystemalternative zu Windows genutzt, steigerten sich Qualität und Umfang der Funktionalität von Linux in derart rasantem Maße, dass es schnell Verbreitung und umfangreiche Hilfe über das Internet fand. Stand Linux anfangs noch im Schatten seiner großen kommerziellen Brüder wie HP-UX, Siemens' Sinix und IBMs AIX, so ließ die erste "Linux-Marke" auch nicht lange auf sich warten. Heute sind eine Reihe von Distributionen im Umlauf, von denen auch der LinuxUser in gewissen Zeitabständen Interessantes beim Vergleich zu berichten weiß. Heute ist Linux nicht mehr aus der Betriebssystemwelt wegzudenken, und die AIX-Features, die ich auf meinem 4.3.1 AIX im Büro habe und daheim vermisse, sind eher schon etwas für echte AIX-Insider. Nicht zuletzt die Werbung für den Linux-Server von IBM, die derzeit gelegentlich über den Bildschirm flimmert, bestätigt mich darin, dass ich daheim mit meinem Linux schon ganz richtig fahre.

Dass sich hinter Linux aber ganz und gar kein "no name" verbirgt, beweist das Kommando uname, und ein

> uname -snrvma

zeigt, dass sich hinter Eurem Betriebssystem ein ganz eigenes Produkt mit steigender Qualität und wahrscheinlich auch weiter steigendem Marktanteil verbirgt.

Glossar

Haut

Die Haut auf erkaltetem Schokoladenpuddig entsteht durch die Verdunstung von Flüssigkeit an der Oberfläche des Puddings. Legt man allerdings direkt auf den noch heißen Pudding eine Folie, so kann keine Verdunstung stattfinden, und es entsteht keine Haut. Statt Folie funktionieren natürlich auch andere Verdunstungsrückhalter und so kam es auch zur Erfindung des Sahnehäubchens im Puddingbecher, da die meisten Verbraucher eine Hautschicht auf ihrem Pudding eher nicht mögen. Die Haut selbst besteht aus einer Art gelierter Stärke und ist geschmacklich daher in Wahrheit der attraktivste Teil des Puddings. Mit der Haut auf erhitzter Milch sieht es anders aus. Sie entsteht praktisch beim Gerinnen der in der Milch enthaltenen Proteine. Der Unterschied ist nun, dass sich Stärke leichter auflöst als Proteine und daher auch die Hauteffekte bei kalter oder warmer Soße, Erbsensuppe o. ä. hervorruft.

uname

steht für "Unix name" und gibt Systeminformationen aus. Es bietet die folgenden Optionen: -a: Anzeige aller verfügbarer Informationen; -m: Name der System Hardware z. B. i586; -n: Name des Nertwerkknotens; -r: Release-Nummer des Betriebssystems; -s: Name des Betriebssystems (bei uns natürlich Linux); -v: Datum der Kernel-Übersetzung.

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